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,Vom Wirtschaftsleben und seiner Theorie“,
III.
Warum denn bloß lebensnäher? Weil das Leben, wo es aus seiner
vollen Tiefe aufquillt, ein so eigenstörrisch Ding ist, daß bloß der
Dichter ihm beikommt. Einer Fachwissenschaft dagegen, der steht
immer nur der spröde Apparat zu Gebote des zusammenhängend, des
„systematisch“ begrifflichen Denkens. Wenn sie nun an ihr Werk
geht und das erlebte Leben einzudenken und auf Einheit zu verarbeiten
sucht, da zeigen sich die Schwächen jenes Apparats. Fachwissenschaft
muß da stets mit Wasser kochen. Aber so wenig im
Grunde erreichbar bleibt, es hängt eben doch die Reife der Wissenschaft
davon ab.
Mit welcher Art Leben hat es die Nationalökonomie und ihresgleichen
zu tun? Nur mittelbar mit dem Urfall alles Lebens, nämlich
dem persönlichen, dem ichbejahenden Leben. Gar nichts zu tun hat
sie mit dem „organischen“ Leben, das ist jene rätselhafte Verwicklung
inmitten der Erscheinungswelt, in der sich die Biologie nur dadurch
einigermaßen zurechtfindet, daß sie geistige Anleihen gerade auch
bei der sozialen Begriffswelt aufnimmt. Die Nationalökonomie aber
steht unmittelbar vor jenem dritten, sozusagen erlebten Leben,
worin wir alle uns als Lebende unter Lebenden vorfinden; so daß wir
ein Ander-Ich auch nur so anerkennen, daß wir einer wirkenden Einheit,
einem Knotenpunkt erlebten Geschehens einräumen, es fände
sich im Geflechte des erlebten Allzusammenhanges gerade so vor wie
wir selber. Diesen Erfahrungsbereich teilt aber die Nationalökonomie
noch mit Schwesterwissenschaften, und auch mit den historischen
Wissenschaften. Man könnte diese Gruppe von reinen Erfahrungswissenschaften
als „Lebenswissenschaften“ zusammenfassen. Aber da
ist eben der ärgerliche Anklang an die Biologie, die ja im schroff entgegengesetzten
Lager der Naturwissenschaften steht; zu denen von
uns aus jegliche Beziehung fehlt, weil sich Naturwissenschaft sozusagen
in jenseitiger Erfahrung eingründet, indem sie gleichsam von
der Medaille „empirische Wirklichkeit“ bloß die Reversseite sieht.
Man faßt deshalb unsere Wissenschaften besser sinnbildlich als Schicksalswissenschaften
zusammen; denn nicht minder sinnbildlich läßt sich
ihr gemeinsamer Erfahrungsbereich, die Totalität des erlebten Lebens,
als Schicksalswelt bezeichnen. Und das wäre nun das Gegenstück zur
„Natur“ der Naturwissenschaft — nicht zu verwechseln mit der „Natur“
des Dichters, belebt von den „Brüdern in Wald und Flur“, womit ja
nur eine poetisch verklärte Schicksalswelt vorliegt. Wir also sehen