Full text: Wirtschaft als Leben

Hs 
SÄ?? 
31® 
? 
m&mm 
Abschnitt III. 
703 
gleichsam die Aversseite der Medaille „Wirklichkeit“; oder sachlicher 
gesprochen: zwei grundverschiedene Wege der Erfahrung führen in die 
immer Eine und ungeteilte Wirklichkeit des anschaulich Erlebten! 
Darüber noch hinaus braucht die erkenntniskritische Untergründung 
einer Fachwissenschaft, im Geiste ihrer Selbstbesinnung, nicht mehr 
zu gehen. 
Aber was ist denn Leben ? Da flüchtet die Antwort wohl ins Reich 
der Gleichnisse. Bilder drängen sich auf, von einem Strom, der seine 
eigenen Quellen speist, oder von einem Ruhenden inmitten aller 
Wandlungen Unrast. Damit ist einer Fachwissenschaft nun gar nicht 
gedient. Gleichgültig, was Leben „ist“, will sie bloß wissen, ob und wie 
denn selbst ihr systematisch begriffliches Denken noch heranfindet an 
das Leben. Und da besinnt man sich einfach auf den empirischen 
Grundgedanken alles Lebens: dort ist Leben, wo sich Einheit, Wirken 
und Dauer zusammenfinden. Wirken und Dauer verschränken sich so 
zur Einheit, daß die Dauer ebenso das Wirken trägt wie dieses die 
Dauer. Dort also ist ein Lebendes, wo eine wirkende Einheit ihr Dasein 
selbsttätig behauptet, als wirkende Einheit von gleichsam innerlich 
erarbeitetem Bestand. So ist es beim Lebewesen, beim biologischen 
Organismus, besser gesagt, nur bei solcher Auffassung wird man dieser 
Verwicklung zur Not noch Herr. Die gleiche Auffassung widerstreitet 
auch nicht dem persönlichen Leben, soweit in dessen Tiefe begriff 
liches Denken hinabreicht. Erschöpfend aber malen sich in dieser 
Auffassung jene Lebenswirklichkeiten der Schicksalswelt, die als ihre 
„Gebilde“ später zu beleuchten sind. 
Der engere Grundgedanke alles Lebens aber ist eben doch die 
Dauer! Nicht jene stumpfe Dauer, wie etwa beim Stein am Wege, 
der liegen bleibt, solange ihn niemand wegstößt, und ganz bleibt, so 
lange ihn nichts zertrümmert. Sondern eben eine tätige und auch tätig 
ertrotzte Dauer; eine Dauer, so innig verflochten mit Wirken, daß sie 
eine zugleich erwirkte und eine Dauer des W irkens darstellt. Trifft 
solche Dauer irgendwo zu, trifft Leben zu. Diese lebenbedeutende 
Dauer sei kurz als Andauer bezeichnet. 
Aber wir retten uns lieber auf ein einfachstes, nüchternstes Bei- 
spiel: eine moderne Erwerbsunternehmung, also je nach Wahl eine 
Bank oder ein Handelshaus, eine Fabrik, eine Reederei oder ähn 
liches. Das Streben nach Ertrag hat man die Seele des Unternehmens 
genannt. Tatsächlich spielt es hier die idealtypisch gesehene „Domi 
nante“, aussagbar als der dieses Gebilde tragende „Wille zum Erwerb“. 
Nu r darf man dieses Streben nicht einfach als eine Zielsetzung auf- 
fessen, um daraufhin in der Unternehmung nur die einschlägige 
-■■■■■■
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.