Unschädlichkeit des privaten Zinsbezugs
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des arbeitslosen Einkommens in der heutigen Wirtschaftsordnung
ist nicht sowohl zu beurteilen vom Standpunkte des Einkommens-
bezugs als vielmehr von dem der Einkommensverwendung aus.
6uch in der heutigen Wirtschaftsordnung müssen irgendwie die Mittel
für den wirtschaftlichen Fortschritt aufgebracht werden, und auch
heute ist zunächst das Zinsen- und sonstige Renteneinkommen dazu
da, um zur Vermehrung des volkswirtschaftlichen Kapitals verwendet
Zu werden.
Die für die volkswirtschaftliche Beurteilung des pri
vaten Zinsbezugs entscheidende Frage ist also die nach
der Verwendung des Zinseneinkommens, verwenden die
privaten Kapitalbesitzer das Einkommen, das ihnen ihr Lefitz ab
wirft, zur Hauptsache nicht für ihren persönlichen Bedarf, geben
sie es mit anderen Worten nicht konsumtiv aus, sondern stellen sie
es in den Dienst der Kapitalbildung und -Vermehrung, so verliert
die Tatsache des Vorhandenseins von arbeitslosem Einkommen ihre
Hauptgefahr. Denn diese liegt darin, daß die Bezieher des Kapital-
Zinses und der Grundrente ihr Einkommen zu einer müßigen und
verschwenderischen Lebensführung verwenden. Wenn sie das tun,
dann kann die Institution des arbeitslosen Einkommens allerdings
die Folge haben, daß die eigentlich arbeitenden Schichten der Be
völkerung dadurch in ihrem Einkommen verkürzt werden. In dem
Rkaße dagegen, in dem die Kapitalisten und Grundbesitzer ihr Renten
einkommen dazu verwenden, um immer wieder neues vermögen zu
bilden, wird diese Gefahr vermieden.
Das Urteil über das arbeitslose Einkommen in der heutigen Ge
sellschaft muß also in erster Linie von dem Gebrauch abhängig ge
wacht werden, den die Klassen, die dieses Einkommen beziehen, von
ihm machen, hier ist somit ein Punkt, wo das Urteil über die be
stehende Wirtschaftsverfassung wesentlich mit bedingt wird durch
das wirtschaftlich-moralische Verhalten der besitzenden Klassen selbst.
Je einfacher und sparsamer diese leben, je mehr sie ihren verbrauch
beschränken auf das, was sie durch eigene Rrbeit verdient haben,