Object: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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ITALIEN. — Finanzen (Schuld). 
gresses 6 Mill. Ducati verschleudert, wovon 2 Mill, an auswärtige 
Unterstützer der bourbonischen Sache, insbesondere auf jenem Con 
gresses) • — Die herrschende Finanznoth veranlasste nicht nur Beibe 
haltung der verhassten Napoleon’schen Grundsteuer, sondern man er 
höhte dieselbe um 35 Proc. Die Verschleuderung des Nationalver 
mögens dauerte fort*) **). — Für den Verfassungsumsturz von 1S22 be 
zahlte man an Oesterreich 85 Mill. Ducati Kriegskosten [nach Angabe 
des Österreich. Generals Bianchi]***). — Als Ferdinand II. den Thron 
bestieg (Nov. 1830), lag ein Jahresdeficit vor von 050,000 Ducati. 
Nun wurden Ersparungen vor genommen am Unterhalte des Militärs 
und der Gefangenen. Dagegen bestimmte ein Decret des Königs für 
jeden Prinzen ein Majorat von einer halben Mill., durch den Staat ver 
zinslich vom Tage der Geburt an. (S. Gualterio, tivolgimenti italiani.) 
Im Uebrigen wurden die Plrgebnisse der Finanz Verwaltung geheim ge 
halten. Erst nach dem Sturze der Bourbonen erfuhr man, dass das 
letzte Budget mit einer Einnahmesumme von 31 020,300 Ducati abge 
schlossen habe. Wie hoch sich der Ausgabeetat belief, wissen wir nicht. 
— Doch scheint die Finanzverwaltung schliesslich eine vollkommen ge 
ordnete gewesen zu sein. 
Schuld. Die italien. Regierung betrachtete es als politische Auf 
gabe , jeden Unterschied der Schulden der verschiedenen Theile des 
neuen Staats zu verwischen. So erschien denn im Juni 1801 ein Ge 
setz, welches, behufs »Unificirung« der sämmtlichen Staatsschulden, 
die Umschreibung aller älteren Obligationen befahl der Verkaufswerth 
derselben war freilich früher ein sehr verschiedener gewesen). Es waren 
80 verschiedene Kategorien in fünfprocentige Schuldscheine des König 
reichs Italien umzuwandeln. Der Stand der Einzelschulden, anfangs zu 
2,100’383,583 Idre berechnet, stieg später, mit Dazurechnung der 
schwebenden Schulden, auf 2,2-1 l’87O,000. Davon rührten nicht weniger 
als 1170 Mill, (also über die Hälfte) vom Königreich Sardinien her, und 
zwar nach Abrechnung von 00 Mill, für Savoyen. Die Schuld der Imm- 
bardei erscheint mit 15(i’, Toscana mit 1 30' (die von der j)rov. Regierung 
aufgenommenen Gelder eingerechnet), Parma mit 117, Modena mit 
18’88, die frühem päpstl. Gebiete mit 30’20 , Neapel mit 520 und Si 
cilien mit 187 Mill. Sodann nahm der neue Staat (Juli 1801) ein An 
lehen von 500 Mill, auf, das im Curse von nur 70 Proc. emittirt 
wurde (oder eigentl. von 00,33, da der Zinsgewinn 1,17 Proc. betrug), 
wesswegen für mehr als 700 Mill. Schuldscheine ausgegeben werden 
*) Talleyrand erhielt hievon eine Million, und als Herzog von Dino über 
dies 00,000 hrc. Jahresrenten ¡ der österr. General Hianchi illefehlshaber der 
Truppen gegen Murat) bekam 40,000 Fres. Rente, der spätere Finanzminister 
Luigi Medici 25,000, Alvaro Ruffo ebensoviel. (Enthüllungen eines späteren 
neapol. Finanzministers.) 
**) 1810 sprach man von »Ersparungen an den Kriegskosten«, blom um den 
Ministern Medici und Tommasi, sowie dem österr. General Nugent, jedem 
00,000 Ducati von dieser angebl. Ersparung schenken zu können. Tommasi 
bezog für ein mit dem röm. Stuhle abgeschlossenes Concordat 80,000 Ducati. 
***■) Dabei beschenkte der König die österr. Generale glänzend; Frimont 
allein erhielt 200,000 Ducati. (Nicht blos die Revolutionen, sondern auch die 
Reactionen sind kostspielig.)
	        
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