Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

2.  Die  Konjunktur  während  und  nach  dem  Kriege.

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vielen  Punkten  die  Macht  der  Tatsachen  und  Verhältnisse  weit
stärker  ist 1 ).“
Auch  bei  diesen  weltwirtschaftlichen  Beziehungen  handelt  es
sich  um  wirtschaftliche  Zusammenhänge,  welche  z.  T.  so  strenge
sind,  daß  dabei  mit  künstlichen  Maßnahmen,  wie  z.  B.  mit  Einfuhrzöllen, ­
  auf  die  Dauer  die  gewünschte  Wirkung  nicht  erzielt  werden
kann.  Auch  von  diesen  Zusammenhängen  gilt  das  Wort  des  Äschylos:
„Klugheit,  wie  viel  ist’s  schwächer,  als  Notwendigkeit.“
Die  großen  Entschädigungssummen,  welche  Deutschland  an
seine  Gegner  zu  leisten  hat,  zwingen  es,  seinen  Export  zu  forcieren
und  zwingen  es,  auf  fremden  Märkten  die  heimische  Industrie  zu
unterbieten.  Es  ist  dies  ein  viel  erörterter  Zusammenhang,  den  man
auch  in  den  Ländern  der  Entente  genau  kennt  und  dem  eine  finanzielle ­
  Persönlichkeit  der  Londoner  City  an  einen  englischen  Kaufmann ­
  in  Hamburg  schon  vor  mehr  als  3  Jahren  folgenden  drastischen
Ausdruck  verliehen  hat:
„Deutschland  kann  nur  in  Waren  zahlen;  wenn  es  die  Waren  in
großen  Mengen  auf  Frankreich  und  England  ausgießt,  dann  wird  der
Rest  des  Handelsgeschäftes,  der  Frankreich  geblieben  ist,  fast  ganz
vernichtet  und  die  Industrie  Englands  in  alarmierender  Weise
stranguliert  werden,  so  daß  unser  Volk  unter  ausgedehnter  Arbeitslosigkeit ­
  zu  leiden  haben  wird  2 ).
r)Mombert,  Besteuerung  und  Volkswirtschaft.  Karlsruhe  1922,  S.  104.
e )  Zitiert  nach  der  Frankfurter  Zeitung,  Abendblatt,  8.  Febr.  1921.
Genau  den  gleichen  Gedanken  hat  der  auch  in  Deutschland  sehr  gut
bekannte  französische  Nationalökonom  Charles  Rist  (Les  Finances  de  Guerre,
de  l’Allemagne,  Paris  1921)  ausgesprochen:  Er  sagt  hier  unter  anderem:
„Das  ganze  Problem  der  Kriegsentschädigung  wird  durch  die  elementare  Tatsache ­
  beherrscht,  daß  das  einzige  Gut,  von  dem  (abgesehen  von  den  fremden
Werten,  die  sie  im  Besitze  hat)  eine  Nation  sich  trennen  kann,  aus  Material,
Gütern  und  Dienstleistungen  besteht.  Geld  (mit  Ausnahme  von  Gold)  kann  in
dieser  Frage  nur  als  ein  Mittel  zur  Berechnung  und  zur  Flüssigmachung  des
Betrages  herangezogen  werden.  Das  ist  die  Tatsache,  welche  J.-B.  Say  vor
langem  in  seine  berühmte  Formel  brachte:  Waren  werden  mit  Waren  gekauft.
Die  praktische  Wirkung  einer  Entschädigung  ist  die,  unentgeltliche  Lieferung
an  Stelle  des  Kaufs  zu  setzen;  aber  die  Frage  bleibt  nichtsdestoweniger  eine
Güterfrage.  Zwei  Schlußfolgerungen  ergeben  sich  daraus.  Erstens  bedart
Deutschland,  um  seine  Schuld  zu  bezahlen,  des  Außenhandels,  und  ohne
diesen  kann  begreiflicherweise  keine  Entschädigung  erzielt  werden.  Ein  Boykott ­
  deutscher  Waren  ist  keine  Maßregel,  die  mit  der  Zahlung  einer  Entschädigung ­
  vereinbart  werden  kann.  Der  Begriff  des  .Wirtschaftskrieges'  mag  in
diplomatischer  Hinsicht  während  der  Feindseligkeiten  nützlich  gewesen  sein,
aber  nun,  wo  der  Feind  niedergerungen  ist,  kann  er  nur  zur  Förderung  von
Sonderinteressen  dienen.  Zweitens  wird  der  Betrag  der  jährlichen  Zahlung,
die  Deutschland  machen  kann,  und  infolgedessen  der  Zeitraum,  innerhalb
dessen  die  ganze  Schuld  (was  auch  immer  die  schließlich  festgestellte  Gesamtsumme ­
  sein  mag)  beglichen  werden  kann,  in  großem  Umfange  von  dem  Gesamtumfang ­
  des  deutschen  Handels  abhängen.“  Zitiert  nach  dem  Berliner
Börsen-Courier  Nr.  207,  5.  Mai  1921.  Zweite  Beilage.
            
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