fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

228 Vierundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. 
zu klären begannen, so sehr auch noch die Schlegel bereit 
waren, diese Heimat in Indien zu finden. 
Was aber hier an einem wichtigen Beispiel ausgeführt 
ist, das wiederholt sich in den Geisteswissenschaften allenthalben: 
ungeheuerlich fast war und wirkte die quantitative Erweiterung 
des Materials. Nicht ohne Grund, wenn auch, vom Standpunkte 
unserer Gegenwart aus betrachtet, mit einiger Übertreibung, 
konnte darum Hotho später in seiner Geschichte der deutschen 
und niederländischen Malerei erklären: „Wir stehen mit unserer 
Kenntnis, Bildung und Einsicht auf einem Gipfel, von dem 
aus wir die ganze Vergangenheit überschauen. Der Orient, 
Griechenland und Rom, das Mittelalter, die Reformation und 
die moderne Zeit breiten sich mit ihrer Religion, Literatur und 
Kunst, ihren Taten, ihrem Leben wie ein universelles Panorama 
vor uns aus, das wir mit universellem Sinne für die Eigen— 
tümlichkeit jedes Volkes, jeder Epoche, jeden Charakters auf⸗ 
fassen sollen.“ 
Wie man sieht, werden indes in diesen Worten schon über die 
bloße Sammlung des Materials hinaus weitere Folgerungen ge⸗ 
zogen. Gewiß hatte man die außerordentliche Wichtigkeit der 
Materialanhäufung und der richtigen Aufbereitung des geistes— 
wissenschaftlichen Stoffes wohl erkannt; auf dem Gebiete der 
deutschen Geschichtswissenschaft war die Romantik die Zeit der Ent⸗ 
stehung des großen Quellenwerkes der Monumenta Germaniae 
historica, in deren Sinnspruch Sanctus amor patriae dat 
animum noch der Geist der Freiheitskriege widerhallte, wie denn 
ihr vielleicht entschiedenster geistiger Urheber der Freiherr vom 
Stein gewesen ist; gewiß gehörte auch die Idee eines Werkes, 
wie der „Jahrbücher der deutschen Geschichte“, die sich zum 
Ziel setzten, „das vollständige Material für die deutsche Ge— 
schichte zusammenzustellen, kritisch zu sichten und in annalistischer 
Form zu verarbeiten“, also historisches Halbfabrikat von un— 
bedingter Zuverlässigkeit und Weite des Materials zu liefern, 
eigentlich noch romantischem Denken an, so sehr sie auch erst 
in den Zeiten des Realismus und noch später verwirklicht 
worden ist. Denn Absichten dieser Art, deren Realisierung, ist
	        
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