Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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gedanken; viele Untersuchungen über die Heimat der Indo— 
europäer zeigten sich noch wenn auch unbewußt von ihm be—⸗ 
herrscht; noch zäher fortlebend hat er eine Rolle in den 
Anschauungen vom Alter des Menschengeschlechts und von der 
Genesis des Menschen überhaupt gespielt: und es würde eine 
der lehrreichsten Untersuchungen zur Geschichte der Ideenwelt 
des 19. Jahrhunderts sein, wollte man einmal seine leisen 
Umwandlungen bis noch zu unserer Gegenwart hin eingehend 
verfolgen. So viel aber ist klar, daß ein erster Zusammenstoß 
dieser uralten Phantastik mit der Wirklichkeit erfolgen mußte, 
sobald man über das mittlere Asien besseren Bescheid er—⸗ 
langte. Und welchen Umschwung brachte da nun eben die 
Romantik! Noch Herder in seinen „Ideen zur Philosophie 
der Geschichte der Menschheit“ hatte von der indischen Ge— 
schichte wenig gewußt. Aber noch er erlebte, seit Ende des 
18. Jahrhunderts, den Anfang einer ganz außerordentlichen 
Erbreiterung der Kenntnisse. Im Jahre 1791 verdeutschte 
Georg Forster die Sakuntala von Kalidasa nach der englischen 
Übersetzung Jones', des Präsidenten der im Jahre 1784 neu 
gestifteten Asiatischen Gesellschaft in Kalkutta. Dann übertrug 
1797 Christian Hüttner das Hindu-Gesetzbuch; und um die⸗ 
selbe Zeit machte Friedrich Majer die indische Geschichte zu 
seinem besonderen Studium: im Jahre 1800 hat er in Tiecks 
Journal einen Aufsatz über die mythologische Dichtung der 
Inder veröffentlicht. Es waren die Vorhallen gleichsam des 
Tempels, den die großen Romantiker bald darauf der Weisheit 
und Poesie der Inder errichteten. Da wandte sich Friedrich 
Schlegel orientalischen Studien, insbesondere dem Sanskrit zu, 
und sein Bruder August Wilhelm folgte ihm auf diesem Wege. 
Da wurden die breiten Straßen gebahnt, auf denen das schon 
früh geweckte Interesse Goethes für den asiatischen Orient 
immer weiter fortschritt, auf deren ebenem Boden sich ebenso 
eine indische Philologie wie die Übersetzungskunst Rückerts ent— 
wickelte. Und es war nur natürlich, wenn sich im Fortgange 
dieser Studien auch universalgeschichtliche Fragen, wie die 
nach Alter und Heimat des Menschengeschlechtes, immer mehr 
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