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Drittes Buch. Der Liberalismus.
er diese Umkehrung im Gange der Bodenkultur stützt, sind höchst ein
drucksvoll. Zunächst weist er darauf hin, daß für den Boden, wie für alle
Naturkräfte, die Reihenfolge in der Domestikation, wenn ich so sagen
darf, im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Macht steht: man hat angefangen,
die tierische Kraft vor der des Windes oder des Wassers zu benutzen, und
diese wieder vor der des Dampfes oder der Elektrizität. Ebenso ist es
mit dem Boden. Was ist denn ein fruchtbarer Boden? Es ist das ein
Boden, der in seinem Naturzustand von einer wuchernden Vegetation
überzogen ist, die man ausrotten muß, oder Alluvialfelder, die den Strömen
und Seen abgerungen werden müssen. „Der reichste Boden ist der Schrecken
der ersten Einwanderer“, sagt er 1 ). Er tritt ihm in der Form von Ur
wäldern entgegen, voll wilder Tiere, die er bekämpfen muß, angefüllt
mit Sümpfen, die zu trocken sind, voller Krankheitskeime, die Kirchhöfe
aus ihnen machen. Generationen müssen sich aufbrauchen, ehe man
diesen reichen Boden benutzen kann. In der Zwischenzeit sucht sich der
erste Ansiedler bescheiden auf einem Hügelabhang irgendeinen leichten
Boden, der seinen schwachen Kräften mehr entspricht, und wo er außerdem
infolge der Lage größere Sicherheit genießt und sich leichter verteidige 11
kann.
Die Richtigkeit dieser Theorie scheint nicht nur durch den Gang
der Bodenkultur und der Kolonisation in den neuen Ländern erwiese 11
zu sein, sondern auch durch die Geschichte und die Zivilisation in der
Vergangenheit. An den Abhängen, auf den Hügeln fanden sich die ersten
Menschen zusammen und bauten ihre Dörfer oder Schlösser, um dann
langsam und vorsichtig in die tiefer liegenden Gefilde hinabzusteigen-
Wie viele Gegenden gibt es noch jetzt in Frankreich, wo man die „neue
Stadt“ sich in der Ebene ausbreiten sieht, während nicht weit davon
die alte Stadt ihre Mauern auf dem Berge erhebt! Die Helden, denen man
später göttliche Ehren erwies, weil sie die Lernäische Hydra oder dm
Vögel des stymphalischen Sumpfes getötet hatten, waren wahrscheinlm
nur die ersten Menschen, die den Mut gehabt haben, die Alluvialböden
urbar zu machen.
Man kann dieser Theorie natürlich genau denselben Vorwurf mache®»
wie der Ricardo’s, nämlich, daß sie nur für ein bestimmtes Milieu und r®
bestimmte Umstände Geltung hat. Die Rententheorie Ricardo’s, so
wir sie kennen gelernt haben, erklärte die England eigentümlichen ua^
Sachen, nämlich die Pressung der Bevölkerung auf einer kleinen Insel un
auf einem schon fast ganz in Besitz genommenen Boden, während
Theorie Carey’s sich wunderbar auf einen riesigen Kontinent a ®wen
läßt, wo eine nur spärliche Bevölkerung einige Kulturinseln inmitten ^
Urwaldes oder der Prärie in Besitz genommen hatte. Man kann da
l ) Carey, Principles of Social Science (Bd. I, S. 127 in der franz. Übe r