§ 8. Der Seeverkehr.
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wässern in nennenswertem Umfange nicht stattfindet. Dagegen spielt
das Landeis hoher Breiten in den mittleren, in die es in der wärmeren
Jahreszeit gelangt, eine so große Rolle, daß man durch sein Auftreten
und die von Jahr zu Jahr beobachteten Schwankungen zu starken
Aenderungen der Schiffswege sich bequemen muß, wenn man die Fahr
zeuge vor den sie bedrohenden Gefahren hinreichend sichern will.
Die Haupteigentümlichkeit des Seeverkehrs ist, daß er wenigstens
teilweise von mehreren Medien viel abhängiger ist als der Landver
kehr, wenn dies auch für die Dampfer vorwiegend indirekt der Fall
ist. Zwar haben wir oben gesehen, daß auch für die Landverkehrs
mittel erhebliche Einflüsse aus den atmosphärischen Erscheinungen
sich ergeben. Aber sie treten hier wesentlich nur im Winter und
vielfach auch nur vorübergehend auf, während sie sich auf See
fast immer geltend machen. Ferner bedeuten sie für die Schiff
fahrt keineswegs nur Störungen des regelmäßigen Betriebes, sondern
in unzähligen Fällen eine Förderung und sie bilden für das Segel
schiff ja überhaupt die Grundlage der Bewegung. Von der Art und
den räumlichen Besonderheiten ihres Auftretens hängt mehr noch als
von den Meeresströmungen die Wahl der Wege ab, und die Luft
strömungen über dem Ozean sind das wichtigste Element, das die
Verkehrsgeographie in ihre Berechnungen einzusetzen hat.
Das gilt nicht etwa nur von den Zonen, in denen regelmäßige,
wenn auch die Grenzen ihres Herrschaftsgebietes mit den Jahreszeiten
verändernde Windrichtungen beobachtet werden, wie die subäquato
rialen Passate und manche anderen Winde. Auch in den mittleren
Breiten der Nordhalbkugel lassen sich auf Grund unserer Kenntnis der
häufigsten Art des Fortschreitens der großen, über den Ozean heran
ziehenden Luftwirbel Regeln für die Aus- und die Heimreise der
den Ozean von Ost nach West und umgekehrt durchquerenden Segler
aufstellen. Da schließlich nicht nur diese, sondern bis zu einem ge
wissen Grade auch die Dampfer durch stärkere Winde in ihrer Fahrt
beeinflußt werden, so ergibt sich aus all diesen Dingen die Notwendig
keit genauester Untersuchung und Feststellung all der den Verkehr
fördernden und hindernden Erscheinungen der über dem Weltmeer
befindlichen Luftmassen.
Was für die Verkehrsgeographie des Festlandes
und der Binnengewässer erst angestrebt wird, die Be
stimmung aller die Personen- und Güterbewegung be
einflussenden Naturerscheinungen nach Maßgabe ihres
räumlichen und räumlich bedingten Auftretens, das
ist von der Nautik in seinen Grundzügen für den Ver
kehr zur See bereits ausgeführt. Hier ist demnach eine streng
wissenschaftliche und methodische Arbeit geleistet worden, die nur
noch in ihren Einzelzügen ergänzt und erweitert zu werden braucht.
Im allgemeinen kann die Art und Weise des von der Nautik Ge
leisteten in ihren das Meer und die Luft betreffenden Untersuchungen
als Muster für die Weiterentwicklung der allgemeinen Verkehrs
geographie überhaupt dienen.
Dagegen erwächst der Geographie des Seeverkehrs
ebenso wie derjenigen des Festlandverkehrs eine der
Meeres- und Schiffahrtskunde ferner liegende Aufgabe auf
Grund der auch an sie zu stellenden Forderung, daß sie sich auch
mit den Beziehungen zwischen dem Verkehrsgebiet, in