Full text: Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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— , könnte man von einer vertikalen Kombination sprechen, denn diese 
Walzprodukte werden aus Halbzeug liergdstellt. Je mehr die Stahlwerke 
dazu übergehen, ihr Halbzeug selbst auszuwalzen, statt es zu verkaufen, 
wird auch die Gruppe Halbzeug im Verband an Bedeutung verlieren. 
Anders liegen schon die Verhältnisse im Kohlensyndikat. Ursprünglich 
standen nebeneinander: das Kohlensyndikat, das Kokssyndikat und der 
Brikettverkaufsverein. Diese Kartelle sind bei der Verbandserueuerung 
im Jahre 1903 im neuen Kohlensyndikat verschmolzen worden. Die ver 
tikale Kombination umfaßt die ganze Kohlenerzeugung und hat den 
Einfluß und die Bedeutung des Syndikats wesentlich gehoben. Im Sommer 
1914 bemühte man sich ein Kartell zustande zu bringen, das die Produkte 
der einzelnen Stufen der Drahtindustrie umfassen sollte. Die Pro 
duktion und der Absatz von Walzdraht, gezogenen Drähten und Draht 
stiften sollten vom neuen Syndikat reguliert werden. Ob diese Bestrebungen 
in Zukunft zunehmen, ob es einmal möglich sein wird, ein umfassendes 
Montankartell zu gründen, das von den Erzen und Kohlen angefangen, 
die gesamte Produktion der kombinierten Stahlwerke umschlingt, muß 
abgewartet werden. Mir scheint, daß die Kartelle für solche machtvolle 
Kombinationen nicht tragfähig sind. Zwar wird eine vertikale Kartell- 
kombination in kleinerem Ausmaß sich hier und dort durchsetzen. Der 
Ausbau eines Montankartells würde aber so stark in die Selbständigkeit 
der einzelnen Unternehmungen eingreifen, daß es richtiger wäre, gleich 
einen Schritt weiter zu gehen, und die Selbständigkeit der Mitglieder voll 
ständig aufzuheben, einen Trust zu bilden. Nur so ließen sich auch die 
starken inneren Reibungen vermeiden, mit denen ein Montankartell wahr 
scheinlich zu rechnen hätte. 
Eine Unsumme von Mühe und Arbeit muß in der Regel aufgewendet 
werden, ehe die Basis gefunden ist, auf der sich die mannigfachen Sonder 
interessen ausgleichen lassen, ein Kartell organisiert werden kann, und von 
der Breite dieser Basis hängt es ab, bis zu welchem Grade das Kartell den 
Markt beherrscht. Aber das Wirtschaftsleben steht nicht still. Fort 
schritte auf dem Gebiet des Transportes und der Produktion rufen weit 
reichende Verschiebungen hervor, die Tendenz zur Massenproduktion 
läßt sich nicht unterdrücken, solange selbständige Unternehmungen neben 
einander dem gleichen Ziele der größtmöglichen Rentabilität zustreben. 
Die Kartelle erfassen ja, man kann wohl sagen, in der Regel nicht die ge 
samte Erzeugung; Außenseiter im Produktionsgebiet sind fast immer vor 
handen. Sie haben auch keinen Einfluß auf die Änderungen in der Stärke 
der gebietsfremden oder ausländischen Konkurrenz. Und endlich: die 
Kartelle schalten den Konkurrenzkampf unter ihren Mitgliedern nicht 
vollständig aus, sie beschränken die Selbständigkeit mehr oder minder nur
	        
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