Full text: Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

88 
Suchen in den Konditionen- und Preisvereinbarungen die Karteile 
die Folgen des Wettkampfes zu mildern und üben die Gebiets- und Ge 
winnkartelle nur indirekt einen Einfluß auf das Verhältnis des Angebots 
zur Nachfrage aus, so greifen die Produktionskartelle das Übel 
an der Wurzel an. Das Überangebot zu beseitigen oder einzudämmen 
ist ihr Ziel und die Reduzierung oder die Kontingentierung der Er 
zeugung sind ihre Mittel. 
Durch die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit oder die Einlegung 
eines wöchentlichen Ruhetages oder die Stillsetzung eines bestimmten 
Prozentsatzes der Maschinen usw. können die kartellierten Unternehmungen 
eine mehr oder minder starke Reduktion der Gesamterzeugung bewirken. 
Diese Vereinbarungen haben nur den Nachteil, daß ihre Wirkungen sich 
nicht berechnen lassen, man also nicht sagen kann, ob das Maß der Re 
duktion ausreicht, die Produktion auf die Größe der Nachfrage einzu 
stellen. In der verkürzten Arbeitszeit und mit der beschränkten Anzahl 
Maschinen kann je nach der Intensität der Ausnutzung eine größere oder 
kleinere Produktenmenge hergestellt werden. Die Wirkung der Beschrän 
kung kann also durch die Erhöhung der Betriebsintensität teilweise wieder 
ausgeglichen werden. Es ist deshalb viel rationeller, die Gesamterzeugung 
der kartellierten Produkte zu kontingentieren, denn das Gesamtkontingent 
kann der jeweiligen Nachfrage angepaßt werden. 
Soll die Gesamterzeugung kontingentiert, werden, dann muß für jedes 
Unternehmen eine Anteilsziffer festgesetzt werden. Das geschieht in der 
Weise, daß die tatsächliche Produktion oder der Absatz der einzelnen 
Werke während einer bestimmten, für alle maßgebenden Zeit vor der 
Kartellgründung zugrunde gelegt wird. Die Summen dieser Produktions 
ziffern ergeben die Gesamtproduktion. Wird diese je nach der Marktlage 
herab oder herauf gesetzt, so variiert damit auch die Produktenmenge, die 
jedes Kartellmitglied hersteilen darf. 
Es kostet unendliche Mühe und langes Verhandeln, bis die Anteils- 
ziffem der einzelnen Unternehmungen feststehen. Da sich aber die Ver 
hältnisse während der Kartelldauer ändern-, wird der Kampf um die Be- 
teiligungsziffem immer wieder von neuem entbrennen. Die Unterneh 
mungen werden ihre Leistungsfähigkeit vielfach nicht nur den Fort 
schritten der Technik und der vermuteten Aufnahmefähigkeit des Marktes 
entsprechend, ausdehnen, sondern in erster Linie deshalb, um eine höhere 
Anteilsziffer zu erlangen. Solange das Kartell besteht, wird es zwar die 
Produktion der Marktlage anzupassen suchen; aber da sich das Verhältnis 
der Gesamtleistungsfähigkeit zum Bedarf immer mehr zuungunsten der 
Unternehmungen verschlechtert, kann es nur unter starker Produktions 
einschränkung geschehen. Die Folgen eines solchen Ausdehnungsdranges
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.