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Suchen in den Konditionen- und Preisvereinbarungen die Karteile
die Folgen des Wettkampfes zu mildern und üben die Gebiets- und Ge
winnkartelle nur indirekt einen Einfluß auf das Verhältnis des Angebots
zur Nachfrage aus, so greifen die Produktionskartelle das Übel
an der Wurzel an. Das Überangebot zu beseitigen oder einzudämmen
ist ihr Ziel und die Reduzierung oder die Kontingentierung der Er
zeugung sind ihre Mittel.
Durch die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit oder die Einlegung
eines wöchentlichen Ruhetages oder die Stillsetzung eines bestimmten
Prozentsatzes der Maschinen usw. können die kartellierten Unternehmungen
eine mehr oder minder starke Reduktion der Gesamterzeugung bewirken.
Diese Vereinbarungen haben nur den Nachteil, daß ihre Wirkungen sich
nicht berechnen lassen, man also nicht sagen kann, ob das Maß der Re
duktion ausreicht, die Produktion auf die Größe der Nachfrage einzu
stellen. In der verkürzten Arbeitszeit und mit der beschränkten Anzahl
Maschinen kann je nach der Intensität der Ausnutzung eine größere oder
kleinere Produktenmenge hergestellt werden. Die Wirkung der Beschrän
kung kann also durch die Erhöhung der Betriebsintensität teilweise wieder
ausgeglichen werden. Es ist deshalb viel rationeller, die Gesamterzeugung
der kartellierten Produkte zu kontingentieren, denn das Gesamtkontingent
kann der jeweiligen Nachfrage angepaßt werden.
Soll die Gesamterzeugung kontingentiert, werden, dann muß für jedes
Unternehmen eine Anteilsziffer festgesetzt werden. Das geschieht in der
Weise, daß die tatsächliche Produktion oder der Absatz der einzelnen
Werke während einer bestimmten, für alle maßgebenden Zeit vor der
Kartellgründung zugrunde gelegt wird. Die Summen dieser Produktions
ziffern ergeben die Gesamtproduktion. Wird diese je nach der Marktlage
herab oder herauf gesetzt, so variiert damit auch die Produktenmenge, die
jedes Kartellmitglied hersteilen darf.
Es kostet unendliche Mühe und langes Verhandeln, bis die Anteils-
ziffem der einzelnen Unternehmungen feststehen. Da sich aber die Ver
hältnisse während der Kartelldauer ändern-, wird der Kampf um die Be-
teiligungsziffem immer wieder von neuem entbrennen. Die Unterneh
mungen werden ihre Leistungsfähigkeit vielfach nicht nur den Fort
schritten der Technik und der vermuteten Aufnahmefähigkeit des Marktes
entsprechend, ausdehnen, sondern in erster Linie deshalb, um eine höhere
Anteilsziffer zu erlangen. Solange das Kartell besteht, wird es zwar die
Produktion der Marktlage anzupassen suchen; aber da sich das Verhältnis
der Gesamtleistungsfähigkeit zum Bedarf immer mehr zuungunsten der
Unternehmungen verschlechtert, kann es nur unter starker Produktions
einschränkung geschehen. Die Folgen eines solchen Ausdehnungsdranges