Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

—  96  —
Einzig  und  allein  bei  den  Arbeiterinnen  der  vierten  und
letzten  Gruppe,  die  von  den  allein  stehenden  Personen  gebildet ­
  wird,  ist  die  Verdiensthöhe  das  einzige,  die  Art  der  Lebenshaltung ­
  bestimmende,  Moment.
Wir  müssen  deshalb  auch  lediglich  die  Verhältnisse  dieser
letzten  Gruppe  zu  Grunde  legen  und  von  den  anderen  Arbeiterkategorien ­
  gänzlich  absehen,  wenn  wir  einmal  feststellen  wollen,
ob  der  Lohn  der  Zigarettenarbeiterinnen  durchschnittlich  eine
auskömmliche  Lebensführung  gestattet.
Zuerst  wollen  wir  hierbei  die  Höhe  der  einzelnen  Beträge  zu
ermitteln  suchen,  die  eine  alleinstehende  Arbeiterin  in  den  Hauptindustrieorten ­
  durchschnittlich  für  die  Befriedigung  der  notwendigsten ­
  Lebensbedürfnisse  ausgeben  muß.
Eine  Schlafstelle  kann  die  Zigarettenarbeiterin  sowohl  in
Dresden  als  auch  in  Berlin  für  etwa  2  Mark  pro  Woche  bekommen,
ln  diesen  Preis  ist  gewöhnlich  auch  die  Lieferung  des  ersten
Frühstücks,  bestehend  aus  einer  Tasse  Kaffee  und  einem  trockenen
Brötchen,  mit  eingeschlossen.  Ein  geschmiertes  Brötchen  zum
zweiten  Frühstück  wird  für  etwa  15  Pfg.  zu  beschaffen  sein.
Die  Fabrikkantinen  liefern  hierbei  gewöhnlich  schon  für  10  Pfg.
ein  bestrichenes  Brot  mit  Belag.  Gleichfalls  liefern  die  Kantinen
in  der  Regel  auch  schon  zum  Preise  von  25—35  Pfg.  ein  schmackhaftes, ­
  aus  Fleisch  und  Gemüse  bestehendes  Mittagessen.  Ist
keine  Kantine  vorhanden,  so  wird  sich  die  alleinstehende  Arbeiterin
ganz  gut  schon  für  35—40  Pfg.  ein  aus  Fleisch  und  Gemüse  bestehendes ­
  Mittagsmahl  anderweitig  beschaffen  können,  sei  es  nun,
daß  sie  es  sich  am  Morgen  oder  vorhergehenden  Abend  selbst
zubereitet  und  in  die  Fabrik  mitnimmt,  wo  sie  es  kostenlos  aufwärmen
  kann,  oder  sei  es,  daß  sie  sich  dasselbe  von  einer  verheirateten ­
  oder  bei  den  Eltern  lebenden  Freundin  mitbringen  läßt.
Das  Vesper  nimmt  die  Mehrzahl  der  Arbeiterinnen,  d.  h.  alle
diejenigen,  die  in  Betrieben  mit  durchgehender  Arbeitszeit  tätig
sind,  nicht  mehr  in  der  Fabrik  ein.  Viele  Arbeiterinnen,  die  einen
weiten  Weg  haben  und  erst  gegen  sechs  Uhr  nach  Hause  kommen,
lassen  es  überhaupt  ausfallen  und  essen  nach  ihrer  Heimkehr  sogleich ­
  zu  Abend.  Soweit  ein  Vesper  eingenommen  wird,  dürften
seine  Kosten  den  Betrag  von  15  Pfg.  wohl  nicht  überschreiten.
Das  Abendbrot  endlich  läßt  sich  mit  etwa  35  Pfg.  in  Ansatz
bringen.
Im  ganzen  ergeben  sich  demnach  folgende  Ausgaben  für  Kost
und  Logis  pro  Woche:
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.