Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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größeren  Teile  wird  diese  Handarbeit  von  Fabrik-  und  nur  in
geringem  Maße  von  Heimarbeiterinnen  ausgeführt.  Die  kleineren
Betriebe,  die  sich  aus  wirtschaftlichen  Gründen  keine  Maschinen
anschaffen  können,  beschränken  ihre  Tätigkeit  vielfach  überhaupt
auf  das  Handstopfen  der  Zigaretten  und  beziehen  den  dazu  nötigen
Tabak  in  geschnittenem  und  die  erforderlichen  Hülsen  in  fertigem
Zustand  aus  maschinell  arbeitenden  Spezialbetrieben.  Auf  diese
Weise  wird  die  mechanische.  Technik,  deren  Anwendung  sonst  nur
Großbetrieben  möglich  wäre,  auch  für  die  kapitalschwachen  Betriebe
nutzbar  gemacht.  Diesen  Teilbetrieben  stehen  auf  der  anderen  Seite
Großbetriebe  mit  starker  Betriebsvereinigung  gegenüber,  die  ihre
Tätigkeit  nicht  auf  die  Zigarettenfabrikation  allein  beschränken,
sondern  auch  noch  die  zur  Verpackung  nötigen  Kartonnagen  selbst
herstellen.
Für  den  Absatz  ihrer  Produkte  sind  die  Zigarettenfabrikanten
heute  fast  ausschließlich  auf  das  Inland  angewiesen.  Der  Export
ist  im  Laufe  der  Jahre  fast  bedeutungslos  geworden.  Ja  der  steigende ­
  Konsum  hat  noch  einen  starken  Import  ausländischer  Zigaretten ­
  ermöglicht,  der  auch  durch  die  Zollerhöhung  im  Jahre  19(16
keine  allzu  große  Einschränkung  erfahren  hat.
In  sozialer  Hinsicht  ergab  sich,  daß  die  meisten  Personen,  die
in  der  Zigarettenindustrie  beschäftigt  werden,  weiblichen  Geschlechts
sind,  weil  es  fast  nur  leichte  Arbeit  zu  verrichten  gibt.  Ihrer  Nationalität ­
  nach  sind  es  heute  zumeist  Deutsche.  Die  früher  vielfach
beschäftigten  Ausländer,  namentlich  Russen,  sind  fast  verschwunden.
Die  Arbeitsbedingungen  haben  sich  im  großen  ganzen  im  Laufe
der  Jahre  verbessert.  So  ist  die  Arbeitszeit  in  den  meisten  Betrieben
verkürzt  worden.  Die  Löhne  sind  dagegen  andauernd  gestiegen
und  sind  heute  im  allgemeinen  höher  als  in  andei'en  Industrien,
die  gleichfalls  vorwiegend  weibliche  Arbeitskräfte  beschäftigen.  Ihren
niedrigsten  Stand  haben  sie  in  Ostdeutschland,  weil  sich  dort  eine
außerordentlich  anspruchslose  Bevölkerung  vorfindet;  ihr  höchstes
Niveau  erreichen  sie  in  Plätzen  mit  besonders  teueren  Lebensbedingungen, ­
  wie  Berlin,  Hamburg,  Hannover,  Frankfurt.  Am  günstigsten ­
  gestalten  sich  die  Arbeitsbedingungen  in  der  Regel  in  den
Großbetrieben,  die  zugleich  die  hygienisch  am  besten  eingerichteten
Arbeitslokale  aufweisen  und  zumeist  auch  sonst  noch  für  ihre  Arbeiter ­
  durch  besondere  Wohlfahrtseinrichtungen  gesorgt  haben.
Die  gezahlten  Löhne  ermöglichen  im  allgemeinen  eine  auskömmliche ­
  Lebensführung.  Wenn  trotzdem  viele  Zigarettenarbeiterinnen ­
  in  schlechten  Verhältnissen  leben,  so  erklärt  sich  das  daraus,
            
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