Full text : Die deutsche Zigarettenindustrie

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In  der  Bilanz  einer  anderen  Aktiengesellschaft,  der  Firma
G.  A.  Jasmatzi,  die  mit  einem  Aktienkapital  von  fünf  Millionen
Mark  arbeitet,  standen  1906  zu  Buche:
Grundstück  und  Gebäude:  751525  Mk.
Maschinen  und  Inventar:  853886  Mk.
Pferde  und  Wagen:  13317  Mk.
Kontor-Inventar:  52678  Mk.
Die  Yenidze-Zigarettenfabrik  in  Dresden  hat  allein  ein  Kapital
von  1  i/i  Millionen  Mark  in  dem  Rohbau  ihres  neuen  Fabrikpalastes
investiert.
Der  Umsatz  oben  genannter  Jasmatzifabrik  belief  sich  im
Jahre  1908  auf  etwa  sechs  Millionen  Mark;  er  war  demnach  nur
wenig  größer  als  das  in  dem  Betriebe  steckende  Gesamtkapital.
Seine  relativ  geringe  Höhe  ist  einerseits  dem  Umstande  zuzuschreiben,
daß  die  Fabrik  auch  den  Rohtabakhandel  mit  betreibt,  der,  wie  wir
gesehen  haben,  eine  Kapitalfixierung  auf  ziemlich  lange  Zeit  (ein
bis  zwei  Jahre)  erfordert,  ferner  dem  Umstande,  daß  die  Umschlagsperioden ­
  der  Zigarettenfabriken  überhaupt  im
allgemeinen  außergewöhnlich  lang  zu  sein  pflegen 1 ).
Letzteres  ist
1.  darauf  zurückzuführen,  daß  die  Zigarettenbetriebe,  um  Zoll-  und
Steuerstundung  zu  erlangen,  einen  nicht  unbeträchtlichen  Teil  ihres
Betriebskapitales  als  Kaution  bei  der  Behörde  hinterlegen  müssen  1  2 );
2.  darauf,  daß  der  Ankauf  des  Rohtabaks  eine  Kapitalfixierung
auf  mehr  oder  weniger  lange  Zeit  notwendig  macht,  und
3.  darauf,  daß  die  Zigarettenfabrikanten  mit  wirtschaftlich  zumeist ­
  außerordentlich  schwachen  Elementen 3 )  zu  arbeiten  haben,
die  ihren  Zahlungsverpflichtungen  zum  Teil  nur  höchst  unpünktlich
1)  So  betrug  auch  der  Umsatz  der  Compagnie  Laferme  im  Jahre  1906  nur
1606363  Mk.
2)  So  sind  z.  B.  von  einem  Dresdener  Großbetrieb  rund  eine  Million
Mark  als  Kaution  bei  der  Zoll-  und  Steuerbehörde  hinterlegt.
3)  Daß  dies  die  Tabakhändler  zum  großen  Teil  sind,  hat  seinen  besonderen
Grund.  Wenden  sich  doch  gerade  dem  Handel  mit  Tabakfabrikaten  sehr  gern
Leute  zu,  die  anderwärts  kein  Fortkommen  gefunden  haben,  weil  sie  als  Raucher
schon  einige  Branchekenntnisse  zu  besitzen  glauben.  Oftmals  auch  durch  Schwindler
verleitet,  deren  Spezialität  es  ist,  unerfahrenen  Personen  für  viel  Geld  eine  minderwertige ­
  Ladeneinrichtung  und  ebenso  minderwertige  Waren  zu  verkaufen  (vergl.
z.  B.  die  diesbezüglichen  Angaben  in  No.  36  des  Jahrganges  1907  der  Vereinigten  Tabak-Zeitungen),
  schreiten  diese  Leute  meistens  mit  nur  geringen  Mitteln  und  noch  geringeren
kaufmännischen  Kenntnissen  leichtsinnig  zur  Geschäftsbegründung,  um  erst  zu  spät
einzusehen,  daß  auch  zum  Betriebe  eines  Zigarrengeschäftes  etwas  mehr  als  nur
einige  laienhafte  Tabakkenntnisse  notwendig  sind.
            
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