Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes  Buch.  Die  Begründer.

sich  mit  solcher  Notwendigkeit  aus  Allem,  was  wir  soeben  gesagt  haben,
daß  der  Leser  ganz  darauf  vorbereitet  ist,  wenn  er  am  Ende  des  vierten
Buches,  nachdem  Smith  das  merkantilistische  System  und  das  der  Physiokraten
  untersucht  hat,  den  folgenden  berühmten  Satz  findet:
„Bäumt  man  also  alle  Begünstigungs-  oder  Beschränkungssysteme
völlig  aus  dem  Wege,  so  stellt  sich  das  klare  und  einfache  System  der
natürlichen  Freiheit  von  selbst  her.  Jeder  Mensch  hat,  solange  er  nicht
die  Gesetze  der  Gerechtigkeit  Übertritt,  vollkommene  Freiheit,  sein
Interesse  auf  seine  eigene  Weise  zu  verfolgen  und  seine  Industrie  sowohl
als  sein  Kapital  mit  der  Industrie  und  den  Kapitalien  anderer  Menschen
oder  anderer  Klassen  von  Leuten  in  Konkurrenz  zu  bringen.“  Was  die
Begierung,  oder  wie  Smith  sagt,  das  „Staatsoberhaupt“  anlangt,  „so
wird  es'  dadurch  gänzlich  einer  Pflicht  entbunden,  bei  deren  Ausübung
es  immer  unzähligen  Täuschungen  ausgesetzt  sein  muß,  und  zu  deren
richtiger  Erfüllung  keine  menschliche  Weisheit  und  Kenntnis  hinreicht,
der  Pflicht  nämlich,  die  Industrie  der  Privatleute  zu  überwachen  und
sie  auf  die  dem  Interesse  der  Gesellschaft  zuträglichsten  Gewerbe  hinzuleiten“ ­
 1 ).
Die  Nichteinmischung  des  Staates  in  das  Wirtschaftsleben:  das
ist  daher  der  Grundsatz,  zu  dem  Smith,  nach  den  Physiokraten,  aber
auf  einem  umfassenderen  und  wissenschaftlicheren  Wege  gelangt.
Aber  hier  wie  in  seinem  ganzen  Buche,  wird  Smith  vom  dem  Bewußtsein ­
  des  Positiven  und  des  Konkreten,  das  bei  ihm  so  ausgeprägt
ist,  daran  gehindert,  sich  mit  einer  allgemeinen  Beweisführung  zu  begnügen. ­
  Es  genügt  ihm  nicht,  das  Nutzlose  der  Einmischung  des  Staates
gegenüber  der  von  der  Gesellschaft  spontan  geschaffenen  Einrichtungen
zu  beweisen.  Es  liegt  ihm  vielmehr  daran,  nachzuweisen,  daß  der  Staat
infolge  seiner  ganzen  Natur  ungeeignet  ist,  sich  wirtschaftlich  zu  betätigen. ­
  Seine  Gründe  füllen  die  Büstkammer,  der  seit  ihm  alle  Gegner
des  Staatssozialismus  (etatisme)  ihre  Waffen  entnommen  haben.  Wir
führen  sie  kurz  an.
„Es  gibt“,  sagt  er,  „keine  zwei  Charaktere,  die  sich  weniger  miteinander ­
  zu  vertragen  scheinen  (die  so  „inkonsistent“  sind),  als  der  Charakter ­
  eines  Kaufmanns  und  der  eines  Fürsten“ 2 ).  Die  Begierungen
„sind  selbst  immer  und  ohne  alle  Ausnahme  die  größten  Verschwender
in  der  Gesellschaft“ 3 ).  Die  Gründe  hierfür  sind  zahlreich.  Erstens  verwenden ­
  sie  das  Geld  der  Anderen,  und  man  geht  stets  mit  dem  Geld
Anderer  verschwenderischer  um,  als  mit  seinem  eigenen.  Und.  weiter

l )  Völkerreichtum  II,  S.  160,  B.  IV,  Kap.  IX,  am  Ende.
*)  Völkerreichtum  II,  S.  239,  B.  V,  Kap.  II,  Teil  1.  Er  nimmt  nur  die  Post
aus  —  „vielleicht  das  einzige  kaufmännische  Unternehmen,  welches,  glaube  ich,  von
jeder  Regierung  mit  gutem  Erfolge  betrieben  worden  ist“.
*)  Völkerreichtum  I,  S.  204,  B.  II,  Kap.  III.
            
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