Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
Ungerechtigkeit, die den Namen „Enclosure Acts“ trägt, sich vollzog, 
der Gesetze, auf Grund derer die Grundbesitzer die noch freien Gemeinde 
ländereien zu ihren Domänen schlugen. Eine sehr beredte graphische 
Darstellung Cannan’s zeigt die Parallelität zwischen der Anzahl der 
Enclosuregesetze, die jedes Jahr bewilligt worden waren und der Er 
höhung des Getreidepreises 1 ). 
Eine im Jahr 1813 vom Unterhaus ernannte Kommission, die eine 
Untersuchung über die Getreidepreise anstellen sollte —• die Grund 
besitzer fürchteten nämlich, daß mit dem Friedensschlüsse die Getreide 
preise infolge der dann zu erwartenden Getreideeinfuhr stark fallen 
würden —, kam zu dem Schluß, daß die neuen in Kultur genommenen 
Felder das Getreide nicht unter 80 sh das Quarter (34 Fr. den Hektoliter) 
hervorbringen könnten. Was für ein Argument zugunsten der Theorie 
Ricardo’s! 2 ) 
Kann man jedoch der Notwendigkeit nicht entrinnen, Felder zweiter 
oder dritter Klasse zu bewirtschaften? Kann man nicht zunächst durch 
intensivere Kultur den Ertrag der alten Felder erhöhen ? Zweifellos kann 
man dies bis zu einem bestimmten Punkte. Es ist aber widersinnig zu 
glauben, daß man auf einer begrenzten Oberfläche eine unbegrenzte Menge 
Lebensmittel hervorbringen kann 3 ). Überall gibt es eine allerdings 
elastische Grenze, die der Fortschritt in der landwirtschaftlichen Wissen 
schaft sicherlich weit über jede Voraussicht hinaus zurückschieben kann; 
aber lange bevor der Landwirt diese ideale Grenze erreicht hat, stellt er 
die Arbeit ein, weil ihn die Praxis gelehrt hat, daß „der Preis nicht die 
Mühe lohnt“, wie das Sprichwort sagt, nämlich, daß der Mehraufwand 
b Die „Acts of enclosure“ (Einhegungsgesetze) haben in England am Ende des 
XVIII. und am Anfänge des XIX. Jahrhunderts unter Zustimmung der öffentlichen 
Meinung überhand genommen. Durch diese Gesetze autorisierte das Parlament die 
Aneignung des Gemeindelandes Von 1700—1845 zählt man 3835 dieser Verordnungen, 
durch die 7 622 664 Acker „eingehegt“, d. h. von den Grundbesitzern aus dem Ge 
meindeland angeeignet wurden. Erst 1845 tritt ein Umschwung in der Gesetzgebung 
und in der öffentlichen Meinung ein. 
a ) Immerhin könnten die Gegner Ricardo’s behaupten, daß nicht die Urbarmachung 
dieser neuen Ländereien es war, die im Einklang mit der RiCARDO’schen Lehre den Preis 
des Kornes hat steigen lassen, sondern daß es das Wachstum der Nachfrage war, 
das die Preiserhöhung herbeiführte und dann die Aneignung und Urbarmachung dieser 
neuen Ländereien veranlaßte. Diese zweite Auslegung erscheint als wahrscheinlich. 
*) Es gibt einen anderen Ausweg, nämlich die Kulturart zu wechseln. Es ist in 
der Tat möglich, daß irgendein in die vierte Klasse eingereihtes Grundstück in die erste 
Klasse aufsteigt, wenn ein gescheiter Landwirt es, statt mit Weizen, mit Wein, oder 
vielleicht sogar mit Rosen bestellt. Aber darin liegt keine Widerlegung des Renten 
gesetzes, wie Fontenay, ein glühender Anhänger Bastiat’s, behauptet. Wenn das 
schlechte Weizenland erstklassiges Rosenland wird, dann scheidet es als Weizenland 
überhaupt aus, aber es tritt in die Reihe des Rosenlandes und wird geradeso von dem 
Tage an eine Rente ergeben, wo man Grundstücke, die dieser Kultur weniger günstig 
sind, für die Rosenzucht brauchen wird.
	        
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