Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Sismoudi  und  die  Ursprünge  der  kritischen  Schule.

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der  Klassiker  einen  gewaltigen  Gegner  in  Friedrich  List;  und  eine  neue
Doktrin  des  Schutzzolls,  die  sich  auf  die  Idee  der  Nationalität  gründet,
gibt  dem  Merkantilismus,  der  unter  den  Angriffen  der  Physiokraten  und
Adam  Smith’s  endgültig  vernichtet  schien,  neuen  Glanz.
In  diesen  so  verschiedenartigen  Doktrinen  findet  sich  neben  vieler
Phantastik  und  vielen  Irrtümern  eine  große  Menge  richtiger  Gedanken
und  neuer  eigener  Grundsätze.  Zwar  gelingt  es  dieser  neuen  Generation
von  Nationalökonomen  nicht,  die  Lehre  der  Gründer  zu  verdrängen.
Aber  sie  beweisen  einwandfrei,  daß  die  anscheinend  vollendete  Wissenschaft ­
  noch  weit  davon  entfernt  ist,  vollkommen  zu  sein.  Alle  diese  Schriftsteller ­
  scheinen  der  Orthodoxie  zuzurufen,  was  Hamlet  zu  Horatio  sagt:
>>Es  gibt  mehr  Dinge  zwischen  Himmel  und  Erde,  als  sich  eure  Schulweisheit ­
  träumen  läßt.“  Auf  diese  Weise  geben  sie  oft  zu  sehr  fruchtbaren
Auseinandersetzungen  Anlaß.  In  der  Öffentlichkeit  finden  sie  sympathische
Hörer.  Sie  drängen  selbst  die  den  klassischen  Doktrinen  treu  gebliebenen
Nationalökonomen  dazu,  die  Sicherheit  ihrer  Beweisführungen  zweifelnd
nachzuprüfen,  und  zwingen  sie,  ihre  Methode  und  ihre  Schlußfolgerungen
zu  ändern.
Wir  wollen  versuchen,  die  Bedeutung  ihrer  Rolle  klarzustellen.

Kapitel  I.
Sismondi  und  die  Ursprünge  der  kritischen  Schule.
Während  der  ersten  30  Jahre  des  19.  Jahrhunderts  traten  in  der
Volkswirtschaft  tiefgehende  Umwälzungen  ein.
Überall  hatte  der  ökonomische  Liberalismus  triumphiert,  ln  h  rankfeich
  sind  die  Zünfte,  und  was  damit  zusammenhing,  seit  dem  Jahre  1791
vollständig  verschwunden.  Das  Verlangen  einzelner  Industrieller,  sie
u uter  dem  ersten  Kaiserreich  wiederherstellen  zu  lassen,  hatte  keinen
Erfolg  und  blieb  ohne  Widerhall.  In  England  wurde  auch  der  letzte
Rest  des  Lehrlingsgesetzes  im  Jahre  1814  aufgehoben,  und  damit  fallt
dieses  Denkmal  aus  der  Zeit  der  Bevormundung,  das  schon  lange  morsch
geworden  war.  Dem  laisser-faire  stand  nichts  mehr  entgegen,  überall
herrschte  die  freie  Konkurrenz.  Der  Staat  hatte  auf  jede  Einmischung
hi  die  Organisation  der  Erzeugung  und  in  die  Beziehungen  zwischen  Arbeitnehmern ­
  und  Arbeitgebern  verzichtet  .  .  ausgenommen,  um  die  Koalitionen ­
  zu  unterdrücken.  Aber  sogar  diese  Einschränkung  hatte  als
^Weck,  dem  Gesetz  des  Angebotes  und  der  Nachfrage  freie  Bahn  zu  lassen.
            
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