Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Sismondi  und  die  Ursprünge  der  kritischen  Schule.

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des  Schriftstellers  mehren  und  mehren  sich  die  Beispiele:  da  ist  die  Herzogin
von  Strafford  und  andere  große  schottische  Grundbesitzer,  die,  um"  di&:  ,
alten  Felder  in  große  Weideländer  umzuwandeln,  die  Pächter  von  ihren
Wohnstätten  verjagen,  sie  in  die  Städte  treiben  und  sie  zusammenhudeln,
um  sie  nach  Amerika  abzuschieben.  In  Italien  ist  es  die  Handvoll  jener
Spekulanten,  die  mercanti  di  tenute  genannt  wurden,  die  aus  den
gleichen  Gründen  die  Wiederbevölkerung  und  die  Bewirtschaftung  der
römischen  Campagna  verhindern,  „dieses  so  außerordentlich  fruchtbaren
Landes,  wo  früher  5  ,,arpents“ 1 )eineFamilie  ernäherten  und  einen  Soldaten
großzogen!“  —  und  aus  der  heute  nach  und  nach  „die  einzelnen  Häuser,
( üe  Dörfer,  die  ganze  Bevölkerung,  die  Einfriedigungen,  die  Weingärten,
die  Olivenbäume,  und  alle  Erzeugnisse,  die  eine  beständige  Aufmerksamkeit, ­
  die  Arbeit  und  besonders  die  Liebe  des  Menschen  verlangen“,
verschwunden  sind,  um  Viehherden  und  einigen  Hirten  Platz  zu  machen 2 ).
Diese  Kritik  ist  an  und  für  sich  richtig,  aber  sie  klagt  die  Mißbräuche
des  Privateigentums  an  und  nicht  das  Prinzip  des  Nettoproduktes,  —
denn  der  bäuerliche  Besitzer  würde  dieses  Prinzip  nicht  weniger  in  Anwendung ­
  bringen,  wie  es  der  Großgrundbesitzer  tut;  es  ist  überall  dort
unvermeidlich,  wo  die  Produktion  sich  in  Hinsicht  auf  einen  Markt
vollzieht 3 ).
Dieser  gleiche  Gegensatz  zwischen  Eigentum  und  Arbeit  dient  auch
Zur  Erklärung  der  wirtschaftlichen  Krisen.
Nach  Sismondi  beruhen  sie  zu  einem  Teil  auf  der  Schwierigkeit,
den  zu  groß  gewordenen  Markt  genau  zu  kennen,  sowie  auf  der  Tatsache, ­
  daß  die  Produzenten  sich  mehr  von  der  Größe  ihrer  Kapitalien,
a .ls  von  den  Bedürfnissen  des  Marktes  leiten  lassen 4 ).  Vor  allem  aber
Slß d  sie  in  der  schlechten  Verteilung  der  Einkommen  begründet.  Die

’)  1  arpent  (arepenna  der  Gallier):  etwa  ^'und*Bruttoertrages  hat  Sismondi
»)  N.  P  I,  S.  325.  Dieses  Problem  des  Netto-  und  ß™  n 5 Werk;  Tab leau
von  Anfang  an  beschäftigt.  Er  behi, e ®sich  bestimmt  für  den  Bruttode ­
  l’Agriculture  toscane  (Genf,  1801),  un  •  en;  sollte  man  den
ertrag  auszusprechen,  neigt  er  schon  dazu,  e  .,„ kr  für  den  Staat  betrachten,
hohen  Gewinn  eines  einzigen  reichen  Pachters  als  nützlich«  ?  (  l91 _ 192) .  Dieses
als  den  geringen  Lohn  vieler  tausend  Arbeiter  landwirtschaftlichen  Praxis
W|v rk  beschäftigt  sich  übrigens  hauptsächlichi  m  Hicr  findet  sich  auch
und  enthält  nur  wenige  volkswirtschaftliche  ViU'hiuso  (S.  219ff-)-die
  formvollendete  Beschreibung  seiner  Meierei  n  ..  .  ^  Produktion  für  den
_  a )  Es  ist  richtig,  daß  Sismondi  das  G f rel ^  “L  ,  nicht  den  Preisschwankungen
^arkt  entziehen  wollte,  —  um  die  nationalen  Lebensmit  Bruttoertrag  nicht
des  Marktes  auszusetzen  (N.  P-,  I,  S.  263-264)  E r  f  eUtaucn  ^  ^  _
alst  absolutes  Ziel  hin,  sondern  erkennt  an,  daß  „«•  sein  kann “,  wenn  die  Beitrages ­
  seinerseits  von  einem  krankhaften  Aus  an  ^  hieraus,  ein  wie  schwankonvölkerung
  zu  schnell  wächst  (ebenda,  I,  S.  loo).
der  Charakter  er  war.
*)  N.  P.,  I,  S.  368.
            
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