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Zweites Buch. Die Gegner.
fallen übrigens in den gleichen Fehler, den Malthus und Eicardo begangen
haben: sie bilden sich ein, daß die hohen Löhne notwendigerweise zu
einer Vermehrung der Bevölkerung führen, — während die Tatsachen
heute zu zeigen scheinen, daß die Gewohnheiten eines größeren Wohl
standes im Gegenteil unter gewissen Bedingungen darauf hinzielen, sie
zu beschränken. Was auch immer daran sei, die nicht besitzende Klasse,
d. h. die Mehrheit des Volkes, wird als ein einfaches Instrument in der
Hand der Besitzenden angesehen. Wie es ihrer Laune oder ihrem Interesse
paßt, nehmen sie es auf oder werfen es weg.
Was im Hinblick auf die Industriearbeiter wahr ist, ist nicht weniger
wahr im Hinblick auf die Landarbeiter, und Sismondi führt hier die
berühmte Unterscheidung zwischen Nettoertrag und Bruttoertrag
ein, die seit ihm so viele Nationalökonomen beschäftigt hat. Wenn alle
Landleute Besitzer ihres Bodens wären, würden sie sicher sein, auf ihren
Feldern wenigstens ihren Unterhalt und Sicherheit des Lebens finden
zu können. Sie würden niemals den Bruttoertrag unter die Grenze sinken
lassen, die genügend ist, ihren Lebensunterhalt zu sichern 1 ). Aber mit
dem großen Grundbesitz, mit der Umwandlung des Bauern zum einfachen
Landarbeiter verändern sich die Dinge. Der Großgrundbesitzer hat nur
den Nettoertrag im Auge, den Unterschied zwischen den Kosten der
Produktion und dem Verkaufspreise. Es kommt ihm nicht darauf an,"(len
Nettoertrag zu erhöhen und den Bruttoertrag zu opfern. Nehmen wir
z. B. ein Gut an, das bei guter Bewirtschaftung dem Pächter 1000 Taler
Bruttoertrag und dem Besitzer 100 Taler Pacht bringen würde; der Be
sitzer rechnet sich aus, daß er 110 Taler einnehmen wird, wenn er es
brach liegen läßt und es als Weideland verpachtet. „Er wird seinen
Gärtner oder seinen Winzer fortschicken und so 10 Taler gewinnen; das
Volk aber verliert dabei 890 Taler. Es läßt ohne Verwendung und infolge
dessen ohne Gewinn all die Kapitalien, die diese so reichliche Produktion
schufen: es läßt ohne Arbeit und folglich ohne Einkommen all die Tage
löhner, deren Arbeit dieses Erzeugnis darstellte“ 2 ). Und unter der Feder
nach wird sie es auch niemals tun. Alle die, die Lebensmittel brauchen, haben weder
die Mittel, noch das Recht, sie der Erde abzuverlangen; und die, die im Gegenteil das
gesetzliche Monopolrecht am Boden haben, haben kein Interesse daran, ihm seinen
Höchstertrag an Lebensmitteln abzufordern. In allen Ländern haben sich die Eigentümer
einem Bewirtschaftungssystem widersetzt, und haben sich ihm widersetzen müssen,
das nur auf eine Vermehrung der Lebensmittel und nicht auf eine Vennehrung der
Einkünfte abzielte. Lange bevor die Bevölkerung durch die Unmöglichkeit, in der
sich ein Land befinden kann, mehr Lebensmittel hervorzubringen, eingeschränkt wird,
wird ihr durch die Unmöglichkeit Einhalt geboten, in der sich diese Bevölkerung be
findet, Lebensmittel zu kaufen oder an ihrer Erzeugung zu arbeiten“ (N. P-, H»
S. 269—170).
») N. P„ I, S. 263—264.
-) N. P„ I, S. 153.