Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Bach.  Die  Gegner.

Frankreich,  haben  wir  gesagt,  wird  zu  einer  großen’Fabrik.  „Dia
wichtigsten  Arbeiten  in  einer  Fabrik  bestehen  aber  zunächst  darin,  die
Fabrikationsmethoden  zu  bestimmen,  weiterhin  die  Interessen  der  Unternehmer ­
  mit  denen  der  Arbeiter  einerseits,  mit  denen  der  Verbraucher
andererseits  in  Übereinstimmung  zu  bringen.“  So  gibt  es  auch  in  der
industriellen  Ordnung  Platz  für  eine  Regierung,  aber  für  eine  Regierung
von  ganz  besonderer  Art:  nämlich  eine  Verwaltung  der  Sachen,  deren
wir  bedürfen,  anstatt  eine  Regierung  der  Menschen 1 ).  Die  Politik  soll  nicht
verschwinden,  muß  sich  aber  umformen.  Sie  wird  zu  einer  „positiven
Wissenschaft“,  „zur  Wissenschaft  der  Produktion,  das  heißt  zu  einer
Wissenschaft,  deren  Gegenstand  die  allen  Produktionszweigen  günstigste
Ordnung  der  Dinge  ist“ 2 ).  „Unter  der  alten  Ordnung  mußten  die  wesentlichen ­
  Maßnahmen  sich  damit  beschäftigen,  die  Gewalt  der  Regierung
zu  steigern,  die  Macht  der  oberen  Klassen  über  die  unteren  so  fest  wie
möglich  zu  etablieren.  .  .  .  Unter  der  neuen  Ordnung  aber  müssen  die
wesentlichen  Maßregeln  im  Gegenteil  darauf  gerichtet  sein,  die  von  der
Gesellschaft  für  die  physische  und  moralische  Verbesserung  der  Lebensden

  sozialen  Wohlstand  Einfluß  auszuüben,  kein  anderes  wirkliches  Ergebnis  gezeitigt
haben,  als  ihm  Abbruch  zu  tun;  aus  dieser  Tatsache  ist  der  Ausdruck  entstanden,
daß  Regierungen  nichts  Besseres  für  das  Wohl  der  Gesellschaft  tun  können,  als  sich
nicht  damit  zu  befassen.  Wenn  auch  diese  Ansicht  richtig  ist,  solange  man
sie  vom  Standpunkt  des  bestehenden  politischen  Systems  betrachtet,
so  ist  sie  doch  selbstverständlich  falsch,  sobald  man  sie  im  absoluten
Sinne  auffaßt;  sie  kann  in  dieser  Weise  nur  bestehen  bleiben,  solange
man  nicht  zu  der  Idee  eines  anderen  politischen  Systems  gelangt  ist“
(L’Organisateur,  CEuvres  compl.  IV,  S.  201).
Späterhin  gehen  die  Saint-Simonisten  von  diesem  Gedanken  aus,  um  die  Leitung
aller  sozialen  Beziehungen  durch  die  Regierung  zu  fordern.  „Weit  davon  entfernt,
zuzugeben,  daß  man  sich  vornehmen  muß,  den  leitenden  Einfluß  innerhalb  der  Gesellschaften ­
  zu  beschränken,  glauben  wir,  daß  er  sich  auf  Alles  erstrecken
sollte,  daß  er  stets  gewärtig  sein  muß,  denn  für  uns  ist  jede  wirkliche  Gesellschaft
eine  Hierarchie“  (Exposition  de  la  doctrine  de  Saint-Simon,  2.  Jahr,  Paris
1830,  S.  108).
*)  Unter  dem  alten  Regime  „kommen  die  Menschen  vor  den  Dingen“  (Fortsetzung ­
  der  Broschüre:  Des  Bourbons  et  des  Stuarts,  1822,  CEuvres  choisies,
II,  S.  447).  Unter  der  neuen  Ordnung  der  Dinge,  „muß  die  soziale  Ordnung  als  einzigen
Zweck  den  Einfluß  der  Menschen  auf  die  Dinge  haben“  (CEuvres,  IV,  S.  81)-  „ß el
dem  heutigen  Zustand  der  Kenntnisse  liegt  das  Bedürfnis  der  Nation  nicht  darin,
regiert,  sondern  verwaltet  zu  werden,  und  zwar,  so  billig  wie  möglich  verwaltet  zu
werden“  (Systeme  indust.,  CEuvres  compl.  V,  S.  151).  In  gleicher  Weise  schreib
später  Engels  in  seinem  Buch  gegen  Eugen  Dühring,  indem  er  von  der  sozialistischen
Ordnung  spricht:  „An  Stelle  der  Regierung  von  Personen  wird  die  Verwaltung  von
Sachen  treten,  wie  auch  die  Leitung  des  Produktionsvorganges.  Der  Staat  wird  nie
„abgeschafft“,  er  „stirbt  ab“  (Philosophie,  Hconomie  politique,  Socialisme,
Franz.  Ubers,  von  Laskine,  Paris,  1911,  S.  361).
s )  Lettres  ä,  un  Amöricain  (CEuvres,  II,  S.  189).
            
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