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Drittes Buch. Der Liberalismus.
der Güter, den Preis aller produktiven Dienste zu umfassen, so wie sie
in der Saehleihe, der Pacht, der Miete und den verzinslichen Darlehen
auftreten, denn „derjenige, der Zeit gewährt, leistet einen Dienst“ 1 ).
Man kann sich über die Offenherzigkeit, mit der Bastiat seinen
Triumph bekannt gibt, lustig machen, denn er sieht nicht, daß die Weite
seiner Formel nur deshalb gestattet, alles, was man will, hineinzulegen,
weil sie ein leerer Rahmen, ein für alle Schlösser passender Universalschlüssel
ist. Sie läuft darauf hinaus, daß der Wert von irgendeinem
Umstande abhängt, der einen Gegenstand wünschenswert machen kann 2 ),
so daß wir nach dieser Erklärung nicht klüger sind als vorher. Boi näherer
Untersuchung hat diese Definition nicht einmal die apologetische Tragweite,
die Bastiat offenbar blendete. Sie kann in keiner Weise zu einer
Rechtfertigung des Wertes und mit ihm des Eigentums dienen; höchstens
gelingt ihr dies auf Grund einer vieldeutigen Formel! Denn das Wort
Dienste läßt glauben, und deshalb hat er es gewählt, daß jeder Wert
eine Wohltat für den bedeutet, der ihn empfängt, und ein Verdienst für
den, der ihn gibt. Es ist aber sehr leicht möglich, daß dies nicht der Fall
ist. Der Eigentümer eines Hauses oder eines Grundstückes in der City
von London, der das eine zu einem fabelhaften Preise vermietet oder das
andere ebenso verkauft, oder der Kapitalist, der einem bedrängten Geldbedürftigen
Geld zu einem Wucherzinse leiht, oder sogar der Politiker,
der sich für irgendeine wertvolle Konzession ein enormes Bestechungsgeld
zahlen läßt, sie alle leisten zweifelsohne große Dienste, — der Beweis
hierfür liegt schon darin, daß sie darum angegangen, gebeten und bestürmt
worden sind — und daher würde der hohe Mietspreis, die hohen Zinsen
*) Harmonies, Kap. VII, S. 236. Es ist nicht der Mühe wert, hier die Diskussion
vom Jahre 1849 zwischen Bastiat und Proudiion über die Berechtigung der
Zinsen zu analysieren (die in den (Euvres Bastiat’s unter dem Titel Gratuitö du
Crödit veröffentlicht ist). Bastiat stützt sich bald auf den Gedanken, daß derjenige,
der darleiht, einen Dienst leistet, und daß jede Dienstleistung eine Entlohnung verdient,
oder schärfer ausgedrückt, daß das geliehene Kapital produktiv ist (der Hobel
gestattet, mehr Bretter herzustellen), und daß es infolgedessen nur gerecht ist, wenn
der Besitzer des Hobels seinen Teil davon erhält. Proudhon antwortet, daß er keineswegs
die Berechtigung des Zinses in der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung bestreite,
aber behaupte, daß dieser Zins nur eine historische Kategorie sei (um eine spätere
Formel anzuwenden), und daß es leicht wäre, ihn in einer neuen Wirtschaftsordnung
als überflüssig abzuschaffen. Als Mittel, diese neue Wirtschaftsordnung zu verwirklichen,
weist er auf seine banque d’echange hin (siehe oben). Aber da die beiden Duellanten
niemals dazu kamen, die Degen zu kreuzen, und im Leeren fochten, so ist diese Diskussion
ermüdend und hat nicht das Geringste zur Lösung des Zinsproblems beigetragen.
2 ) „Eine Menge Umstände können die relative Bedeutung eines Dienstes erhöhen-Er
erscheint uns mehr oder weniger groß, je nachdem er uns mehr oder weniger nützFc
ist, je nachdem mehr oder weniger Personen bereit sind, ihn uns zu leisten; je nachdem
er von ihnen mehr oder weniger Arbeit, Mühe, Geschicklichkeit, Zeit, vorausgehende
Studium erfordert; je nachdem er uns selbst mehr oder weniger davon erspar
(ebenda, Kap. V, S. 146).