Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Drittes  Buch.  Der  Liberalismus.

war,  oder  ob  der  Zufall  und  soziale  Konjunkturen  es  verursachten,  wie
Senior  lehrte  —  auf  jeden  Fall  mußte  es,  gerade  auf  Grund  des  Prinzipes:
„jedem  das  Produkt  seiner  Arbeit“  der  Gemeinschaft  zurückgegeben
werden.  Nichts  war  einfacher,  als  dies  durch  das  Mittel  einer  Grundsteuer ­
  zu  erreichen,  hoch  genug,  um  die  Bodenrente  aufzusaugen:  diese
Steuer  mußte  man  von  Zeit  zu  Zeit  erhöhen,  um  dem  Wachstum  der
Rente  zu  folgen.  Dies  war  eine  groß  angelegte  Idee,  die  Stuart  Mill
übrigens  schon  von  seinem  Vater  überkommen  hatte,  und  um  die  sich
eine  ganze  Schule  von  Volkswirtschaftlern  sammeln  sollte,  die  dem  Sozialismus ­
  als  solchem  fern  stand.
Die  Bewegung,  die  aus  dieser  Idee  der  Wegsteuerung  der  Bodenrente ­
  entstand,  ist  bedeutend  genug,  um  besonders  untersucht  zu  werden,
findet  aber  besser  ihren  Platz  in  dem  Kapitel,  das  später  dieser  Frage
gewidmet  sein  wird.
Übrigens  würde  sich  Stuart  Mill,  in  Erwartung  dieser  etwas  revolutionären ­
  Reform,  mit  einer  bescheideneren  begnügt  haben,  die,  wie
die  Produktivgenossenschaft,  ihm  von  dem,  was  er  in  Frankreich  gesehen
hatte,  nahe  gelegt  worden  war:  es  war  dies  die  Ausdehnung  des  kleinbäuerlichen ­
  Eigentums.  Seit  den  Reisen  Arthur  Young’s  in  Frankreich
war  es  übrigens  bei  den  Engländern  Mode 1 ),  den  französischen  Bauer
zu  bewundern.  Die  hauptsächlichsten  Vorteile,  die  Stuart  Mill  dem

*)  A.  Young  ist  aber  trotzdem  Anhänger  des  landwirtschaftlichen  Großbetriebes
geblieben,  während  bei  Stuart  Mill  die  Bekehrung  vollständiger  gewesen  zu
sein  scheint.
Doch  wurde  das  bäuerliche  Besitztum  von  Stuart  Mill  nur  „in  Erwartung 1 '
einer  radikaleren  Lösung  vorgeschlagen,  die  in  der  oben  erwähnten,  in  der  Assoziation, ­
  besteht.
„Die  in  einem  anderen  Teil  dieses  Werkes  ausgedrückte  Meinung  über  den  Kleingrundbesitz ­
  und  über  die  bäuerlichen  Besitzer  hat  den  Leser  vielleicht  zu  dem  Glauben
verführt,  daß  ich  auf  eine  große  Teilung  des  Großgrundbesitzes  rechne,  um  die  Arbeiter,
wenigstens  die  Landarbeiter,  der  Notwendigkeit  zu  überheben,  ihren  Lebensunterhalt
allein  von  ihrem  Lohn  zu  erwarten.  Doch  ist  dies  nicht  meine  Meinung.  Zwar  glaube
ich,  daß  diese  Form  der  ländlichen  Bewirtschaftung,  die  grundlos  kritisiert  worden  ist,
in  ihrem  Gesamteinfluß  auf  das  Glück  der  Menschen  bei  weitem  der  Lohnarbeit  vorzuziehen ­
  ist  .  .  .  Aber  der  Zweck  des  Fortschrittes  ist  nicht  nur  der,  die  Menschen  W
eine  Lage  zu  versetzen,  in  der  sie  ohne  einander  auskommen  können,  sondern  ihnen  zu
gestatten,  zusammen  unter  gegenseitigen  Beziehungen  zu  arbeiten,  die
keine  Abhängigkeitsbeziehungen  sind“  (B.  IV,  Kap.  7,  §  4).
Die  dem  ländlichen  Kleinbesitz  als  wenigstens  partielle  Lösung  der  sozialen
Frage  zugesprochene  Bedeutung  ist  übrigens  keine  Besonderheit  Stuart  Mill’s.  Ohne
auf  Sismondj  zurückzugreifen,  der,  wie  wir  gosehen  haben,  sich  viel  damit  beschäftig
hatte,  wurde  sie  von  Thornton  in  England,  in  seinem  Buch:  Befürwortung  de
bäuerlichen  Eigentums  (1848)  und  von  Hippolyte  Passy  in  Frankreich  in  eine
ausgezeichneten  kleinen  Buch:  Des  Systömes  de  culture  (1852)  eindringlich  emp
fohlen.  Doch  blieben  die  klassischen  Volkswirtschaftler  mehr  dem  landwirtscha  ^
liehen  Großbetrieb  günstig  gesinnt:  besonders  Lavergne,  Essai  sur  l’Econom 1
rurale  de  1-Angleterre.
            
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