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Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
schaftlern gegenüber, die ihre Theorien als eine Art endgültiger Offenbarung
hinstellten und glaubten, absolut sichere Voraussagen auf sie gründen zu
können.
Knies übertreibt jedoch bedeutend, wenn er der Meinung ist, die
Relativität der so definierten wirtschaftlichen Gesetze unterscheide sie
durchaus von anderen wissenschaftlichen Gesetzen. Die physikalischen
und chemischen Gesetze verändern sich ebenso, worauf schon Marshall
sehr richtig hingewiesen hat, je nachdem neue Tatsachen alte Formeln
hinfällig machen. Auch sie sind daher nur vorläufig. Sie unterliegen
ebenso Bedingungen in dem Sinne, daß sie sich nur dann als wahr er
geben, wenn keine störenden Ursachen vorhanden sind, die geeignet
wären, die Bedingungen des Versuchs zu verändern. Für die modernen
Gelehrten sind die natürlichen Gesetze nicht untrennbar mit den Dingen
verbunden. Sie sind „ein intellektuelles Produkt des Menschen“ 1 ). Daher
schreiten sie auch mit dieser Intelligenz vorwärts. Sie sind einfache ab
gekürzte Formeln, auf Grund deren man die Beziehungen der Abhängigkeit
ausdrückt, die man zwischen Tatsachen festgestellt hat. Zwischen den
„Gesetzen“, die so vom menschlichen Geiste geschaffen worden sind,
besteht kein anderer Unterschied, als der mehr oder weniger große Grad
der beobachteten Abhängigkeit.
Wenn die Stetigkeit und Sicherheit der physikalischen und chemischen
Gesetze denen der bisher formulierten wirtschaftlichen Gesetze sehr
überlegen sind, so beruht das einfach darauf, daß die Bedingungen, unter
denen sie sich nachweisen lassen, viel allgemeiner verwirklicht sind. Auf
der anderen Seite ist ihre Wirkung oft meßbar, und sie können daher durch
die Deduktion den allgemeinen Gesetzen der Mathematik angegliedert
werden * 2 ).
Knies hat nicht nur die Konsequenzen der Relativität der wirt
schaftlichen Gesetze übertrieben, sondern der Vorwurf, den er seinen
Vorgängern macht, daß sie sie verkannt hätten, war zu der Zeit schon
nicht mehr voll berechtigt, in der er schrieb. Wir werden diese Bemerkung»
die nicht ohne Bedeutung für die Geschichte der Doktrinen ist, wieder
holen müssen. Stitart Mili hatte zu dieser Zeit schon seine Abhandlung;'
über Ökonomik veröffentlicht und in seiner Logik, die 1842 erschien,
und von der bis 1853, dem Zeitpunkte, zu dem Knies schrieb, verschiedene
!) Karl Pearson, La grammaire de la science, franz. Übers v. L. March,
Paris 1912, S. 140.
2 ) Marshall: Principles, 4. Ausg., B. I, Kap. 6, § 6. Das, was wir hier sage®»
bedeutet keine Kritik der mathematischen Methode in der Nationalökonomie. Mit e
Hilfe der Mathematik die Beziehungen zwischen wirtschaftlichen Tatsachen darste
(wie es die Schule Walras’ tut), und diese Beziehungen quantitativ präzisieren,
daß man aus allgemeinen Theoremen der Mathematik die wirtschaftlichen latsac
einfach ableiten kann, sind zwei ganz verschiedene Dinge.