Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

Hinsicht  vollständig  in  Übereinstimmung  mit  dem  System  der  allgemeinen
Gesetze  menschlicher  Entwicklung  steht,  dessen  unentbehrliches,  soziologisches ­
  Übergewicht  niemals  verkannt  werden  darf“ 1 ).  —  Auf  Grund
dieser  Methode  hatte  Saint-Simon  das  Kommen  des  Industrialismus
vorausgesagt,  und  auf  Grund  der  gleichen  Methode  sagte  Comte  den
Triumph  des  Positivismus  über  den  metaphysischen  und  religiösen  Geist
voraus.
Zwischen  dem  Ebengesagten,  und  dem,  was  man  heute  die  historische
Methode  nennt 2 ),  liegt  ein  weiter  Abstand,  und  die  Behauptung,  daß
Comte  ein  Vorläufer  dieser  Methode,  wie  sie  sich  seitdem  entwickelt
hat,  gewesen  sei,  scheint  uns  ganz  und  gar  unberechtigt.  —  Trotzdem
ist  die  Übereinstimmung  zwischen  seinen  Ansichten  und  denen  Knies
und  Hilde  brand’s  nicht  weniger  interessant,  weil  sie  ein  neuer  Beweis ­
  für  das  Bewußtsein  ist,  das  gewisse  bedeutende  Denker  um  die  Mitte
des  Jahrhunderts  von  der  Notwendigkeit  hatten,  die  in  den  „großen
Gesetzen“  versteinerte  Nationalökonomie  durch  neue  Methoden  wieder
zu  beleben.

Es  scheint  uns  daher,  als  ob  die  historische  Schule  sich  Illusionen
hingegeben  habe,  als  sie  in  der  Geschichte  das  Hauptinstrument  sah)
-  x )  A.  Comte,  ebenda,  S.  328.
2 )  Es  ist  interessant,  die  Meinung  der  Geschichtsforscher  über  diesen  Punkt
zu  hören.  Nach  E.  Meyer  liegt  der  Zweck  der  Geschichte  nicht  darin,  allgemein®
Entwicklungsgesetze  zu  entdecken,  —  sondern  die  konkreten  und  besonderen  Ei'
eignisse  in  ihrem  Zusammenhang,  sowie  ihre  Aufeinanderfolge  zu  beschreiben  und
zu  erklären.  Um  sie  zu  beschreiben,  gebraucht  sie  die  Regeln  der  historischen
Kritik;  —  um  sie  zu  erklären,  gebraucht  sie  im  Wesentlichen  die  Analogie.  ,,D aS
Mittel,  welches  der  historische  Schluß  verwendet,  ist  die  Analogie.  Sie  beherrscht
alle  Schlüsse  über  die  äußeren  Kräfte,  welche  die  Gestalt  des  Ereignisses  beeinflußt
haben,  bis  zu  den  rein  mechanischen  Vorgängen  hinab,  vor  Allem  aber  alle  Urteile  auf
dem  reizvollsten  Gebiet  der  Geschichte,  dem  der  inneren  Momente  oder  der  psychologischen ­
  Faktoren  .  .  .  Hier  tritt  uns  die  Tatsache  hindernd  entgegen,  daß  die  Vorgänge ­
  in  der  Seele  eines  Anderen  sich  jeder  unmittelbaren  Erkenntnis  entziehen  und
nur  aus  seinen  Handlungen  durch  einen  Analogieschluß  auf  uns  selbst  erschlossen
werden  können.  Die  innere  Einheit  der  psychischen  Vorgänge  in  einem  Menschen
läßt  sich  vollends  nur  durch  Intuition  künstlerisch  erfassen,  aber  niemals  wissenschaftlich ­
  erkennen  .  .  .  Wir  stehen  also  hier  hart  an  der  Grenze  dessen,  was  überhaupt  noch
selbst  innerhalb  des  problematischen  Schlusses  als  wissenschaftlich  erkennbar  bezeichnet
werden  kann“.  (Vgl.  Ed.  Meyer,  Geschichte  des  Altertums,  Einleitung,  2.  Ausg->
§  14.)  Zwischen  dieser  Methode  und  der,  von  der  uns  Auguste  Comte  spricht,  entdeckt ­
  man  keine  Art  irgendwelcher  Beziehungen.  Hiervon  kann  man  sich  noch  weite 1
überzeugen,  wenn  man  die  Introduction  aux  dtudes  historiques  von  Langdo is
und  Seignobos  (1898)  liest  oder  die  Untersuchung  G.  Monod’s  über  die  historische
Methode  in:  De  la  m6thode  dans  les  Sciences  (Paris  1909),  oder  weiter  die  übe^
diese  Fragen  der  Metho.de  in  der  Revue  de  Synthese  historique  zahlreich  er
schienenen  Aufsätze.
            
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