Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

diese  Weise  in  die  wirtschaftliche  Gesellschaft  eingefügt  ist,  hört  sein
Wohl  auf,  von  ihm  und  seinem  natürlichen  Milieu  abzuhängen.  Es  beruht
von  jetzt  an  auf  allen  anderen  Produzenten.  Es  unterliegt  nun  der  richtigen ­
  Ausführung  gewisser  Funktionen,  die  einen  wesentlich  sozialen
Charakter  haben,  und  deren  Aufzählung  Rodbertus  teilweise  der  Lehre
Saint-Simon’s  entnimmt.  Es  sind  dies  die  folgenden:
1.  Anpassung  der  Produktion  an  die  Bedürfnisse.
•  2.  Die  Aufrechterhaltung  der  Produktion  auf  dem  Niveau  der  vorhandenen ­
  Hilfsmittel.
3.  Die  gerechte  Verteilung  des  gemeinsamen  Produktes  unter  die
Produzenten.
Wie  sollen  sich  nun  diese  Funktionen  vollziehen?  Selbsttätig  oder
auf  Grund  förmlicher  Übereinkunft  ?  Hierin  liegt  für  ihn  die  große  Frage,
das  große  Problem.  Für  die  Volkswirtschaftler  aus  der  Schule  Smith’s
sind  die  sozialen  Organismen  dasselbe,  wie  lebende  Organismen.  Das  freie
Spiel  der  natürlichen  Gesetze  hat  den  gleichen  wohltuenden  Einfluß,  wie
der  unbehinderte  Blutumlauf  im  menschlichen  Körper.  Die  Freiheit  soll
die  regelmäßige  Erfüllung  der  sozialen  Funktionen  sicher  stellen?  Welcher
Irrtum!  sagt  Rodbertus.  „Die  Staaten  sind  nicht  so  glücklich  oder  so
unglücklich,  daß  sich  ihre  Lebensfunktionen  von  selbst  mit  Naturnotwendigkeit ­
  vollziehen.  Wie  sie  als  geschichtliche  Organismen  sich  selbst
organisierende  Organismen  sind,  sich  ihre  Gesetze  und  Organe  selbst  zu
geben  haben,  so  gehen  auch  die  Funktionen  ihrer  Organe  nicht  mit  Notwendigkeit ­
  vor  sich,  sondern  sie,  die  Staaten  selbst,  haben  sie  in  Freiheit
zu  regeln,  zu  unterhalten,  zu  fördern 1 ).“  Deshalb  schlägt  Rodbertus
schon  1837  vor,  die  natürliche  Freiheit  durch  ein  „System  staatlicher
Leitung“  zu  ersetzen 2 ),  und  sein  ganzes  Werk  ist  nichts  als  ein  Versuch,
die  Notwendigkeit  dieses  Systems  nachzuweisen.  Untersuchen  wir  seine
Beweisführung  und  gehen  wir  zu  diesem  Zweck  mit  ihm  die  verschiedenen
wirtschaftlichen  Funktionen  durch,  so  wie  wir  sie  oben  definiert  haben-Betrachten
  wir,  wie  sie  sich  ihm  zufolge  heute  vollziehen,  und  wie  sie
sich  in  einer  besser  organisierten  Gesellschaft  vollziehen  müßten:
(Kapital,  S.  79—80)  und:  „Die  Weltarbeitsteilung  entspricht  erst  ihrem  vollen  Begriff- 1 '
Weiterhin  legt  er  Nachdruck  darauf,  daß  man  nicht  „sozial“  mit  „national“  verwechsle. ­
  Br  nimmt  die  Geschichtsphilosophie  der  Saint-Simonisten  an  und  führt  aus,
wie  „die  Geschichte  ein  Vereinigungsprozeß  ist,  —  und  zwar  ein  Vereinigungsprozeü,
der  sich  zu  immer  weiteren  Kreisen  verschlingt  und  zu  immer  größerer  Innigkeit  vertieft“. ­
  (Zur  Geschichte  der  römischen  Tributsteuern  seit  Augustus  in
den  Jahrbüchern  der  Nationalökonomie  und  Statistik,  1865,  Bd.  V,  S.  27.  •
Rodbertus:  Untersuchungen  auf  dem  Gebiete  der  Nationalökonomie  des  klassische*
Altertums.  —  Und  an  anderer  Stelle:  „Der  geschichtliche  Verlauf  besteht  in  nichts
als  der  Verallgemeinerung  des  Kommunismus“  (Kapital,  S.  94,  Anm.)
*)  Physiokratie  und  Anthropokratie  in  den  Briefen  und  Sozia
politischen  Aufsätzen,  Bd.  II,  S.  619,  Berlin  1881.
2 )  Schriften,  Bd.  III,  S.  216.
            
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