Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  II.  Der  Staatssozialismus.

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schäften  zu  pflegen,  diese  beiden  schönsten  Früchte  der  Zivilisation.  Weiterhin ­
  ist  heute  überall  das  ungerechte  Eigentum  mit  dem  von  der  Arbeit
geschaffenen  Eigentum  verschmolzen:  „Es  (das  Grundeigentum)  hat
seinem  Unrecht  so  viel  Recht  beigemischt“,  sagt  er,  „daß  man  das  wahre
Eigentum  nur  mit  empören  würde,  wenn  man  sofort  schon  Hand  an  das
falsche  legen  wollte“ 1 ).
Daher  muß  auf  alle  Fälle  ein  Kompromiß  gefunden  werden.  Da  von
beiden  Einrichtungen,  die  heute  die  Quelle  der  Ungerechtigkeit  sind  —
dem  Eigentum  und  der  Vertragsfreiheit  —,  das  erste  nicht  ohne  Nachteil
abgeschafft  werden  kann,  so  versuchen  wir  wenigstens,  die  zweite  zum  Verschwinden ­
  zu  bringen.  Behalten  wir  (vorläufig)  das  Eigentum  bei:  aber
schaffen  wir  die  Vertragsfreiheit  ab.  Hierdurch  werden  wir,  auch  wenn
ivir  das  arbeitslose  Einkommen  nicht  sofort  zerstören  können,  zum  wenigsten ­
  seinen  schwerstwiegenden  Nachteil  verbessern:  das  Sinken  des  proportionalen ­
  Anteils  der  Arbeit  an  dem  Produkt.  Auf  diese  Weise  werden
zur  gleichen  Zeit  der  Pauperismus  und  die  Krisen  verschwinden l  2 ).
Schon  heute  kann  dies  geschehen.  Möge  der  Staat  den  Wert  des
sozialen  Gesamtproduktes  in  Arbeit  einschätzen,  möge  er  den  Bruchteil
dieses  Wertes,  den  die  Arbeiter  zu  erhalten  haben,  festsetzen,  möge  er
für  diese  Summe  an  die  Unternehmer  (jedem  gemäß  der  Anzahl  der  von
ihm  beschäftigten  Arbeiter)  Lohnbons  verteilen,  gegen  welche  die  Unternehmer ­
  in  öffentlichen  Niederlagen  eine  gleichwertige  Menge  Produkte
abliefern  müssen  (deren  Wert  in  Arbeit  geschätzt  ist),  und  zum  Schluß
’nögen  sich  die  Arbeiter,  die  von  ihren  Unternehmern  in  Lohnbons  bezahlt ­
  werden,  in  den  öffentlichen  Niederlagen  auf  Grund  dieser  Lohnbons
uüt  dem,  dessen  sie  bedürfen,  versehen.  Die  Schätzung  des  in  Arbeit  ausgedrückten ­
  nationalen  Produktes  würde  von  Zeit  zu  Zeit  wiederholt  werden
uiüssen.  Damit  der  Bruchteil  dieses  Produktes,  der  den  Lohn  darstellt,
stets  der  gleiche  bleibt,  muß  der  Staat  die  absolute  Zahl  dieser  Lohnbons
uiit  dem  E'ortschritt  der  Produktion  vermehren.  So  würde  der  von  Roduertus
  verfolgte  Zweck,  die  automatische  Beteiligung  der  Arbeiterklassen
am  Fortschritt  der  nationalen  Produktion,  erreicht  sein 3 ).  Dies  ist  das
r °jekt  unseres  Autors.
l )  Ebenda,  S.  228.  .  .
„Daher  glaube  ich,  wie  die  Geschichte  von  jeher  (nur  in  Kompromissen  fortgeschritten ­
  ist>  auch  nut  ein  Kompromiß  zwischen  Arbeit  und  Grund-  und  Kapital-®‘gentum
  die  nächste  Aufgabe  unserer  Wissenschaft  ist. 4  Kapital,  S.  228.)  In  einem
lle{  vom  18.  September  1873  an  R.  Meyer  (Bf.  Nr.  130,  S.  318—319)  erklärt  er,  daß
„das  große  Problem“  darin  besteht,  uns  „auf  friedlichem  Entwicklungswege  aus  unserer
®; u £  dem  Grund-  und  Kapitaleigentum  beruhenden  abgelebten  Staatenordnung  in  die
sesehichtlieli  ihr  folgende,  auf  dem  Verdienst  oder  reinem  Einkommenseigentum  sich
gründende,  schon  in" 5  *  *  8  den  meisten  sozialen  Verhältnissen  wie  zur  Geburt  sich  regende
1111(1  rührende  höhere  Staatenordnung  allmählich  einzuführen“.
8 )  Vgl.  Kapital,  S.  125ff.  und  besonders  seinen  Aufsatz:  der  Normalarbeits-
            
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