Kapitel I. Die Hedonisten.
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den sie Gebrauchswert nannten — und dem sie wohl ihre Reverenz
erwiesen, den sie dann aber als belanglos liegen ließen. — Dieser Gebrauchswert
erlebt nun, wenn auch stark verwandelt, seine Wiedergeburt.
Zunächst wird er endgültig von der Nützlichkeit im landläufigen und
wortbegrifflichen Sinne dieses Ausdruckes getrennt, von der Nützlichkeit,
die im Gegensatz zu Schädlichkeit oder Überflüssigkeit steht: er drückt
weiter nichts aus, als die Fähigkeit, irgendeinen Wunsch des Menschen
zufrieden zu stellen, sei er vernünftig, dumm oder verbrecherisch, Brot,
Diamant oder Opium, ganz gleichgültig 1 ).
Zweitens handelt es sich nicht mehr um die irgendeinem Gut innewohnende
Nützlichkeit, z. B. den Nutzen des Wassers, des Eisens oder der
Kohle mit Hinsicht auf die Bedürfnisse der Menschheit, sondern um die
Nützlichkeit einer konkreten Einheit, die das Objekt unseres Interesses
als Tauschender, Produzent oder Verbraucher, darstellt. Es handelt sich
niemals darum, das Brot zu kaufen, sondern Brote. Die Nützlichkeit
des Brotes im Allgemeinen ist mir gleichgültig; wie sollte ich sie
übrigens auch messen? Was mich interessiert, ist allein der Nutzen
des Brotes, das ich brauche. Diese einfache Verschiebung des
Gesichtspunktes gestattet sofort, die Dunkelheit zu zerstreuen, in die sich
die klassische Schule verirrt hatte * 2 ). Und zwar folgendermaßen:
1. Warum ist zunächst die Wertidee von der der Seltenheit untrennbar?
Weil der Nutzen jeder Einheit von der Stärke des bestehenden und
unmittelbaren Bedürfnisses, das sie befriedigen soll, abhängt 3 ) — und
*) Um die Verwirrung, die aus dem Gebrauch desselben Wortes zur Bezeichnung
zweier so verschiedener Begriffe entsteht, zu vermeiden, da sie, was man auch dagegen
tun möge, doch das Vorstellungsvermögen trübt, hat Vilfekdo Pareto das Wort
Nützlichkeit durch Ophelimität ersetzt; ich wende in meinen Principes d ! Economie
Politique seit 1883 das Wort desirabilitö dafür an.
2 ) „Der Gedanke des Grenznutzens ist der: Sesam, öffne dich!, die Formel,
die den Schlüssel zu den verwickeltsten Vorgängen des wirtschaftlichen Lebens gibt
und gestattet, die unentwirrbarsten Probleme der Wissenschaft zu lösen“ (Böhm-Bawerk,
The Austrian Economists, Annals of the American Academy
°f political and social Science, 1891).
3 ) Condiixac hatte diese Tatsache schon sehr richtig bemerkt (siehe oben S. 64f.)
und vor ihm hatte Buffon gesagt: daß „der Taler des Armen, der zur Bezahlung eines
unbedingt notwendigen Gegenstandes dient, und der Taler, der dem Geldsack des
Pinanzherrn als letzter zugefügt wird, in den Augen des Mathematikers zwei Einheiten
gleicher Ordnung sind, aber im moralischen ist der eine ein Goldstück, während
der andere nicht einen Pfennig wert ist* 1 (Essai d*arithmetique morale).
Dieses Verbindungssystem zwischen Menge und Bedarf kann durch eine Kurve
uusgedrückt werden, in der Art, daß es eine Nützlichkeitskurve, wie eine Kurve der
Nachfrage gibt (siehe weiter unten S. 681ff.). Um sie einzutragen, genügt es, auf einer
Horizontalen die verbrauchten Mengen 1, 2, 3, 4 usw. anzumerken und auf jedem dieser
Punkte eine Vertikale zu errichten, die die Stärke des Begehrs, die zu jeder dieser
Mengen gehört, proportional ausdrückt. Man wird diese Vertikalen (Ordinaten) mehr
oder weniger schnell an Höhe abnehmen sehen, je nachdem die Menge steigt, — um
z um Schluß auf Null zu sinken.