Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Hedonisten.

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dieser  Teile?  In  höchst  naiver  Weise.  Wenn  es  sich  darum  handelte,
die  Bodenrente  zu  bestimmen,  so  sagte  man:  man  braucht  von  dem  Totalwerte ­
  des  Erzeugnisses  nur  den  Lohn,  die  Zinsen  und  den  Profit  abzuziehen-, ­
  das,  wa^  übrig  bleibt,  ist  die  Rente.  Handelte  es  sich  darum,  den
Profit  zu  bestimmen,  so  zog  man  zunächst  die  Rente,  wenn  sie  in  Frage
kam,  ab,  dann  den  Lohn  und  die  Zinsen,  unter  denen  man  die  Produktionskosten ­
  verstand,  und  das,  was  übrig  blieb,  war  der  Profit.  Ebenso
läuft,  wie  Böhm-Bawerk  geistreich  ausführt,  die  Behauptung,  daß  der
Lohn  von  der  Produktivität  der  Arbeit  bestimmt  sei,  nur  darauf  hinaus,
daß  der  Lohn  alles  das  ist,  was  vom  Preise  übrig  bleibt,  wenn  die  anderen
Mitarbeiter  sich  ihren  Anteil  genommen  haben.  Jeder  der  Mit-Anteil-Habenden
  wird  daher  als  derjenige  betrachtet,  der  ein  Recht  auf  den
Rest  hat,  wenn  die  Anderen  ihren  Teil  haben,  als  the  residual  claimant,
  was  darauf  hinausläuft,  daß  man,  um  den  unbekannten  Teil  eines
jeden  der  drei  zu  bestimme^,  die  Teile  der  beiden  anderen  als  bekannt
voraussetzt 1 ).
Aber  diese  alte  theologische  Dreieinigkeit  läßt  die  neue  Schule  kalt.
Man  kann  keinen  der  Produktionsfaktoren  für  sich  allein  ins  Auge  fassen,
da  sie  notwendigerweise  solidarisch  oder,  wie  die  hedonistische  Schule
sagt,  komplementär  bei  dem  Werke  der  Produktion  sind.  Auf  jeden
Fall  muß  man,  um  einen  jeden  zu  bestimmen,  zwischen  ihnen  ebensoviel
Beziehungen  herstellen,  als  es  Unbekannte  gibt.  Diunit  gelangen  wir
dazu,  mathematische  Gleichungen  und  Formeln  anzuwenden.
Jedoch  ist  der  Gebrauch  der  Mathematik  nicht  bei  allen  Hedonisten
die  Regel.  Die  psychologische  Schule,  —  in  ihr  besonders  die  Richtung,
die  den  Namen  österreichische  Schule  trägt,  —  hält  es  für  unnötig,
darauf  zurückzugreifen.  Andererseits  erklären  viele  mathematische  Volkswirtschaftler, ­
  daß  sie  es  keineswegs  nötig  haben,  die  Psychologie  zu  Hilfe
zu  rufen,  und  besonders,  daß  sie  ohne  das  berühmte  Prinzip  des  Grenznutzens ­
  auskommen  können,  das,  wie  wir  sehen  werden,  den  Hauptinhalt
der  österreichischen  Lehre  ausmacht *  2 ).
')  Wenn  man  den  bekannten  Wert  des  Produktes  durch  P  ausdrückt  und  den
Lohn,  die  Zinsen  und  die  Rente  durch  x,  y  und  z,  so  erhält  man:
x  +  y  +  z  =  P
Es  ist  klar,  daß  diese  Gleichung  mit  drei  Unbekannten  allein  nicht  lösbar  ist;
nian  erhält  auch  kein  besseres  Ergebnis,  wenn  man  wie  .folgt  schreibt:
x  =  P  —  (y  4-  z)
y  =  p  —  (x  +  z)
z  =  P  —  (x  +  y).
2 )  „Die  Theorien  des  wirtschaftlichen  Gleichgewichts  sind  unabhängig  von  den
Theorien  der  Nützlichkeit  (des  Grenznutzens).  Die  allgemeine  Auffassung  dagegen
Verschmilzt,  identifiziert  diese  beiden  Arten  von  Theorien“  (Vilfredo  Pareto,  L ! £con
 °mie  pure,  Broschüre,  1902).
            
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