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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
sie umkehren, indem man sagt, daß jeder Tausch in Wirklichkeit ein Akt
der Produktion ist, denn, wie Pa.ntai.kom sich elegant ausdrückt: „Wir
können den Tauschpartner, mit dem wir verhandeln, betrachten, als wäre
er ein zu bearbeitendes Feld oder ein auszubeutendes Bergwerk“ 1 ).
Was bedeutet kapitalisieren, anlegen, darleihen? — Einen Austausch
gegenwärtiger Güter und heutiger Annehmlichkeiten gegen Güter und
Annehmlichkeiten der Zukunft.
Gerade dadurch, daß Böhm-Bawerk, wie wir weiter unten sehen
werden, das Gelddarlehen mit einem Tausch verglich, wurde er zu seiner
berühmten Zinstheorie geführt; doch vertritt er die österreichische und
nicht die mathematische Schule.
Auch der Verbrauch selbst, oder wenigstens die Verwendung der
Einkommen, setzt einen beständigen Austausch voraus, denn, da unsere
Mittel begrenzt sind, bedeutet jeder Konsum die Wahl zwischen dem
Gegenstand, den wir kaufen, und dem, auf dessen Erwerb wir seufzend
verzichten müssen. Den Besuch einer Theatervorstellung dem Kaufe
eines Buches opfern, bedeutet ein Vergnügen gegen ein anderes austauschen,
und dieser Austausch erfolgt nach den gleichen Gesetzen wie
alle anderen * 2 ).
Überall gilt das Gleiche: Steuern zahlen bedeutet einen Teil seiner
Güter aufgeben, um dafür im Austausch die Sicherheit des Restes zu erhalten;
Kinder in die Welt setzen bedeutet einen Teil seiner Behaglichkeit
und seiner Ruhe opfern, um dafür die Freuden der Familie zu genießen
und sich um sein Vaterland verdient gemacht zu haben.
So ist es möglich, zwischen den Tatsachen aus dem Bereich der Volkswirtschaft
Abhängigkeitsverhältnisse zu finden, die man versuchen kann,
in algebraischen Formeln auszudrücken, sogar dann, wenn man nicht
imstande ist, sie durch Ziffern darzustellen. Die Kunst der mathematischen
Volkswirtschaftler besteht darin, diese Verhältnisse zu entdecken
und sie in Gleichungen zu fassen.
b Des difförences d^opinion entre economistes, Genf 1897, in dem
Band: „Scritti varii di Economia“, S. 1—48 (1904) abgedruckt.
2 ) Der Wert selbst, dieser Grundstein der klassischen Volkswirtschaft, wird in
der mathematischen Volkswirtschaft zu einem einfachen Tauschverhältnis und verliert
dadurch alles persönliche, wenn ich so sagen darf. Da es sich aber nicht um eine Sache
an sich, sondern um einen einfachen Ausdruck handelt, ist es lächerlich, sich mit dem
Suchen nach Ursachen oder Gründen oder dem Wesen zu befassen, wie es die
alte Schule tut. Deshalb schlug Stanley Jevons vor, das Wort „Wert“ überhaupt
zu verbannen und einfach „Tauschbeziehung“ an seine Stelle zu setzen. Auch
Aupetit legt Nachdruck hierauf: „Der Ausdruck Wert, der heute jedes Inhalts bat
ist, scheint uns daher bestimmt zu sein, aus einem wissenschaftlichen Wortschatz z u
verschwinden ... Es hat keinen irgendwie bemerkenswerten Nachteil, diesen parasitischen
Bestandteil, so wie wir es getan haben, zu vernachlässigen und das wirtschaftliche
Gleichgewicht in seiner Gesamtheit zu betrachten, ohne auch nur das Wort W er
zu erwähnen“ (Theorie de la Monnaie, S. 85).