Kapitel I. Die Hedonisten.
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Wir wissen z. B., daß die Nachfrage fällt, wenn der Preis einer Ware
steigt und umgekehrt. Hier haben wir also Quantitäten, von denen
die eine stets in einem „Funktionalverhältnis“ zur anderen schwankt 1 ).
Betrachten wir nun, wie die mathematischen Volkswirtschaftler das
Gesetz der Nachfrage in dieser neuen Form ausdrücken.
Wenn man auf einer Horizontalen von einem feststehenden Ausgangspunkt
aus in gleichen Abständen Punkte einträgt, die die Preise
1, 2, 3, 4, 5 usw. bis 10 bezeichnen, und wenn man auf jedem dieser Punkte
eine Vertikale errichtet, die die zu diesen Preisen nachgefragte Menge
darstellt, deren Höhe proportional zu dieser Menge ist, und zum Schluß
die Spitzen aller dieser Vertikalen (die man die Koordinaten nennt) durch
eine Linie verbindet, so erhält man eine Kurve, die von einem sehr hohen
Punkte ausgeht, der die niedrigsten Preise bezeichnet und fortschreitend
für die höheren Preise fällt, bis sie mit der Horizontalen in einem gewissen
Punkte zusammenfällt, welcher Punkt mit dem Preise übereinstimmt, an
dem die Nachfrage Null wird 2 ).
Das Interessante dabei ist, daß diese Kurve für jede Kategorie von
Produkten verschieden ist — für die eine langsam, für die andere steil
abfallend, je nachdem die Nachfrage, wie Marshall sagt, mehr oder
!) Indem man die Nachfrage durch d, den Preis durch p bezeichnet, schreibt man:
d = f (p), was besagen will, daß die Nachfrage als Funktion des Preises schwankt.
Man kann diese Beziehungen auch durch geometrische Linien ausdrücken, anstatt
Gleichungen anzuwenden, da in der Mathematik jede Kurve durch eine Gleichung
wiedergegeben werden kann. Die geometrische Darstellung gibt ein anschaulicheres
Bild, wenigstens für die Uneingeweihten, als algebraische Formeln, besonders wenn
man, wie Cournot und andere, die Bezeichnungen der Infinitesimalrechnung an-Wendet,
— aber gleichzeitig bietet sie auch viel geringere Darstellungsmöglichkeiten,
denn die geometrische Figur zeigt nur die Beziehung zwischen zwei Mengen, einer
feststehenden und einer veränderlichen (oder dreier Mengen, von denen zwei veränderlich
sind, wenn man auf die dreidimensionale Geometrie zurückgreift, doch ist
111 diesem Fall die in der Projektion gezeichnete Figur nicht sehr klar), während die
Algebra Beziehungen zwischen beliebig vielen Mengen herzustellen gestattet vorausgesetzt,
man ist imstande, ebensoviel Gleichungen aufzustellen, als man Veränder-Üche
hat.
a ) Dupuit, ein Ingenieur, ist der erste, der in seinem oben (S. 570 Anm.) angeführten
Buche die Kurve der Nachfrage gezeichnet hat. Aber schon vor ihm hatte
Cournot das von ihpi sogenannte Gesetz des Absatzes •— „loi de d6bit“ entwickelt;
stellte dieses Gesetz mit bewunderungswürdiger Klarheit dar, indem er als Beispiel
einen höchst einfachen Fall setzte: den.Verkauf eines Mineralwassers in Flaschen, dessen
Heilkraft angenommenerweise äußerst stark sein soll. Bei einem sehr geringen Preis
wird die Nachfrage oder der Absatz sehr groß sein, — wenn auch nicht unbegrenzt,
denn jedes Bedürfnis hat eine Grenze. Bei einem sehr hohen Preis wird die Nachfrage
oder der Absatz gleich Null sein. Zwischen diesen beiden Punkten wird er alle Zwischenstufen
durchlaufen. Hier ist nicht die Stelle, die geistreichen Folgerungen darzulegen,
die Cournot vom Gesichtspunkt einer Monopolordnung, wie auch von dem des
inehr oder weniger großen Zwiespaltes zwischen Monopol und Allgemeininteresse
hieraus zieht.