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Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit.
schaft sucht weniger Gewinn, als bessere Befriedigung der Bedürfnisse
Aller. Mit einem Wort: während unter der heutigen Ordnung des all
gemeinen Wettkampfes ein Jeder bestrebt ist, seinen Konkurrenten bei
seite zu schieben, wird unter der Ordnung der Assoziation ein Jeder sich
bemühen, seinen Nebenmenschen zu benutzen. An die Stelle des „do
ut des“ 1 ) tritt die Solidarität, an die Stelle des „Einem Jeden das Seine“
tritt: „Jeder für Alle“.
Kapitel IV.
Die Anarchisten.
Die anarchistische Lehre ist das Produkt einer eigentümlichen Ver
schmelzung der liberalen und sozialistischen Ideen. Dem Liberalismus
entlehnt sie ihre wirtschaftliche Kritik des Staates, ihren Fanatismus
für die freie Initiative, ihren Begriff einer spontanen wirtschaftlichen
Ordnung. Dem Sozialismus entnimmt sie ihre Kritik des Eigentums
und ihre Theorie der Ausbeutung des Arbeiters.
Indem sie aber beide verbindet, und gerade weil sie beide verbindet,
geht sie weit über beide hinaus. Auch der extremste Liberalismus, der
eines Dunoyer zum Beispiel, behielt dem Staat noch eine wesentliche
Funktion vor, die eines „Sicherheits-Produzenten“. Als echter Bourgeois
des Jahres 1830 sieht Dunoyer in der Ordnung das primäre Bedürfnis
jeder Gesellschaft 2 ). Mit den Waffen der sozialistischen Kritik ausgerüstet,
verwerfen die Anarchisten auch diese letzten Funktion des Staates, denn
in ihren Augen ist die Sicherheit, von der Dunoyer spricht, einzig und
allein die Sicherheit des Eigentümers, die Ordnung, die die Besitzer
brauchen, um die Angriffe der Besitzlosen zurückzuweisen. Auf der
anderen Seite behalten die Sozialisten, vielleicht mit Ausnahme FourieR s
(und die Anarchisten nehmen Fourier als einen der Ihrigen in Anspruch),
auch wenn sie das Eigentum bekämpfen, dem Staat eine wichtige Aufguß
D Das System der Solidarität unterscheidet sich sowohl von dem des Austausche*,
wie von dem der Nächstenliebe. Die Tauschwirtschaft besteht in einer Leistung 1111
dem Zwecke, eine genau gleichwertige Gegenleistung zu erhalten. Die Nächstenlie
ist eine Leistung ohne irgendwelche Reziprozität, d. h. sie ist das, was man ein Op le
nennt. Was die Solidarität anlangt, so erweckt ja freilich jede Aufforderung zur So
darität die Idee eines gewissen Opfers, — aber eines Opfers, das nicht vollkonun®
selbstlos ist: es ist das Opfer eines Teiles unseres individuellen Ich’s, um einen An
am kollektiven Ich zu erwerben. n
2 ) Vergleiche z. B. seinen Artikel „Gouvernement“ in dem Wörterbuche v
COQUELIN & GUIIXAOMIN.