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Rohstoffe und Erzeugnisse der Zuckerfabrikation.
wieviel der angewendeten Zuckerprobe eine Drehung = 100 °/ 0 ergeben würde.
Falls die Skala ungenau ist, gibt diese Menge einen von 100 °/ 0 abweichenden
Gehalt und berechnet man aus diesem Ergebnis die genaue Zahl in folgender Weise:
Angenommen, der Zucker habe 95,2° bezw. °/ 0 ergeben, so sind nach der
Gleichung:
95,2 : 100 = 13,024 : x (= 13,681 g)
13,681 g für 50 ccm erforderlich, um für eine richtige Skala 100° Polarisation zu
geben. Findet man statt dessen nur 99,8° Drehung, so ist der wirkliche Zucker
gehalt nach der Gleichung:
13,681 : 13,024 = 99,8 : x (= 95,0),
d. h. statt 95,2 °/ 0 nur 95,0 °/ 0 .
Sind statt 99,8° Drehung bei der 2. Polarisation 100,3° gefunden, so ist
13,681 :13,024 = 100,3 : x (= 95,48)
der wahre Zuckergehalt 95,48 °/ 0 .
Scheibler hat eine besondere Tabelle berechnet, aus welcher man für jeden
Polarisationswert direkt ablesen kann, wieviel Gramm Zucker statt des Normal
gewichtes 13,024 für 50 ccm abzuwägen sind, um bei einer richtigen Skala 100°
Polarisation zu erhalten. Die obige Korrektion wird durch die von Schmidt und
Haensch in Berlin hergestellte Keilkompensation für Farben- wie Halbschatten
apparate erspart.
3. Invertzucker. Man ist übereingekommen, einen Zucker für frei von Invert
zucker zu erklären, wenn 10 g desselben, mit 100 ccm heißem Wasser gelöst und
mit 5 ccm Fehlingscher Lösung gekocht, keine Reduktion ergeben. Tritt Reduktion
ein, so bestimmt man den Invertzucker nach S. 606 und bringt für die Polarisation
nach S. 607 eine entsprechende Korrektion an.
4. Kafllnose. Die Bestimmung der Raffinose im Zucker hat eine besondere
Wichtigkeit erlangt, weil die Steuerbehörde ihr Augenmerk darauf gerichtet hat.
Die Raffinose besitzt nämlich ein stärkeres Rechtsdrehungsvermögen als Saccharose;
es kann darnach ein zur Ausfuhr gelangender Zucker höher polarisieren, d. h.
zuckerreicher erscheinen, als er in Wirklichkeit ist; derselbe würde alsdann eine
höhere Summe bei der Ausfuhr an Steuer-Bonifikation erhalten, als er nach seinem
wirklichen Gehalt an Saccharose beanspruchen kann. Über die Bestimmung der
Raffinose vergl. S. 608.
5. Asche, 3 g Zucker werden in einer flachen Platinschale mit reiner
konzentrierter Schwefelsäure angefeuchtet und nach S. 610 eingeäschert.
6. Verunreinigungen. Bei den Konsum-Zuckersorten (Brot-, Würfel-, Pile-
und Farinzucker) pflegen Verunreinigungen oder absichtliche Beimengungen zu den
größten Seltenheiten zu gehören. Nur ein Zusatz von Ultramarin zur Verdeckung
der gelhen Farbe des Zuckers wird öfters beobachtet.
Etwaige Zusätze von Gips, Schwerspat, Kreide, Mehl, Ultramarin usw.
geben sich durch ihre Unlöslichkeit in Wasser zu erkennen — ein guter Konsum
zucker muß sich leicht, klar und vollständig in Wasser lösen —.
Durch eine Bestimmung der Asche findet man die Menge der beigemengten
mineralischen Zusätze; durch Auflösen einer größeren Menge Zucker in Wasser,
Filtrieren durch ein vorher getrocknetes und gewogenes Filter, Trocknen und
Wägen, sowie durch eine mikroskopische Untersuchung dieses Rückstandes erfährt
man die Menge und Art von etwa vorhandenen organischen Beimengungen.
Um die weniger reinen Zuckererzeugnisse, Raffinerie-Sirupe usw., auf Zusatz
von Stärkesirup, Stärkezucker und Dextrin zu prüfen, macht man einen