Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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Sollte  man  die  landwirtschaftliche  Klasse  die  Steuer  tragen  lassen  ?
Wir  haben  doch  gesehen,  daß  der  Teil,  der  dem  in  der  Landwirtschaft ­
  Beschäftigten  verbleibt,  nachdem  der  Reinertrag  abgezogen
ist,  nur  genau  die  Rückzahlung  der  jährlichen  und  primären  Vorschüsse ­
  ausmacht.  Wenn  man  ihnen  daher  600  Millionen  Steuern
davon  wegnimmt,  so  würde  dem  Boden  um  so  viel  weniger  zurückgegeben
  werden,  was  den  Bruttoertrag  des  folgenden  Jahres  entsprechend ­
  vermindern  würde 1 ).  Ausgenommen  es  gelingt  den  Landwirten, ­
  ihre  Pacht  um  600  Millionen  vermindert  zu  erhalten.  In
diesem  Falle  würde  das  Endresultat  für  die  Großgrundbesitzer  dasselbe ­
  sein,  als  wenn  sie  die  Steuern  selbst  bezahlt  hätten,  wozu  aber
Boeh  die  Schäden  und  Reibungen  kommen  würden,  die  mit  jedem
falschen  Vorgänge,  der  von  der  natürlichen  Ordnung  abweicht,  ver
bunden  sind.  Soll  man  diese  Steuern  der  sterilen  Klasse  auferlegen?
■~ a  sie  aber  so  wie  so  schon,  laut  ihrer  Definition,  unproduktiv  ist,
d-  h.  da  sie  nur  den  Gegenwert  dessen,  was  sie  verzehrt,  erzeugt,  so
eißt,  ihr  600  Millionen  nehmen,  sie  dazu  zu  zwingen,  ihren  Verbrauch
®der  ihre  Rohstoffkäufe  um  die  gleiche  Summe  zu  verringern,  und
mfolgedessen  die  landwirtschaftliche  Produktion  in  der  Zukunft  zu
^mindern,  —  ausgenommen  es  gelingt  den  Industriellen,  den  Preis
es^h  ® rzen g :n ^ sse  um  600  Millionen  zu  steigern.  In  diesem  Falle  ist
es  Wenfalls  die  Klasse  der  Grundbesitzer,  die  die  Folgen  trägt,  sei
^mittelbar  für  das,  was  sie  verbraucht,  oder  mittelbar  für  das,
as  ihre  Pächter  verbrauchen 2 ).

0  Eine  derartige  Bescheidung  der  produktiven  Ausgaben  würde  unweigerlich
einer  Prodnktionfverminderung  führen,  denn  die  für  die  Bertdhng
fR  sind  eine  conditio  sine  qua  non  der  Ernte.  Man  kann  diese  Ausgaben  nicht
^ f geben,  ohne  gleichzeitig  die  Ernten  aufzngeben:  auch  kann  man  sie  nicht
“«dem,  ohne  die  Ernten  ebenfalls  im  gleichen  Verhältnis  zu  verrinne  •
J e .  Bevölkerung  so  gefährliche  Verschlechterung  wurde  letzten  Endes  notwen  g^
* e l?e  auf  die  Grundbesitzer  und  den  Herrscher  zuruck  fa  len  (Dvpoktm
d53 )-  „Die  Verminderung  der  Vorschüsse  wird  in  glmcher  Wei  e  auf  den  Ertrag
Rückwirken  und  dies  wird  wieder  von  neuem  den  gleichen  Emfbi*  "J„hierauf
äc husse  ausüben.  Diese  Schraube  ohne  Ende  ist  wohl  geeignet  l^R.  der  hier
Rh  nur  die  geringste  Aufmerksamkeit  verwenden  will,  mit  Schrecken  zu  erfüllen
Oüercier  db  I;A  RrraH  g.  499).
.  ,  2 )  „Es  ist  dies  ein  Vorschuß,  den  der  Grundbesitzer  wohl  oder  üb  ei  ihnen  ^n
Almosen  znrückerstatten  muß;  doch  ist  es  em  o  >  rec ken
m  Reichen  macht,  und  dessen  verzögerte  Zurückzahlung  <  en  sofort  werden
Elendes  aussetzt.  Der  Staat  fordert  von  dem,  der  meht ®  h ^’:
? e gen  den,  der  nichts  hat,  alle  Mittel  der  Rechtsordnung,  alle  Strafbestimmungen
Anwendung  gebracht“  (TimaoT,  (Euvres  I,  413).
„Es  liegt  auf  der  Hand,  daß  es  in  diesem  Fall  den  Grundbesitzern  viel  teurer
^stehen  kommt,  als  wenn  sie  direkt  ohne  Erhebungskosten  dem  Fiskus  (len  betrefienden
  Teil  ihres  Einkommens  überweisen“  (Düfout  de  Nemouks,  S.  352).
            
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