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die infolge der aufreibenden endlosen Hausarbeit mit vier
zig Jahren vorzeitig altert und verbraucht ist,
„Von früh bis abends regt der Mann die Hände,
Der Hausfrau Arbeit aber kennt kein Ende.“
auch nicht über die ausgemergelte, unter der Last ihrer Ar
beit zusammenbrechende Frau, die seine Hemden bügelt,
oder über die künftige Mutter, die ihre Gesundheit und Ju
gend zerstört, indem sie Tag und Nacht an dem Anzug
näht, mit dem er dann im Salon so glänzende Figur macht
— all diese alterieren ihn nicht. Sondern was ihn aufregt,
das ist der Gedanke an den weiblichen Doktor, an die Ärz
tin, die mit einem Einkommen von einigen tausend Mark
jährlich, im Wagen zu ihren Patienten fährt oder sie in
ihrem Ordinationszimmer empfängt, die ihre Abende am
Kamin lesend und rauchend beim Studium oder mit ihren
Gästen verbringt; der Gedanke an den weiblichen Parla
mentarier, der vielleicht sechs Stunden des Tags in den ge
polsterten Fauteuils der Kammer lehnt und hie und da,
wenn es nicht gerade zu reden oder zu stimmen gilt, die
Langeweile der Verhandlung in den Couloirs oder am Bü
fett unterbricht; der Gedanke an den weiblichen Universi
tätsprofessor, der für sechs- oder achttausend Mark im Jahr
ein Dutzend Vorlesungen in der Woche zu halten hat und
Muße genug behält, die Gesellschaft von Gatten und Kin
dern zu genießen und sich ihren Ideen und Studien zu
widmen — der Gedanke an diese ist es, der sein Herz be
wegt. Nicht der Gedanke an die Frau, die auf allen Vieren
liegend, für zwei Mark per Tag den Boden reibt, erfüllt ihn
mit Angst um die Weiblichkeit, diese an die Vierfüßler ge
mahnende Stellung erscheint ihm echt weiblich und wider
spricht durchaus nicht seinem Ideal der Mutter und Kinder
gebärerin. Und auch, daß vielleicht in seinem eigenen
Haus oder in dem seines Freundes irgendein erschöpftes
Mädchen bis tief in die Nacht hinein mit schmerzendem
Rücken und müdem Kopf sein zahnendes weinendes Kind