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ihrer Berufe nicht weniger Intellekt aufgewendet haben als
die Männer in den ihren. In jenen hoch spezialisierten gei
stigen Tätigkeiten aber, zu denen eine lange ununter
brochene Vorbildung in ganz bestimmter Richtung nötig
ist, wie den liberalen Berufen und den Künsten, haben
die Frauen, obgleich sie tatsächlich von dem erforderlichen
Studium und der freien Ausübung dieser Berufe ausge
schlossen waren, doch kraft ihres angeborenen Talentes
und ihrer Anlagen fortwährend die scheinbar unübersteig-
lichen Hindernisse durchbrochen, oft und oft auch auf die
sen Arbeitsgebieten den Platz neben dem Mann eingenom
men und also nicht nur eine bloße Eignung, sondern eine
entschiedene und leidenschaftliche Neigung in diesen Rich
tungen bewiesen. Mit gleichem Recht ist schon oft erwähnt
worden, daß die Frau in der einzigen Stellung, in der sie
je imstande war, ihre Individualität frei und voll zur Gel
tung zu bringen, nämlich als Herrscherin (trotzdem sie hier
nur aufs Geratewohl vom Schicksal durch den Zufall der
Geburt oder Heirat aus der Masse von Frauen heraus
gegriffen war), verhältnismäßig oft die Fähigkeit zu ge
bieten, zu organisieren bewiesen hat und mit Erfolg im
stande war, als Regent eines Volkes eine der anspruchsvoll
sten und schwierigsten Stellungen zu bekleiden. Von den
Tagen der Amalaswintha bis zu Isabella von Spanien, Eli
sabeth von England, Katharina von Rußland erwiesen sich
Frauen fähig, das Leben von großen, unpersönlichen Ge
sichtspunkten zu erfassen und mit Erfolg und Kraft zu be
herrschen, wenn sie jene hohe Stellung einnahmen, die es
von ihnen verlangte. Es mag auch erwähnt werden, was
schon ermüdend oft wiederholt worden ist, daß die Eig
nung der Frau für die Gebiete moderner geistiger Arbeit
oder gelernter Handarbeit heute nicht mehr Thema der
Diskussion sein kann, da die Zahl der Frauen, die als preis
gekrönte Mathematikerinnen, als Ärztinnen usw. diese
neuen Gebiete betreten haben, und die guten Resultate der