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ten Gebieten des Textilgewerbes und des Handwerks, die
zu allen Zeiten der Vergangenheit der Frau gehörten.
Die offenkundige und unleugbare Tatsache, daß, wo die
Arbeiterbewegung gedeiht, auch die Frauenbewegung an
wächst, kommt nicht daher, daß die beiden identisch sind,
sondern daher, daß dieselben heilsamen und kräftigenden
Zustände innerhalb einer Rasse oder Gesellschaft beiden
den Boden bereiten.
Wie zwei Ströme, die einer Quelle entfließen und deren
Lauf lange Strecken hindurch parallel geht, dennoch ganz
getrennt bleiben können, der eine seinen Weg zum Meere
findet, während der andere sich in Sand verläuft oder
versumpft, so können auch unsere moderne Arbeiter- und
Frauenbewegung, obwohl sie denselben materiellen Be
dingungen unserer Kultur entspringen und obwohl sich
zahllose und nahe Analogien in ihrer Entwicklung ergeben,
doch vollständig voneinander getrennt bleiben. Durch
beide Bewegungen muß die Zukunft des Menschenge
schlechts eine tiefgehende Veränderung erfahren, zum
Guten oder zum Bösen; beide berühren die Menschheit in
vitalster Weise; aber beide werden unabhängig voneinan
der auf ihrem eigenen Boden ausgefochten werden müs
sen, und nur durch entschlossene, bewußte und beharr
liche Tätigkeit von seiten der Frauen wird die Lösung
ihrer eigenen Arbeitsfragen gleichmäßig mit der der Män
ner fortschreiten.
Wie verschieden, trotz der Ähnlichkeit, die grundlegen
den Motive der beiden Bewegungen sind, spricht sich am
deutlichsten in der Tatsache aus, daß, während die Be
rgung der Männer hauptsächlich unter der armen oder
handarbeitenden Klasse entstand, wo der materielle Druck
des Lebens am schwersten lastet und wo die Gefahr phy
sischen Leidens und selbst der Vernichtung durch diesen
Druck am meisten empfunden wird — die Frauenbewe
gung ihren Ursprung fast ausschließlich unter den wohl-