Inflation und Steuern.,
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Krieges aus Steuereingängen zu decken sei. Tatsächlich ist es Eng
land in allen früheren Kriegen gelungen, diesen oder einen ähnlichen
Anteil der Steuern an den Kriegsausgaben zu erreichen. Im jetzigen
Krieg ist der Anteil der Steuern an der Kostendeckung in England
auf rund 15%, also auf ein Siebentel, zu bemessen 1 ). Angesichts des
auch in England gewaltigen Betrages der aufgelaufenen Kriegs
kosten (Ende März 1919: 190MilliardenMark) istdiese Steuerleistung
des englischen Volkes mit Recht als heroisch bezeichnet worden.
Amerika hat die Absicht, seinen Verbündeten in der Kostendeckung
durch Steuern sogar noch zu übertreffen. Genaue Berechnungen
über Steuereinnahmen und Kxiegsausgaben für das Rechnungsjahr
1918/19 liegen indes noch nicht vor. Rechnet man in Deutschland
den Betrag der Kriegssteuer (Kriegsgewinnsteuer) wie in England
zu den Steuereinnahmen, dann konnten von den bis 31. März 1918
aufgelaufenen deutschen Kriegskosten in Höhe von etwa 110 Mil
liarden Mark nur etwa 2 Milharden durch Steuern abgedeckt werden.
(Von dem Ertrag der Kriegssteuer in Höhe von 5,4 Milliarden Mark
wurde der Rest zur Deckung von Fehlbeträgen im ordentlichen
Haushalt verwendet.) In den übrigen kriegführenden Ländern
erreichen jedoch die Steuereinnahmen nicht einmal den Betrag
der durch die Verzinsung der Staatsschulden stark gestiegenen
laufenden Ausgaben. Selbst in Frankreich bleiben die Eingänge
aus den Steuern hinter den laufenden Ausgaben zurück.
Zweitens sind die Steuern für die Frage nach der Inflation
von Bedeutung. Grundsätzlich stellt die Steuer, die der Steuer
pflichtige an den Staat entrichtet, eine Minderung seiner Kauf
kraft dar. Im Gegensatz zu allen bisher besprochenen ,, Auf bewah
rungsformen“ der Kaufkraft werden die in der Steuer hingegebenen
Teile des Einkommens vom Steuerzahler endgültig verausgabt: die
] ) Die gesamten Ausgaben betrugen
vom 1. August 1914 bis 31. März 1919 . . . rund 9500 Mill. £,
die gesamten Budgeteinnahmen „ 2650 „ ,,
so daß auf dem Kreditwege rund 6850 Mill. £
aufgebracht worden sind.
Hingegen stellten sich die reinen Kriegsausgaben (nach Abzug der Friedens
ausgaben und der Ausgaben für die Verzinsung der Kriegsschuld) auf rund
8000 Mill. £, und die reinen Einnahmen während des Krieges ausschließlich
der Zinsen für die Kriegsschuld auf 1200 Mill. £. Diese 1200 Mill. £ konnten
zur Deckung der Ausgaben in Höhe von 8000 Mill. £ verwendet werden. (Vgl.
die Berechnung bei Prion, Steuer- und Anleihepolitik in England während des
Krieges, Berlin 1918, S. 25 f.)