Full text : Inflation und Geldentwertung

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Die  Finanzwirtschaft  während  des  Krieges  usw.

Schatzanweisungen  aufgestapelte  überreichliche  Kaufkraft  zum
mindesten  auf  lange  Zeit  einer  Preissenkung  im  Wege  stehen.  Allerdings ­
  wird  mit  einer  Produktionssteigerung  auch  eine  Vermehrung ­
  der  umsatzfähigen  Güter  zu  erwarten  sein,  anstatt  wie
bisher  —  durch  die  Zerstörungen  des  Kriege*  —  eine  Verminderung,
so  daß  sich  das  Verhältnis  zwischen  Angebot  und  Nachfrage  nach
Waren  allgemein  wieder  bessern  kann.  Endlich  ist  zu  berücksichtigen, ­
  daß  nach  Beendigung  des  Krieges  bestimmte  Maßnahmen
zur  Verringerung  der  Kaufkraftmenge  durchgeführt  werden  können, ­
  die  während  der  Dauer  des  Krieges  als  unmöglich  oder  als
untunlich  zurückgestellt  worden  sind.
2.  Wenn  man  ein  militärisches  Bild  gebrauchen  will,  so  kann
man  sagen,  daß  die  aus  der  Kriegswirtschaft  zurückgebliebene  Kaufkraft ­
  der  Einzelwirtschaften  eine  Bereitstellung  mit  Tiefengliederung ­
  eingenommen  hat.  Als  Vorposten  gelten  die  über  den  unmittelbaren ­
  Zahlungsbedarf  hinausgehenden  Papiergeldmengen  in  den
Kassen  der  Einzelwirtschaften  sowie  ein  Teil  der  Giroguthaben  bei
der  Reichsbank,  schätzungsweise  20  Milliarden  Mark  am  31.  Dezember ­
  1918,  die  in  jedem  Augenblick  bereit  sind,  als  Käufer  für  Waren
und  Dienstleistungen  aufzutreten,  sobald  sich  dazu  eine  Gelegenheit ­
  bietet.  Der  ersten  Kampflinie  vergleichbar  sind  die  Guthaben,
die,  um  der  Zinslosigkeit  zu  entgehen,  auf  tägliche  Kündigung  bei
den  Banken  eingezahlt  worden  sind,  bis  sie  in  den  Wettkampf  am
Gütermarkt  eingreifen  können  oder  in  eine  Kapitalanlage  umgewandelt ­
  werden  sollen.  Ihr  Betrag  war  auf  weitere  14  Milliarden
Mark  zu  veranschlagen.  Die  ersten  Reserven  bilden  die  Hinterlegungen ­
  mit  Kündigung,  insonderheit  bei  den  Banken  in  Höhe
von  13  Milliarden  Mark  (gegen  3  bzw.  4  Milliarden  Mark  Ende  1913)
zum  Teil  auch  bei  den  Genossenschaften  in  Höhe  von  5  Milliarden
Mark  (gegen  2  Milliarden  Mark  Ende  1913),  weniger  bei  den  33  Milliarden ­
  Mark  Einlagen  der  Sparkassen,  bei  denen  der  Charakter  als
Kapitalanlage  noch  vorherrschen  dürfte.  Von  der  militärischen
Kriegführung  unterscheidet  sich  diese  finanzielle  Gliederung  nun
sehr  wesentlich  dadurch,  daß  die  finanziellen  Reserven  in  Wirklichkeit ­
  gar  nicht  mehr  vorhanden  sind:  sie  sind  längst  verbraucht.  Die
Depositen  und  sonstigen  Einlagen  sind  zum  größten  Teil  an  das
Reich  (die  Bundesstaaten  und  Gemeinden)  weitergegeben  worden,
indem  sie  Anlage  in  Schatzanweisungen  des  Reiches  (und  in  sonstigen
Krediten)  gefunden  haben.  Die  Reichsschatzanweisungen,  deren
            
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