Full text : Inflation und Geldentwertung

Anleihepolitische  Maßnahmen.

75

der  freiwilligen  Anleihen  wegen  der  damit  verbundenen  Schonung
der  aufgeblähten  Kaufkraft  nur  in  ganz  beschränktem  Umfange
zum  Abbau  der  Preise  beitragen  können 1 ).
2.  Grundsätzlich  gelten  die  gleichen  Überlegungen  für  die  —
als  das  entscheidende  Mittel  gegen  die  Inflation  empfohlene  —
finanzpolitisch  durchaus  erforderliche  Umwandlung  der  schwebenden ­
  Schulden  des  Reiches,  der  Einzelstaaten  und  Kommunen
in  konsolidierte  Anleihen  dieser  Körperschaften.  Die  große  Gefahr
für  die  Preise  besteht  darin,  daß  die  Umwandlung  der  kurzfristigen ­
  Schatzanweisungen  in  Papiergeld  (durch  Rückgabe  an
die  vermittelnde  Reichsbank)  jederzeit  möglich  ist.  Solange  das
Versprechen  von  dem  Rückkauf  und  der  bevorzugten  Lombardierung ­
  der  Kriegsanleihe  gilt,  ist  diese  Gefahr  auch  dann  nicht
wesentlich  geringer,  wenn  der  Umtausch  der  Reichsschatzanweisungen ­
  in  Kriegsanleihe  wirklich  erfolgt  ist:  sowohl  bei  der  Kriegsanleihe ­
  als  auch  bei  den  Reichsschatzanweisungen  ist  die  Umwandlung ­
  der  latenten  Kaufkraft  in  mobile  Kaufkraft,  in  Geld,
möglich.  Da  jedoch  mit  den  Schatzanweisungen  keine  Kursverluste ­
  und  sonstige  Kosten  verknüpft  sind,  die  Rückverwandlung
in  Geld  in  einfachster  Weise  vor  sich  geht,  so  wird  zweifellos  die
Reichsschatzanweisung  als  Mittel  zur  Aufspeicherung  der  Kaufkraft
von  vielen  Einzelwirtschaften  bevorzugt.  Nur  wenn  es  gelänge,
die  gesamte  Summe  der  schwebenden  Schulden  in  feste  Anleihen
umzuwandeln,  aus  denen  die  Wiederflüssigmachung  der  Kapitalien
ausschließlich  durch  bereitstehende  andere  Kapitalien  erfolgen
könnte,  würde  ein  großer  Teil  der  überschüssigen  Kaufkraft  tatsächlich ­
  und  dauernd  vom  Gütermarkt  abgezogen  werden.  Denn  die
schwebenden  Schulden  der  öffentlichen  Körperschaften  dürften  sich
am  1.  Juli  1919  insgesamt  auf  80  Milliarden  Mark  belaufen,  die  zum
größten  Teil  als  Deckung  von  kurzfristigen  Depositen  und  Kassenreserven ­
  dienen.  Bei  einer  solchen  Umwandlung  der  schwebenden
Schulden  in  feste  Anleihen  würden  also  in  erster  Linie  die  Depositen ­
  der  Banken  zusammenschmelzen  und  gegebenenfalls  Teile
der  thesaurierten  Noten  zurückströmen.  Entsprechend  würden
die  Schatzanweisungen  des  Reiches  und  der  Gliedstaaten  aus  den
Beständen  der  Kreditinstitute  und  der  sonstigen  Einzelwirt-*)
  Das  hebt  auch  Heyn  (Bankarchiv  vom  15.  Januar  1919)  richtig  gegen
Pistorius  hervor,  wenn  dieser  glaubt,  daß  durch  Aufbringung  einer  Anleihe  die
Geldentwertung  beseitigt  werde.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.