Full text: Inflation und Geldentwertung

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Finanzielle Maßnahmen zum Abbau der Preise. 
mögensabgabe darf diese Nebenwirkung nicht übersehen werden; 
es müssen daher besondere Maßnahmen erfolgen, durch die erreicht 
wird, daß in erster Linie die aufgespeicherten Noten, Depositen 
und Schatzanweisungen an das Reich abgetreten werden. Vor 
aussetzung wäre freilich, daß der grundlegende Unterschied zwi 
schen Anleihen und Geld nach Möglichkeit wiederhergestellt, d. h. 
die im Kriege eingeführte jederzeitige Umwandlung der Anleihen 
in Geld eingeschränkt oder erschwert werde. 
4. Grundsätzlich wird also die Kaufkraft der Einzelwirtschaften 
durch die Vermögensabgabe zurückgeschraubt. Mit dieser Fest 
stellung ist jedoch noch nichts über die Art und den Umfang der 
Rückwirkung dieser Steuer auf die Preise gesagt. Was ist von 
dieser Maßnahme bei dem augenblicklichen Zustand der deutschen 
Volkswirtschaft (zur Zeit der Friedensunterzeichnung) zu er 
warten? Gewiß ist, daß gar mancher Kriegsgewinner, der heute 
darauf los lebt, nach Entrichtung der auf ihn entfallenden Ab 
gabe nicht mehr in der Lage sein wird, die höchsten Preise für 
alles, was es zu kaufen gibt, zu bewilligen. Die Preise für Luxus 
waren, für französischen Champagner und für sonstige von diesen 
Kreisen beliebte Güter werden zweifellos sinken, weil die Nach 
frage eingeschränkt wird. Dagegen wird die Ankündigung der 
hohen Vermögenssteuern ebenso zahlreiche Personen veranlassen 
— wie das auch schon zu beobachten ist —, ihr Vermögen oder 
Teile des Vermögens Heber vorher auszugeben, anstatt es dem 
Staat in Gestalt von Steuern zurückzuerstatten. In derselben Rich 
tung wirkt zur Zeit ferner die Unsicherheit der politischen, wirt 
schaftlichen und finanziellen Zukunft des Deutschen Reichs, wie 
sie sich durch die soeben bekanntgewordenen Friedensbedingungen 
darstellt. Zahlreiche Personen lassen sich heute zu Ausgaben ver 
leiten, die sie niemals machen würden, wenn die Grundsätze der 
Friedenswirtschaft noch Geltung hätten. So wirken heute, nach 
neunmonatiger Beendigung des Krieges, zwar nicht mehr die 
großen Kriegseinkommen, wohl aber die Zinsen aus den angesam 
melten Vermögen und endlich die Ausgaben aus diesen Vermögen 
in starkem Maße auf die Preisgestaltung ein. Zahlreiche Per 
sonen übersehen hierbei, daß sie mit ihrem Vermögen nach einem 
bis zum 31. Dezember 1918 zurückliegenden Stichtag zur Steuer 
herangezogen werden. Andererseits werden ebenso zahlreiche Per 
sonen diejenigen Ausgaben, die sie jetzt aus dem Vermögen
	        
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