Full text : Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

Das  Geld.

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So  kommen  wir  also  durch  viele  Verwicklungen  zur  Vereinfachung. ­
  So  ist  es  übrigens  oft  bei  den  sozialen  Wirtschaftsproblemen. ­
  Man  muß  sehr  komplizierte  Apparate  haben,  um
eine  einfache  Arbeit  zu  bekommen.
Das  Geld.  Wir  haben  schon  wiederholt  das  Wort  Geld
ausgesprochen,  einen  der  wichtigsten  Begriffe  der  Volkswirtschaft. ­

Es  steckt  im  Gelde  etwas  Geheimnisvolles,  Magisches.
Ich  erinnere  mich  sehr  deutlich,  daß  dieses  Mysterium  des
Geldes  in  meiner  Gymnasialzeit  zuerst  meine  Aufmerksamkeit
auf  die  Volkswirtschaft  gelenkt  hat,  und  ich  sehe  noch  die  Stelle
vor  mir,  wo  dieser  Gedanke  mir  gekommen  ist.
Da  ich  als  Kind  ganz  erfüllt  war  von  den  Märchen  und
die  Geschichte  Aladins  und  der  Wunderlampe  auswendig
kannte,  jener  Lampe,  die  man  nur  zu  reiben  brauchte,  um  alle
Reichtümer  zu  bekommen,  sagte  ich  mir:  aber  mit  Geld  kann
man  alles,  was  die  Lampe  gab,  bekommen:  üppige  Mahlzeiten,
Edelsteine,  Königspalast,  schwarze  oder  weiße  Sklaven  —  soviel ­
  man  will  —  und  selbst  die  Hand  der  Prinzessinnen.
Das  Kind  weiß  bald,  daß  man  mit  „ein  paar  Pfennigen"
sich  das,  was  man  wünscht,  verschafft.  Vom  Standpunkt  der
Kinderpsychologie  würde  es  interessant  sein,  das  Alter  zu  bestimmen, ­
  in  welchem  das  Kind  nicht  mehr  bloß  sich  an  einem
Geschenk  in  natura,  einer  Arche  Noah  oder  einer  Puppe  erfreut, ­
  sondern  die  gleiche  oder  gar  eine  größere  Freude
empfindet,  wenn  es  ein  Silber-  oder  Goldstück  bekommt,  heutzutage ­
  eine  Banknote  —  und  zu  sich  selbst  sagt:  „Damit  kannst
Du  dir  kaufen,  woran  Du  Lust  hast".
Die  Wilden  haben  auch  nicht  sogleich  dieses  Gefühl.  Es
gibt  Stämme,  bei  denen  das  Angebot  von  Geld,  sogar  von
Gold,  gar  nichts  bedeuten  würde,  und  bei  denen  man  Gegenstände ­
  iu  natura  geben  muß.  So  ist  es  in  diesem  Augenblick
bei  den  russischen  Bauern:  sie  geben  ihre  Bodenerzeugnisse
nur  gegen  Fertigwaren  her  und  lehnen  das  Geld  ab;  in  der
Tat  ist  das  Geld,  das  man  ihnen  anbietet,  nicht  verführerisch.
Wie  kann  man  diese  Macht  des  Geldes  erklären?
Der  erste  Grund  ist,  wie  ich  soeben  gesagt  habe,  daß  es
das  allgemeine  Werkzeug  des  Tausches  ist,  das  besagt  mit
andern  Worten:  derjenige,  der  das  Geld  hat,  weiß,  daß  er  im
Austausch  alles,  was  er  begehrt,  haben  kann,  wenn  er  sich
«nicht  gerade  in  der  Wüste  oder  in  irgendeinem  „kleinen  Nesm
Gide,  Anfangsgründe  der  Volkswirtschaftslehre.  3
            
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