48 Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre.
Es sind einfache Ziffern, die sie in Gewahrsam halten. Und
wenn ich sage, sie sind in ihrer Brieftasche, so übertreibe ich
noch. Nur die Kleinbürger behalten ihre Anteile bei sich zu
Hause. Die Reichen deponieren sie bei ihrem Bankier. Dieser
gibt ihnen dann ganz einfach eine Quittung über jene Anteil
scheine nebst einem Scheckbuch, in das sie die Summe, die sie
etwa für einen Einkauf oder eine Zahlung benötigen, ein
tragen. Das Scheckheft, das ist das Eigentum von heutzutage,
der Großbesitz der Reichen.
Die ersten individuellen Besitztümer waren gleichsam an
die Person geheftet, Arten von Organen, die seine Persönlich
keit außen umschlossen — wie das Haus die Schnecke. Hier
sehen wir eine Form des Eigentums, die sich des Körpers
entledigt hat, die so ist wie das, was die Spiritisten „den
Astralleib" nennen, von dem sie glauben, daß er um den
wirklichen Leib herum existiere.
Diese Entwicklung im Eigentumsobjekt ist in packender
Weise von Jaurös ins Licht gerückt worden in seinen „Sozia
listischen Studien" (Ltuckss Loeiuiistes).
„Das Besitztum des Landmanns, sagt er, ist ein Stück
seines Lebens. Es hat seine Wiege getragen: es ist
dem Friedhof benachbart, auf dem seine Vorfahren schlafen,
auf dem er selbst schlafen wird: und von dem Feigen
baum aus, der seine Tür beschattet, bemerkt er die Zypresse,
die seinen letzten Schlummer schützen wird. Sein Eigen
tum ist ein Bruchstück des unmittelbaren engeren Vater
lands, des örtlichen Vaterlands, ein Ausschnitt des großen
Vaterlands .... Früher griffen die Menschen nur zu
den Zeitungen, um sich über das zu unterrichten, was nicht ihr
eigenes Leben war. Sie kauften die Zeitung nicht, um zu
erfahren, welches ihr Vermögen war und welches ihre Ein
nahmen sein würden. Jetzt gibt es kaum einen bürgerlichen
Besitzer, der nicht Finanzblätter lesen müßte, um zu erfahren,
wie es mit seinem eigenen Vermögen steht. Das Eigentum
ist dem Besitzer so fremd geworden, daß der Besitzer erst durch
die Zeitung Nachrichten über seinen Besitz erhält".
Das ist vollkommen richtig. Man beobachte die Käufer
einer Abendzeitung: fangen sie nicht mit der letzten Seite an
und sehen den Börsenbericht nach, den Kurszettel? Sie sehn
nach, wieviel ihre Aktien wert sind, ihre Rentenbriefe, ihre
Obligationen, und die Zeitung belehrt sie darüber, ob sie an
dem Tage reicher oder ärmer geworden sind, und um wieviel.