Full text: Lexikon der Handelsgeographie

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Italien (Industrie). 
die Einfuhr von mineralischen Brenn 
stoffen muß demgemäß eine starte sein. 
1878 betrug der Wert des Imports von 
Steinkohle und Koks 31,w Mill. Mk.; 
das meiste davon kam aus England. Es 
ist natürlich, daß durch diesen Mangel an 
Brennmaterial die bergmännische In 
dustrie zurückgehalten wird und auch die 
Verarbeitung der Erze nur in schwachem 
Maße stattfinden kann. Sie werden daher 
größtenteils exportiert. Nach dem Ausland 
gingen 1878 (in Millionen Mark): 
Eisenerz... 1,» ! Zinkerz. . . 8,» 
Bleierz . . . 5,6 | Kupfererz . . 1,4 
1880 stieg die Ausfuhr gcgcu 1879 um 
208.000 Ton. Daher ist die Einfuhr von 
Metallen und Metallwaren eine sehr große. 
An rohen Mineralien: Eisen, Blei, Ku 
pfer, Zink, exportierte I. für 11,s Bl ill. 
Mk. und importierte von den gleichen 
Metallen im verarbeiteten Zustand für 
62,4 Mill. Mk. Aus der alle Zweige um 
fassenden Liste greifen wir als Hauptpo- 
sten (1878) heraus: Schmiedeeisen 11,8 
Mill. Mk., Eisenbahnschienen 5,i (1877: 
8,9) gm. gm, e# 3,8 gm. gm, 
Kupfer in Blöcken und Stangen 5,2 
Mill. Mk., Geräte aus Eisen und Stahl 
6,3 9m. Mk., Maschinen und Teile 15 
Mill. Mk. 1879 belief sich der Wert des 
Handels mit Mineralien (exklusive Kohle), 
Metallen und Waren daraus auf: Ein 
fuhr 86,6 gm. Mk., Ausfuhr 43,6 Mill. 
Mk. 1880 zeigte eine Mehreinfuhr von 
209.000 Ctr. Eisen und 68,000 Etr. Ma 
schinen. Der große Reichtum des Landes an 
Marmor und Alabaster ist schon von alters 
her bekannt und eine ergiebige Einnahme 
quelle. Teils wird der Stein in roher 
Form (in Blöcken oder Platten) versandt 
(1878 sür 3,4 Mill. Mk.), teils in Form 
von Statuen oder in andrer Weise bear 
beitet (1878 für 6,9 Mill. 9JÌÎ.); auch 
Arbeiten in andern Steinartcn, Bau- 
steinen u. dgl. werden zu bedeutenden 
Wertbeträgen ausgeführt, 1878 sür 3,5 
Mill. Mk. Bou 1878—79 stieg die Aus 
fuhr: von Marmor von 20,000 Ton. auf 
44.000 T. (1880: 64,000 T.), von Zie 
geln, Fliesen und Platten von 39,000 auf 
160.000 T. 
III. Industrie. 
Gewcrbthätig waren 1877 nur 13,6 
Proz. der Einwohner beschäftigt, und die 
Zahl der Dampfkessel war 4459 mit 
54,231 Pferdekräften. Über die Seiden- 
indnstrie ist schon oben (S. 260) berich 
tet worden. Die Baumwollindustrie 
ist hauptsächlich entwickelt in Piemont, der 
Lombardei und Salerno; 1876 gab eS 647 
Spinnereien und Webereien mit 764,862 
Spindeln, 13,517 mechanischen u. 14,300 
Handwebstühlen sowie 53,500 Arbeitern. 
1879 war die Spiudelzahl auf 900,000 ge 
stiegen, die Produktion hat sich fast verdop 
pelt. In der Weberei ist auch die Hausindu 
strie von Bedeutung. An Druckereien gab 
es 3 Etablissements mit 26 Druckmaschinen 
und 557 Arbeitern. Die Baumwollindu 
strie zeigt 1880 einen bedeutenden Auf 
schwung. Der Import von Baumwolle 
wertete'1879: 114 Mill. Mk.; 1880 stieg 
der Konsum um 4000 Ton., was einer 
Arbeit von 120,000 Spindeln gleich 
kommt. Demgemäß verminderte sich die 
Einfuhr von Bamnwollgarn um 7700 
Ctr., von Geweben um 3000 Ctr. Bei 
sehr mäßigem Export, der 1879:1,6 Mill. 
Mk. wertete, betrugen die Einfuhren von 
Baumwollstoffen und Baumwollzwirn 60 
Mill. Mk. England ist Hauptlieferant, 
von dort kamen 1879 nicht weniger als 12 
Mill. Pfd. Baumwollgarn und gegen 68 
Mill. Ellen Baumwollstoffe. Die Scha f - 
Wollindustrie hat ihre Sitze in Pie 
mont, Venetien, Toscana, Ligurien. Sie 
beschäftigte 1876: 540 Fabriken mit 
305,386' Spindeln, 2573 mechanischen 
und 5989 Handwebstühlen bei einer Ar 
beiterzahl von 23,557 Personen. Dabei 
importierte 1.1878 für 41,6 Mill. Mk. 
Wollgcwebe und für2 Mill. Mk. Strnmpf- 
und andre Waren, während der Export 
im ganzen nur 5,7 Mill. gm Wert er 
reichte. Die Hanf- und Leinenindu- 
strie ist trotz des reichlichen (f. oben) und 
vorzüglichen Rohmaterials nur schwach 
vertreten und beschäftigt in 241 Betrieben 
59,223 Spindeln, 772 mechanische Stühle 
und 12,784 Arbeiter. Daraus erklären 
sich die oben gezeigte starke Ausfuhr des 
Rohmaterials und die bebentenbe Ein 
fuhr der Fabrikate gegenüber einer ziem-
	        
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