19
er zu
timet
iöE>eI=
inten
ihm I
jeden
schon
!öbel-
imen. ;
chlen,
chend
gazin
eine
infcn
|t, ob
Brot,
rt ge-
t, Sie
, Wie
)fonn
h die
inten
ieöer
chen-
ians, I
inern
men. |
sehr
uröe,
letzte
er zu
war
mher
atzen
Ö die
0 der
ireise
Vor-
Aus-
erten
tfen,
Zleitz
tdlich
Zater
tsern
>ause
Von da an ging es rasch mit ihm ganz bergab. Die letzten Jahre
seines unglücklichen Lebens will ich dir lieber nicht schildern. Ich selbst war
froh, bald aus dem Hause zu kommen. Ich wurde Lehrling bei OnkellAdolf,
der damals Bauschlosser hier in Berlin war. ^ r „
Das war eine große Werkstatt, wo außer dem Meister sechs Gesellen
arbeiteten, und an Arbeit fehlte es meist auch nicht. Dehnte sich doch die Stadt
schon damals rasch aus und das Baugewerbe blühte. Einige Jahre ging
es auch slott vorwärts. Onkel Adolf war ein ernster, fleißiger Mann, der
nicht nur von seinem Handwerk, sondern auch vom Geschäftlichen etwas
verstand. Gewöhnlich sprach er nicht viel; aber eines Tages, ich entsinne
mich noch sehr wohl, kam er sichtlich angeregt in die Werkstatt und ver
kündete, er habe eben einen großen Auftrag übernommen, die ganzen
Schlosserarbeiten für zwei Neubauten eines Unternehmers. -Die ausge-
bungenen Preise waren nicht schlecht, und so spendierte der Onkel sogar zur
Feier des Tages, was sonst nicht seine Gewohnheit war, em Faßchen Bier.
Na, nun ging es los mit der Arbeit. Ueberstunden wurden njcht
weuiae gemacht. Das heißt, unsere Arbeitszeit war ja damals nicht so genau
geregelt'; aber in dieser Zeit arbeiteten wir eifriger und länger als sonst.
Zum festgesetzten Termin waren wir fertig und lieferten ab. Aber der
Bauherr hielt sich weniger streng an den Termin. Obwohl ihn der Onkel,
der selbst die Lieferanten bezahlen mußte, schließlich drängte, kam kein
Geld, und als er die Klage einreichte, erfuhr er zu seinem Schrecken, daß
die beiden Häuser, noch ehe sie fertig waren, schon weit überschuldet und
daß auch die Zimmerleute, Bautischler, Klempner und Ziegeldecker ebenso
wenig bezahlt waren wie er. Sie alle brachten jetzt ^Klagen ein gegen den
Unternehmer und erwirkten Anschreibung auf die Häuser. Aber was nutzte
ihnen das? Es stellte sich heraus, daß der sogenannte Unternehmer nur
ein vorgeschobener Strohmann war. Die beiden Häuser waren verpfändet
an einen reichen Bierbrauer, der sie jetzt öffentlich versteigern ließ, wobei er
sie selbst erstand. Das war eine schon vorher abgekartete Sache gewesen.
Der vorgeschobene Unternehmer war selbst ein armer Teufel, der nichts
hatte und von dem man auch nichts kriegen konnte. Die gesamten Bau
handwerker fielen glatt durch und kriegten gar nichts. Der Bierbrauer aber
hatte spottwohlfeil zwei schöne Häuser.
Der Onkel hat sich von diesem Schlag nie mehr erholt. Er war em
gebrochener Mann. Sein Geschäft und sein Name Waren ruiniert. Eine
Zeitlang fristete er noch sein Leben mit Reparaturen und Flickarbeiten;
aber lange hat er diesen Krach nicht überlebst
Die große Werkstatt hatte er natürlich aufgeben müssen, und so standen
nun die Gehilfen, und darunter auch ich, arbeitslos aus^ der Straße, ^zch
ging zu verschiedenen Schlossern nach Arbeit, überall umsonst. Unterdessen
waren meine Ersparnisse aufgebraucht, ich mußte jede Arbeit nehmen, die
sich mir bot. Ich war damals Schneeschaufler und Markthelfer, ich machte
Botengänge und trug Säcke. Endlich gelang es mir, ständigere Arbeit zu
finden — in einer Schuhfabrik als ungelernter Arbeiter. Die Bezahlung
war elend; aber was wollte ich machen? Hunger tut weh !
In dieser Fabrik habe ich längere Zeit geschuftet; es waren dort alle
möglichen Professionen unter den Arbeitern vertreten. Da gab es Gartner
und Schneider, Bildhauer und Eisengießer; nur Schuhmacher gab es nicht
unter uns. Später erfuhr ich, daß die Fabriksleitung Schuster überhaupt
nicht zu diesen Arbeiten aufnahm, denn diese stellten als gelernte Arbeiter
viel zu hohe Lohnforderungen.
2*