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Um es vorweg zu nehmen: auch die Durchführung der inten sivsten
Arbeitsteilung auf dem Wege der psychotechnischen Auslese, der
individuellen Anpassung des Arbeiters an seine Arbeit, der systema⸗
tischen Arbeitsanordnung usw. hat das positive Verhältnis des
Arbeiters zu seiner Arbeitsleistung für den Durchschnitt der Arbeiter⸗
schaft nicht zu beeintraͤchtigen vermocht. Der Durchschnittsarbeiter
wünscht sich gar keine Arbeit, die ihn dauernd seelisch und geistig in
Anspruch nimmt. Schon vor dem Kriege hat der deutschamerikanische
Professor Münsterberg in zwei auch ins Deutsche übersetzten grund⸗
legenden Werken: „Grundzüge der Pshchotechnik“ und „Psychologie
und Wirtschaftsleben“ (1913 und 1914) ausgeführt, daß die Klagen über
Monotonisierung der Arbeit im wesentlichen von Kopfarbeitern und
Ideologen, also von Leuten kämen, deren Berufseinstellung eine
bewußt schöpferische, eine „geistige“ sei. Dementsprechend würden —
soweit hier Klagen überhaupt verlautbaren — die Beschwerden über
die Monotonie der Arbeit in den handarbeitenden Berufen haupt⸗
sächlich bei den Handwerkern und Heimarbeitern erhoben, und hier
wiederum bei jenen Berufen am stärksten, die der Arbeitsteilung und
Arbeitszerlegung vorher noch nicht oder doch kaum unterworfen
gewesen seien.
Die Ergebnisse Münsterbergs sind durch die deutsche psychotechnische
Wissenschaft weitgehend bestätigt worden. Möde, Piorkowski,
Sachsenberg, William Stern, Lipmann, Atzler, Hildegard Sachs
u. a. haben festgestellt, daß Monotonisierung der Arbeit in keiner
Weise gleichbedeutend mit völliger Entgeistigung sei. Karl Bücher
hat in seinem Buche: „Arbeit und Rhythmus“, sogar den etwas
überspitzten Satz formuliert, daß Einförmigkeit der Arbeit im Gegen⸗
teil die größte Wohltat für den Menschen sei, solange er das Tempo
seiner Bewegungen selbst regulieren könne. „Denn sie allein gestattet
rhythmisch⸗automatische Gestaltung der Arbeit, die an sich befriedi⸗
gend wirkt, indem sie den Geist frei macht und der Phantasie Spiel⸗
raum gewährt. Rhythmische Arbeit ist aber auch an sich nicht geistlose,
II. Rationalisierung und Ethik