Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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je  100  Mk.  durch  den  Vertrauensmann  an  den  Kassierer  der  Parteileitung
abzuführen,  genehmigt  worden.  In  sämtlichen  Wahlkreisen  werden  diese  von
dem  Vorstand  an  den  Vertrauensmann  behufs  Ablieferung  an  die  große
Parteikasse  gezahlten  Summen  bezeichnet:  „Zur  Agitation."
In  dem  bei  Petermann  beschlagnahmten  Kassenbuch  findet  sich  eine
Summe  mit  100  Mk.  als  „zur  Agitation  abgeliefert"  verzeichnet.  Bei  Petermann ­
  sind  auch  2  Quittungen  von  Gerisch  und  Pfannkuch  —  Mitglieder  der
Parteileitung  —  vorgefunden,  auf  welchen  über  die  Ablieferung  kleiner  Beträge
an  die  Parteikasse  dem  Kassierer  Petermann  eine  Bescheinigung  erteilt  wird.
Vertrauensmann  des  1.  Wahlkreises  ist  der  Angeschuldigte  Täterow
(seit  Bestehen  der  neuen  Organisation),  stellvertretender  Vertrauensmann:  der
Angeschuldigte  Felgentreff  (seit  Lerbst  1894).
Täterow  hat  in  einer  Quittung  vom  31.  Oktober  1894  den  Empfang  von
100  Mk.  von  Petermann  bescheinigt,  offenbar  dieselbe  Summe,  deren  Ablieferung ­
  „zur  Agitation"  in  der  Generalversammlung  im  Oktober  1894  beschlossen ­
  ist  und  deren  Zahlung  im  Kassenbuch  des  Wahlvereins,  wie  vorhin
erwähnt,  vermerkt  ist.  Täterow  hat  auch  selbst  auf  Sammelbons  Geld  gesammelt ­
  und  an  die  Parteikasse  abgeführt.  Dem  Wahlverein  hat  er  als  einfaches ­
  Mitglied  angehört,  jedoch  einmal  einer  Sitzung  des  Wahlvereins  vorgesessen, ­
  als  beide  Vorsitzende  fehlten.  Daß  er  auch  auf  andere  Weise  mit
dem  Wahlvorstande  in  enger  Beziehung  gestanden  hat,  geht  aus  einem  von
ihm  geschriebenen,  bei  Pohlitz  beschlagnahmten  Briefe  hervor,  in  welchem  er
dem  1.  Wahlkreise  die  Mitteilung  macht,  daß  dieser  am  18.  März  1895  keine
Vereinsversammlung  abhalten  solle,  da  für  diesen  Tag  mehrere  große  öffentliche ­
  Versammlungen  geplant  seien,  eine  Kenntnis,  welche  er  offenbar  nur  aus
einer  Versammlung  sämtlicher  Vertrauensmänner  haben  konnte  —  jedenfalls
der  am  1.  Februar  1895  Oranienstr.  121  stattgesundenen.  —
Felgentreff  hat  die  Geschäfte  des  Vertrauensmanns  nur  dann  geführt,
wenn  Täterow  behindert  war.  Er  hat  Versammlungen  einberufen  und  Referenten ­
  bestellt,  auch  auf  Sammelbons  Geld  eingezogen.
Im  1.  Wahlkreis  sind  etwa  8  Corpora-Versammlungen  festgestellt  worden.
In  den  meisten  hat  Täterow  den  Vorsitz  geführt.
2.  Wahlkreis.
Im  2.  Wahlkreis  war  der  Angeschuldigte  Antrick,  Vorsitzender  (seit  einem
halben  Jahre),  Lange,  Schriftführer  (seit  Juli  1895)  und  Griese,  Kassierer  (seit
August  1895)  des  Wahlvorstandes.
Aus  dem  Kassenbuch,  dem  Protokollbuch  und  den  beschlagnahmten
Quittungen  geht  hervor,  daß  auf  Beschluß  des  Vorstandes  und  verschiedener
Vereinsversammlungen  vielfach  große  Summen  an  die  Agitationskommission
für  die  Provinz  Brandenburg  und  die  Frauen-Agitationskommission  gezahlt
sind.  Griefe  hat  geständigermaßen  wiederholt  derartige  Beträge  an  die  Vertrauenspersonen ­
  abgeführt,  Antrick  hat  in  Versammlungen,  in  welchen  Beschlüsse ­
  auf  Ablieferung  von  Beiträgen  an  die  Parteikasse  gefaßt  sind,  den
Vorsitz,  Lange  das  Protokoll  geführt.
Lervorzuhebe»  ist,  daß  der  Angeschuldigte  Kiesel  —  früher  Vorsitzender  des
6.  Wahlkreises  —  ausweislich  des  Protokollbuchs  und  der  Ausschnitte  aus  dem
„Vorwärts"  im  2.  Wahlverein  einen  Vortrag  über  die  in  seinem  Wahlkreise
gemachten  Erfahrungen  hinsichtlich  der  neuen  Organisation  gehalten  hat.
Vertrauensmänner  des  2.  Wahlkreises  waren  Werner  und  Schlichting
(seit  Oktober  1892  bezw.  seit  1894).
Zahlreiche  Quittungen  und  die  Kassenbücher  ergeben,  daß  Werner  vielfach,
Schlichting  in  einigen  Fällen,  Geld  von  dem  Kassierer  des  Wahlvereins  erhalten ­
  und  an  die  Parteikasse,  auch  an  die  Agitationskommission  für  die  Provinz
Brandenburg  abgeführt  hat.  Eine  Anzahl  von  Briefen  und  Karten  beweist
            
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