Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

Der  Sozialist.
Organ  der  unabhängigen  Sozialisten.
Redaktion  und  Expedition:  Alts  Zakodstraße  91,  Hof  3  Treppen.

»Der  Sozialist"  erschein,  wöchentlich  einmal.
aeo,»prell:  Monatlich  »0  ps.  vierteljährlich,  dtirch  die  post  bezogen  I  Mk.  ro  ps.  ohne  Bestellgeld;  direkt  per  Kreuzband  I  Mt.  c
Inserlionrprei»  pro  ^gespaltene  peiilzeile  >»  Ps.

o  Pf.  —  Linzel-Nummer  (Ö  Pf.

M  I.

Sonntag»  6cu  15.  November  1891.

I  >.  Jahrgang.

Inhalt:  AbounemeiilS-EIülodmig.  —Unftr  Zweck  —
Gcgcn  den  Slslal8jojioliJmu4..  —  Vom  Kampf  btt  Partei-Itlluiifl
  gegen  die  Opposition.  —  Nach  dem  Parteitag.  —
Depesche  oder  Postkarte.  —  Zur  Bewegung.  —  Zur  Abwehr. ­
  —  Abrechnung.  —  Inserate.

Alionncirrenls-Einlnduirg.
.Der  Sozialist'  tritt  mir  hcntigcr  Nummer  znm
erste»  Male  an  die  Ocfscntlichkeit.  Er  wendet  sich  in  erster
Linie  an  die  unabhängig  denkenden  Sozialisten  und  an
olle  Diejenigen,  denen  eine  Klärung  der  sozialistischen  Prinzipien ­
  am  Herzen  liegt.
.Der  Sozialist'  erscheint  am  Sonnabend  jeder  Woche
zum  Preise  von  40  Pf.  pro  Monat;  siir  Monat  November
20  Ps.  Bei  Bezug  durch  die  Post  beträgt  der  vierleljähriiche
  SbonnemenISprci»  I  Mk.  20  Ps.;  direkt  per  Kreuzband ­
  l  Mk.  60  Ps.  Die  Einzel-Nummer  kostet  10  Pf.
Bestellungen  nehmen  alle  Postanslalten.  Kolporteurc
und  ZcitungS-AnSlräger  enlgcgcn.
Wir  bitten  Gleichgesinnte,  sich  die  Verbreitung  deö
.Sozialist'  angelegen  sei»  z»  lassen  und  Probenummern
nach  Bedarf  von  \iii-3  zu  verlange».
Die  Expedition  des  „Sozialist"
grrtin  §..  fttr  Jnkobstr.  91,  gof  «>.

lHuscr  Zweck.
f  Wer  die  Vorgänge  der  leijlc»  Zeit  ansvicrlsam  bcobm.j.'.k,
  den  wird  uns«  Erscheine»  nicht  überrasche»
Innerhalb  der  sozlaldeinokratischc»  Partei  machte  sich
bercitb  ivährcnd  der  lebte»  Tage  de»  AuSnahm-geseheS  eine
licsgchcnde  Gählntig  gellend.  Die  Parieiverhälluisse  dräng-,
len  schon  damals  zu  einer  Klärung,  Anzeichen  innczcr
Korrnplion  riese»  in  ntanchei»  Genossen  das  Gcsühl  de«
Unbehagens  »nd  der  Mißstimmung  wach.  Die  NcichitagSsraklion
  enlsernle  sich  iuuner  mehr  vdn>  rein  proletarischen
Boden;  sie  begatt»  Im  Lager  de»  Kieinbürgerthumr  unterzntaitchcir.
  At,  die  Endziele  de»  SozialiSnutS  kehrte  ste  sich
inöglichst  wenig;  vielmehr  stichle  sie  iiti  PosstbiliSinuS  dar
Heil  der  Arbellerklasse.  Etat!  ans  dem  Boden  de»  LlasscnkamvseS
  zu  verharren,  schickte  sie  sich  a».  di«  SescbeSstickeret
im  Große»  zn  betreiben.  Nicht  di,  prinzipielle  Propaganda,
sondern  da»  Paclaineni  imirde  ihr  Ideal;  nicht  der  rcvo-Ptiiotiärcn
  Bcwegnug,  sonder»  der  Sozialreson»  widmete
man  seine  Kräfte.  Z»  alledem  knin  noch  die  Diklalttr  der
Parteileitung,  die  jedes  selbständige  Denke»  der  Genosse»
erstickte.  Wie  ein  eiserner  Druck  lastete  die  hcrauSgebildetc
Zentralisation  ans  der  freien  Bewegung  des  Proletariat».
Scho»  daittolS  lirste»  sich  einzelne  Slitnmcn  vernehme»,
«elä)e  vor  dem  Weiierschreile»  aus  dem  cittgeschlagenen
Wege  warnte».  Sic  übtet,  an  den  Misiltäiidcti  nickt,attSlosc
Kritik  und  machte»  aus  da«  Vcrhängiiibvolle  der  neuen
Taktik  ausmcrksanr  So  ersülllen  sie  ihre  Pflicht  ,1»  Genossen. ­
  Aber  der  Geist  der  Diklatur  war  noch  zu  »tüchtig;
die  eiserne  Zentralisation  hielt  die  Masse»  »och  zu  sehr  geknedc»
  —  dir  den  Arbeitern  eingedrillte  Disziplin  erllüric
die  Mahnrufe  für  Hochverrolh  an  der  Partei  I  Man  «erkündete:
  .Disziplin  geh!  über  das  Prinzip!'  und  die  Menge
nickte  dazu  mit  dem  Kopse.  Die  Kritiker  wurden  der  Berüchtlichmachung
  sozlaldcinokralilchcr  Slaalscinrichlungcn  für
schuldig  besundcn  —  man  stempelte  sie  nach  alter  Manier
zu  Polizeispitzeln  und  räudige»  Schnsen.  Die  selbst  von
der  bürgerlichen  LescllschasI  zugelassen-  Vertheidigung  wurde
ln  diesem  Falle  dadurch  verhinderl,  das,  mün  die  Angrklagten
einfach  niederschrie.  Noch  iticnialS  hat  sich  die  brutale  MajoriiütShcrrschafl
  so  verderblich  gräustert,  als  gerade  damal«.
Und  itoch  nie  zelglc  sich  die  Mache  geschickter  Demagogen
drntllcheri  So  wurde  die  erste  Regung  der  Opposition  in
Dresden,  Magdeburg  und  Berlin  niedergeworfen.
Der  Parlcilag  zu  Halle  hieb  all'  diese  Mastregein  gut.
Die  Opposillon  hotte  man  bi»  aus  einen  Genossen  von  vornherein ­
  von  jenem  Kongrelle  sernzuhallea  gewußt.  Aus  dcmjclben

  wurde  die  Zciitralisalion  woinSgllch  »och  enger-geschmiedet. ­
  die  Diklatur  noch  mveitert.  Im  Parieivorstand
schuf  man  eine  Behörde,  deren  Macht  und  Ei»fl»b  inzwischen
  klar  geworden  Ist.  Die  Parleiorgauisallon  hat  sich
als  Fessel  jsir  jede  selbständige  Bewegung,  für  jeden  freien
Meinungsaustausch  erwiesen;  sie  niacht  ihre  Mitglieder  zu
willenlosen  Werkzeugen  einer  von  der  Diktaiur  approbirlen
DiSzivlltt.  Und  wer  sich  nickst  unterordnet,  der  .stiegt  einsach
  hinaus'  -  wie  cS  nach  berühmtem  Muster  heiß,.
Auch  sonst  ist  Alle«  so  gclommcii,  wie  c«  die  Opposillon
bei  ihren,  ersten  -  Anslrclcn  erwartete.  Die  Partei  befindet
sich  im  schönsten  PosstbiliSinuS.  Ihre  seiiherige  RclchSlagS-IHLIIgkcil
  hat  dies  ans  daS  Bestimmteste  gelehrt.  Man
denke  doch  mir  m>  die  Bernlhimgen  deS  ArbcilerschntzgcsctzeS!
ES  war  ein  Jammer,  wie  sich  dicicnigcn  gcbcrdeie»,  die  das
Proletariat  zu  vcttrclcn  vorgaben  —  bcschänicnd  für  eine
Arbeilerpuclei!  Wenn  e«  noch  etncS  Beweises  für  den  kleinbürgerlichen
  Charakter  der  heutigen  Sozialdeniokraiie  dcdursl
hällc:  die  pnrlnmcntnrijche  Berlrelinig  selbst  hat  ihn  i»  dieser
Periode  hnnderlsnch  erbracht!
ES  war  daher  mir  natürlich,  daß  sich  die  Opposition
imuirr  lcbhaster  geltend  machte.  Und  ebenso  erklärlich  war
e«.  dab  die  Zusammenstöße  mit  der  Parteidillaliir  gerade
zu  jener  Zelt  am  hcsligstcn  ersotglcti,  alS  der  Internationale
Ärbellerkongreß  zn  Brüssel  beschickt  tverdcii  sollte.  Allen
ehrlichen  Gcnossctt  mußte  daran  liegen,  die  sozialistischen
Prinzipien  aus  dem  Kongresse  »»verwässert  und  unverfälscht
vertreten  zu  sehen.  Sic  vermochten  jedoch  nicht  zu  hindern,
daß  auch  hier  die  kleinbürgerlichen  Beslrebiingen  biumphirlcii.
Aber  der  Stclü  war  nun  unaushallsai»  i»'S  Rallen  gebracht.
Der  Kampf  wurde  immer  erregter.  Man  sachte  die  Opposition ­
  niederzuschreien;  man  verleumdete  sie,  so  viel  mna
tonnte;  man  erklär,«  sic  für  Polizeiinnchc  —  kurz:  man
bol  alle  Mittel  auf.  um  dir  Minderheit  z»  unterdrücken.
Und  babei  halten  die  ParteihLuptliNge  und  ihre  Kreaturen
die  Slirn,  zn  ertlären:  das  Recht  der  strllif  und  der
freien  Meinungsäußerung  sei  nicht  gcsührdel!
WaS  vorher  bereits  feststand,  geschah  ans  dein  Erfurter
Parteitage:  man  sordcrlc  den  Ausschluß  der  Opposition  —
natürlich  Initiier  üit  Interesse  der  freien  Meinungsäußerung!
Piait  verbreitete  nnler  bei,  Dctcgiricn  eineAnklageschrift
gegen  die  Hochverrülhcr.  die  nach  allcil  Regel»  staaiSanivaltschastlichcr
  LcrdrchnngSknnst  abgesaßl  tvar.  Die  Angeklaglen
zogen  ej!  jedoch  vor,  selbst  ihren  AuSlrllt  z»  erkläre».  DaS
hinderte  de»  Parlcilag  aber  keineswegs,  sic  hinlcrhcr  noch
Immer  scierlich  ouSznjchlirßcn  —  auf  Bclreibrn  derselben
Herren,  die  einst  selbst  daS  Recht  der  Opposition  für  sich
in  Anspruch  genommen!  Jehl  inöchte  man  natürlich  dir
Bedeulmig  de»  Vorganges  abschwächen.  Die  Acwalllgc»
de»  ParlcivorstandeS  bchanvlc».  der  Ausschluß  richte  sich  mir
gcgcn  die  Personen  Werner  und  Wildbcrgcr  -  nickst  gegen
die  Opposition.  ES  muß  weil  gckomme»  sein,  wein,  man
die  Genossen  durch  solche  Spicgelfcchtcrci  zn  täusche»  ivagl!
Wer  de»  Verhandlungen  de«  Parteitages  gefolgt  ist.  weiß,
daß  Ihaijächlich  die  Opposition  als  soichc  ausgeschlossen
wurde;  daS  Volum  richtet  sich  ivider  die  abweichende  Meinung ­
  —  mögen  auch  »och  so  viele  Parlcibüllcl  das  Gegentheil ­
  gläubig  nachbeten!  Man  stempelte  Kritik  undAnsichten
der  Oppostlio»  zu  Bcrlcnmdnngcn,  uni  mit  staotSanwalt-Ichaslilcher
  Logik  sagen  zck  können:  die  Opposition  wurde
wegeik-  Verleumdung  der  Partei  ausgeschlossen.  Und
daß  er  wirklich  die  abweichende  Meinung  war.  welche  man
auSsließ,  daS  Hai  Herr  Singer  in  einem  milKbiufttcii  Augenblicke
  selbst  verrathen.  Er  sagte  im  vierten'  Berliner  Wahlkreise ­
  gelegentlich  der  Berichterstattung  über  dr»  E-rsurlrr
Parteitag:  .Seien  wir  sroh,  daß  wir  die  Nörgler
an  der  dlsherigen  Taktik  loSgrivordeii  sind.'
Nachdem  nun  d,e  Oppostiioa  außerhalb  der  Panelorganisalion
  steht,  muß  sie  die  Propaganda  sür  die  Ideen
de«  Sozialismus  aus  eigene  Hand  betreiben.  Sie  wird
selbständig  und  unabhängig  operircu.  In  Berlin  hat  sich
die  Opposillon  bereit«  zu  einem  .Verein  »»abhängiger  Sozialisten' ­
  znsammkttgcschaart,  und  gleiche  Vereinigungen
werden  in  anderen  Jndustrlczenlrcn  enistehen.  Uebcrall  deginnt
  man  einzusehen,  daß  '  t«  unmöglich  ist.  Im  engen
Rahmen  der  sozialdemokratische»  Organisalion  noch  todter
erfolgreich  für  die  Befreiung  deS  Proletariats  zu  wirken.
Mit.diesem  Zusammenschließen  aller  unabhängig  denkende»
Sozialisten  ist  er  aber  nichk  allein  gethan.  Um  die  Prinzipien ­

  deS  Sozialismus  verfechten,  den  klcinbürgerlich-posffbilistlschcn
  Bestrebungen  der  Sozialdemokratie  entgegenarbeiten
»nd  alle  Angriffe  abwehren  zu  kömien  —  dazu  bedarf  es
in  'erster  Linie  deS  bcwührlcstcn  KampsmillcIS:  der  Presse.
Die  Parteiprcssc  hat  sich  unsShig  erwiesen,  alle  Meinungen
der  Genosse»  znm  Ausdruck  zu  bringen.  Sie  folgt  in
ihrer  Haltung  nur  der  parleibchördlichcn  Mnrschrouic  nnd
wag!  «S  nicht,  Andersdenkende»  Raun,  zu  gewähren.  Und
sie  muß  derartig  schablonenhasl  werden,  iveil  über  ihr  die  -
Zensur  deS  ParlcivorstandeS  schwebt.  DaS  Recht  der  sozial
dcinokralischcu  NcichSregicrung,  die  Haltung  der  Prcffe  -  zu
koiitroNiren  -  dieses  Recht  führt  zur  Knebelung  dcS  freie»
Wortes,  raubt  der  Publizistik  Lust  und  Licht,  sodast  hier
eine  Versumpfung  „oll,wendig  eintreten  muß.  ES  Ist  also
unmöglich,  nnscrc  Anschauungen  im  Rahmen  der  Parleipresse
  zur  Grllung  zu  bringen,  »nd  daher  uiachke  sich  sür
die  unabhüngigcn  Sozialisten  ein  eigenes  Organ  nöthig.
Wir  werden  unsere  Ausgabe  zu  crsüllcn  suchen,  indem
wir  unS  der  Hauplsache  nach  von  folgenden  Grundsähen
leiten  lassen.
Unser  Ziel  ist  die  wlrlhschastliche  nnd  damit  die  io
ziale  Besrcinng  der  Arbeiterklasse.  Wir  bckämpsen  Hnrschast
»nd  KncchlschasI  in  jeder  Form,  die  »laicricllc.  wie  die
geistige.  Dies  wird  möglich  durch  die  Aushebung  de»  bürgerlichen ­
  PrivatelgenihinnS.  InSbejonderc  durch  Lergcscll  schallung
  der  ProdnkiionSniiitcl.  An  Stelle  bcB  bculigcn  Sozial- ­
  nnd  WirtbschaslSzustandrS  tritt  da«  gemeinsame  Eigen
lhum,  die  gemeinsame  Produliion  und  die  gemeinsame  Kmi--snnilion
  —  wie  dict  schon  nu°  der  Tendenz  der  gejchichl-,
lieben  Enlwicktnng  hervorgeht
Diese«  Ziel  allein  hat  für  eine  strrilg  -  ioziolistische
Bewegung  «IS  Gnindlage  zu  bicnciu  Ausgabe  der  Agitation ­
  ist  cS,  da«  Prolclariat  dafür  vorzubcrrilm,  eS  zu
orgaiiistrcn  für  die  Bcsrciung.  ES  ist  klar,  daß  die  Bewegung ­
  durch  nnd  durch  rcvuiullonär  sein  must,  da  eine
freiwillige  Abdankung  der  Bourgeoisie  mnuögUch  crwarlct
tverdcii  kann.
Wir  verwerfe»  alle  Koinpromisse  mit  den  beerschendra
Klaffen  »nd  jrdcS  Entgcgenlommc»  seitens  der  Aibeiicr.
Uiitcrhandlnngcn  mit  der  Bourgeoisie  cmsm-cckicil  einer  orolelarlsch-rcvolulioiiären
  Bcivegung  nicht.  Darin»  bleiben  wir
Gcgncr  der  gesetzgeberisch  -  varlnmcninrisckirn  Thäligkcil;  die
Erlnhrung  hat  gclchrl,  daß  dirsclbc  «»abwendbar  zur  »ncrnpiion
  nnd  zum  PossibiliSnins  führt.  Man  muß  scsthallcn.
daß  das  Parlanient  eine  Instllntio»  Ist.  durch  welche  die
Bourgeoisie  ihre  Herrschafi  Über  daS  Proletariat  ausübt.
Hier  elwaS  sür  die  Arbcttcr  ertrotzen  ober  erbetteln  zu
tvollcn.  ist  daher  einfach  umnöglich.  Je  weiter  sich  die
bürgerliche  Gesellschaft  entwickelt,  desto  klaffender  werden  die
Klaffe,igcgcnsätze  zwischen  Bourgeoisie  »nd  Proletariat.  Der
Boden  sür  die  Unlcrhandliingen  mit  der  Bourgeoisie  schwinde, ­
  Immer  »uehr  nnd  Immer  hcsliger  muß  der  Kiaffrukamvs
  enldrcnnen.  So  wird  dar  Proleiarial  in  stcigciideni
Pkäßc  gezwungen,  der  herrschenden  Klasse  gegenüber  eine
rein  abwehrcndc  Taktik  einzuschlagc»;  die  positive  Pkitarbeil
an  der  Gcjehgcbiing  wird  mehr  den»  je  zur  iinmSglichkft.
Und  wenn  das  Prolclariat  einst  In  die  Lage  kommt,  eine
portamenlarischc  Mehrheit  bilde»  zn  können,  so  wird  iB
daraus  verzichten,  weil  <S  bnini  sein  Ziel  auf  einem  weit
kürzeren  Wege  zu  erreichen  vermag.
U»S  erscheint  der  geiverfschaflllch  -  sozialistischc  Klaffe»'
kanws  alS  die  ziveckmäßigstc  Forni,  unter  welcher  ber  Arbeiter ­
  heule  der  Bourgeoisie  gcgcnübertrett»  tan».  Er  hält
zugleich  die  Waffen  in  Muß.  fördert  die  Orgaiiisatlo»  »nd
die  Propaganda,  stärkt  daS  SolidarilälSgcsbht  und  beschleunigt
den  Konzenlrationkprozeß  deS  Kapitals,  indem  er  namentlich ­
  de»  Kteinbettieb  vernichten  Hilst.
Dl/Beseitigung  deS  Kleinbürger,  und  Kleinbauer»«,»!»«
hallen  wir  für  eine  der  Vorbedingungen  de«.  Sozialismus.
Die  wirihschastliche-  Entwicklung  räumt  bereits  damit  ans,
und  wir  werden  den  Untergang  dieser  Elemente  nur  zu  de
jchkcnnigen  suchen.  Da«  ist  eine»  der  wicht  igstc»  ttu-erschcidungLincrkmalc
  ztvischen  Mi»  und  der  osslziellc»  Soztatdcniokratic.

Innerhalb  der  proletarischen  Betvegnng  selbst  werden
Wir  jede  zwangsweise  Zculralisniio»  bckSiupfen.  -weil
durch  diese  OrganisalionSfonn  die  Machlbesngmffc
den  Händen  Einzelner  HLufen  nnd  somit  stet*  d>c  ©c.aiir
dn  Diktatur  droht.  Der  selbständigen  Beweg,mg  ^niciaer
Glieder  n:uß  da«  zentralistische  Prinzip  auf  ftdeu  0-a»

63.  Titelseite  der  ersten  Nummer  des  „Sozialist"  1891
            
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