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der literarischen Berufe gehörten, ein „Verein unabhängiger
Sozialisten" konstituiert, und acht Tage darauf erschien die erste Nummer
des Wochenblattes „Sozialist", das den Antertitel führte: Organ der
unabhängigen Sozialisten". Nach diesein Antertitel ward von nun ab auch
die ganze Bewegung benannt, die von den treibenden Geistern der
Opposition ins Leben gerufen war; sie hieß fortan kurzweg „Bewegung
der Unabhängigen".
Ihre wenig erbaulichen weiteren Schicksale haben uns hier nicht zu
beschäftigen. Sie wiederholen alles in allem die in der deutschen Sozialdemokratie
vorher schon wiederholt gemachte Erfahrung, daß selbst von denjenigen
Parteimitgliedern, die oppositionellen Rednern aufs lebhafteste zustimmen,
solange diese im Rahmen der Partei Opposition machen, stets nur
ein sehr kleiner Teil mit ihnen geht, wenn sie sich dazu hinreißen lassen,
aus der Parteiorganisation auszuscheiden. Zu den führenden Mitgliedern
der Bewegung der Anabhängigen gehörten begabte Redner und geübte
Organisatoren. Aber gegen dieses in der deutschen Sozialdemokratie wirkende
politische Gravitationsgesetz erwiesen sich ihre Kräfte als unzureichend,
zumal da sie der Taktik der Partei keine bestimmte und überzeugende
Politik gegenüberzustellen hatten. Ihre Opposition beruhte nicht auf anderen
Grundanschauungen, als wie die alten Parteiführer sie vertraten, sondern
auf Ausstellungen in Einzelheiten, und mit bloßen Ausstellungen gründet
man, wenn sie nicht der Ausfluß eines tieferen Gegensatzes sind — und
dagegen verwahrten sich grade in der ersten Zeit die Anabhängigen sehr
lebhaft —, keine neue Partei. Sie konnten im vorliegenden Falle um so
weniger gegen die alte Partei verfangen, als deren Lauptführer in Erfurt
aufs schärfste gegen Georg von Vollmar Stellung genommen hatten, der
in München in den Eldoradoreden diejenige Politik empfohlen hatte, von
der die Auerbach, Werner usw. behaupteten, daß die Partei sie mit Wissen
und Willen jener Parteiführer triebe. Was in dieser Hinsicht Bebel,
Liebknecht und Singer in Erfurt Vollmar gegenüber geltend gemacht hatten,
war ungemein geeignet, diejenigen Sozialdemokraten Berlins zu befriedigen,
die mit der Opposition gegangen waren, weil sie in der Tat glaubten, daß
die Partei in Gefahr sei, sich im Parlamentarismus zu verlieren. Nun
hatten die Vertreter des Parteivorstandes erklärt, daß, wenn die Frage
laute: Vollmars Vorschlag oder die Politik der Zungen, sie dann immer
noch eher zu den Jungen gingen. Besonders Bebel hatte sich über die
Nähe des Sieges der Sozialdemokratie so hoffnungsfreudig ausgesprochen,
wie der feurigste Revolutionär es nicht anders wünschen konnte, und als er,
nach Berlin zurückgekehrt, am 13. Dezember in der Brauerei Friedrichshain
in einer Rede über Taktik seine Ansichten über die Stellung zur Regierung,
zu den Parteien und dem Parlamentarismus entwickelte, ward ihm daher der
ungeteilte jubelnde Beifall der vieltausendköpfigen Menge zuteil. And ähnlich
ging cs in anderen Versammlungen zu, tvo Liebknecht, Singer, Auer,
Grillenberger und andere Führer der Partei über grundsätzliche Fragen
oder Fragen der Tagespolitik referierten. In ersterer Hinsicht interessierten
besonders diejenigen Versammlungen, in denen das in Erfurt beschlossene
neue Parteiprogramm von Liebknecht, Schippe! und anderen erklärt wurde.
Die einleitenden Sätze des Programms, die den Gang der Wirtschastsentwicklung
vorauszeichnetcn, erhielten dadurch eine starke praktische ^»e-Bernstetn,
Berliner Geschichte. III. 9