Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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„Volksblatt  für  Teltow-Bceskow-Storkow"  nach  Kräften  zu  unterstützen ­
  und  den  Gastwirten  auf  dem  Lande,  die  Maßregelungen  dafür  erleiden ­
  sollten,  weil  sie  ihre  Räume  Sozialdemokraten  zur  Verfügung  stellten,
Rechtsschutz  zuteil  werden  zu  lassen.  Ferner  ward  eine  aus  sieben
Mitgliedern  bestehende  ständige  Agitationskommission  eingesetzt.  Auf
einer  am  10.  September  in  Berlin  abgehaltenen  Konferenz  ward  außerdem
noch  eine  Lokalkommission  für  die  Provinz  Brandenburg  gewählt.
Als  im  Frühjahr  1893  der  Reichstag  plötzlich  aufgelöst  wurde,  ward
auf  einer  schnell  einberufenen  Konferenz  aus  der  Agitationskommission  für
die  Provinz  Brandenburg  ein  Zentralwahlkomitee  gebildet,  das  im
Verein  mit  örtlichen  und  Kreiskomitees  den  Wahlkampf  in  der  Provinz
leitete.  Eine  größere  und  regelrechte  sozialdemokratische  Provinzialkonferenz
für  Berlin  und  Brandenburg  konnte  erst  wieder  im  Spätsommer  1894
abgehalten  werden.  Sie  tagte  am  16.  September  jenes  Jahres,  war  von
58  Delegierten  aus  30  Orten  beschickt,  und  beschäftigte  sich  eingehender
mit  der  Agrarfrage,  die  mittlerweile  in  der  Gcsamtpartei  zur  Debatte
gestellt  war  und  einen  Punkt  der  Tagesordnung  des  nach  Frankfurt  a.  M.
einberufenen  Parteitages  der  Gesamtpartei  bildete.  Auf  Antrag  Dr.  Lux
beschloß  die  Konferenz,  von  der  Partei  die  verausgabe  einer  eingehenden
beschreibenden  Untersuchung  der  ländlichen  Verhältnisse  zu  verlangen,
und  ferner  stimmte  sie  einem  von  Artur  Stadthagen  formulierten  und
ausführlich  begründeten  Programm  von  Forderungen  des  ländlichen
Arbeiterschutzes  zu,  das  unter  anderem  ländliche  Schiedsgerichte  forderte, ­
  die  zu  zwei  Dritteln  aus  Vertretern  der  Arbeiter  bestehen  tlnd,
außer  zur  schiedsrichterlichen  Tätigkeit,  auch  dazu  berufen  sein  sollten,  jährlich
durch  Ortsstatut  Bestimmungen  über  die  höchste  Arbeitszeit  und  die
Sonntagsruhe  der  Landarbeiter  anzuordnen.  Das  Agrarprogramm
dagegen,  das  die  vom  Frankfurter  Parteitag  eingesetzte  Agrarkommission
ausarbeitete  und  im  Spätsommer  1895  bekanntgab,  ward  von  der  etwas
später  tagenden  1895er  sozialdemokratischen  Provinzialkonfercnz  für  die
Provinz  Brandenburg  verworfen.  Die  Konferenz,  die  63  Teilnehmer
zählte,  stimmte  einem  Antrag  des  Wahlkreises  Niederbarninr  zu,  wonach
der  bevorstehende  Parteitag  der  deutschen  Sozialdemokratie  ersucht  werden
sollte,  einen  prinzipiellen  Gegner  des  Agrarprogramms  als  Korreferenten
für  die  Beratung  des  Programms  zu  bestellen,  das  Agrarprogramm  abzulehnen, ­
  die  Tätigkeit  der  Agrarkommission  für  erledigt  zu  erklären  und
den  Beschluß  des  Frankfurter  Parteitags  zu  wiederholen,  der  die  von  der
vorjährigen  Konferenz  gestellten  Anträge  über  den  ländlichen  Arbeiterschutz
zum  Parteibeschluß  erhob.
Die  Verhandlungen  der  Brandenburgischen  Provinzialkonferenzen  Jahr
für  Jahr  im  einzelnen  durchzugehen,  fällt  aus  dem  Rahmen  einer  Geschichte
der  Berliner  Sozialdemokratie  heraus.  Denn  den  größten  Teil  dieser  Verhandlungen ­
  füllen  Erörterungen  über  die  Verhältnisse  der  einzelnen
Provinzialwahlkreise  und  der  für  die  Provinz  herausgegebenen  Zeitungen,
Broschüren  und  Flugblätter  aus,  die  keinen  direkten  Bezug  auf  die
Berliner  Bewegung  haben.  Die  organische  Verbindung  zwischen  Berlin
und  der  Provinz  Brandenburg  bestand  vielmehr  im  wesentlichen  darin,
daß  Berlin  der  Provinz  finanziell  und  agitatorisch  half,  soviel  es  nur  vermochte. ­
  Die  Wahlkreise  Berlins  setzten  regelmäßig  größere  Summen  für
            
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