Full text : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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Von  den  politischen  Versammlungen ­
  Berlins,  die  nicht  in  besonderen ­
  Rubriken  behandelt  werden,
ist  aus  dem  Jahre  1892  noch  von
Bedeutung  eine  am  29.  Februar
im  Saal  „Sanssouci",  abgehaltene
Versammlung,  in  der  Paul
Singer  über  die  Frage  der
Handelsverträge  sprach.  Es  handelte ­
  sich  damals  um  die  ersten
Handelsverträge  des  Kanzlers
Caprivi,  die  durch  Ermäßigung  der
Zölle  aufGetreide  und  andereLandwirtschaftsprodukte
  Zugeständnisse
andererLänder  (Österreich,  Belgien,
Schweiz  usw.)  in  bezug  auf  Industriezölle ­
  erwirkten.  Obwohl  die
Verträge  immer  noch  die  Getreidezölle ­
  in  der  ansehnlichen  Löhe  von
3Va  Mark  pro  Doppelzentner  hielten, ­
  stimmten  die  Sozialdemokraten
ihnen  im  Reichstag  dennoch  zu,  da
sie  wenigstens  eine  Verbesserung
gegenüber  dem  alten  Zustand
bedeuteten,  und  den  grundsätzlichen
Charakter  dieser  Abstimmung  legte
Singer  in  ausführlicher  Rede  unter
lebhafter  Zustimmung  der  Versammlung ­
  dar.  Neben  einer  Resolution, ­
  die  dieser  Zustimmung  Ausdruck  gab,  ward  auch  eine  Resolution
angenommen,  welche  die  Sozialdemokratie  dagegen  verwahrte,  daß  sie  absichtlich ­
  Straßentumulte  veranstalte.  Versammlungen  von  Arbeitslosen
hatten  zu  Zusammenstößen  der  begreiflicherweise  gereizten  Teilnehmer  mit
der  Polizei  geführt,  und  dafür  wollten  Reaktionäre  die  Sozialdemokratie
verantwortlich  machen.  Diese  aber  wies  den  Vorwurf  auf  das  Entschiedenste ­
  zurück,  da  sie  es  in  der  Tat  an  Abmahnungen  gegen  das  Lcrausfordern
  der  Polizei  und  dergleichen  nicht  hatte  fehlen  lassen.
Im  Jahre  1893  gab  die  Berichterstattung  der  Delegierten,  die  von
Berlin  zum  Kölner  Parteitag  entsandt  worden  waren,  Gelegenheit,  die  in
Köln  so  lebhaft  erörterte  Frage  des  Verhältnisses  von  Partei  und  Gewerkschaft ­
  und  der  Zukunftsaussichten  der  Gewerkschaften  nun  auch  in  Berliner
Parteiversammlungen  aufs  neue  zu  besprechen.  Kann  man  die  betreffenden
Versammlungen  nicht  als  Konferenzen  im  engeren  Sinne  dieses  Wortes
bezeichnen,  so  unterscheiden  sie  sich  doch  von  der  Mehrheit  der  im  Iahresverlauf
  abgehaltenen  Versammlungen  dadurch,  daß  in  ihnen  eine  bestimmte
Frage  von  größter  Tragweite  in  einer  Vielheit  von  Versammlungen  gleichzeitig ­
  und  im  Hinblick  auf  bedeutungsvolle  praktische  Entscheidungen  verhandelt ­
  wurde.  Man  findet  die  Berichte  über  sie  im  „Vorwärts  vom
19.  November  1893  und  den  folgenden  Nummern.  Sie  zeigen,  daß  auch

Sozialistische  Bibliothek.
Herausgegeben  von  Hermann  Tristler.
H-ft  I.

Der
Parlamentarismus
und  die
Arbeiterklasse.

Hermann  T  e  i  st  l  e  r.

preis  15  *1f.

Berlin  8.
Jtrudi  an#  .Verlag:  pa»l  petrradarf,  Alle  Sakodstr.  91.
1894.

66.  Titelseite  einer  antiparlamentarischen
Broschüre
            
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